Wenn Vorspulen im Video nicht nötig ist

Der Vorsprung von Leader Bern auf Zug schmilzt nach der 2:4-Niederlage vom Samstag auf zwei Punkte. Beunruhigender als die Tabellensituation waren aber die klassischen Fehlstarts.

SCB-Captain Simon Moser im Duell mit EVZ-Torhüter Tobias Stephan. Die Zuger spielten in speziellen Trikots, um das Eidgenössische Schwingfest zu lancieren.

SCB-Captain Simon Moser im Duell mit EVZ-Torhüter Tobias Stephan. Die Zuger spielten in speziellen Trikots, um das Eidgenössische Schwingfest zu lancieren.

(Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Kari Jalonen ist ein akribischer Trainer. Kein Aufwand ist dem Finnen zu gross, um die Stärken und Schwächen seiner Schützlinge zu analysieren. Nach dem Spiel beim EV Zug konnte der SCB-Trainer nun unfreiwillig mit einem Minimum an Zeit ein Maximum an Fehlleistungen aufzeigen.

Vorspulen im Video war nicht nötig. 24 Sekunden dauerte es im Startdrittel nur bis zum Führungstreffer von Brian Flynn, noch vier Sekunden weniger brauchte die Zuger Not-Verpflichtung im zweiten Abschnitt, um den Vorsprung auf 3:1 zu vergrössern. Im Schlussdrittel hatte die Nummer 19 wiederum nach 24 Sekunden die Chance, die Partie mit dem 5:2 endgültig zu archivieren, diesmal behielt aber Leonardo Genoni die Oberhand.

Die Fehler der Moser-Linie

Für Zug stand bei allen drei Aktionen die Ausländerformation mit Flynn, Carl Klingberg und Dennis Everberg auf dem Eis, beim SCB mühte sich erfolglos die Linie um Simon Moser ab. Der Captain war gewohnt selbstkritisch: «Wir haben zweimal im ersten Einsatz ein Tor bekommen, das ist natürlich gar nicht gut. Wir haben jeweils die Scheibe nicht aus dem Drittel gebracht, dann stimmte die Zuordnung nicht und wir fuhren Bögen.»

Erklärbar war diese ungewohnte Passivität aus Berner Optik nicht. Und dass die Zuger ihren Gästen ein Beruhigungsmittel in den Tee getan hätten, konnte man getrost als Mär abtun. Einen schlüssigen Erklärungsansatz fand Moser auch nicht: «Vielleicht wollten wir es nach dem ersten Fehler zu gut machen und haben dann zu viel überlegt. Und je mehr man dann daran denkt, desto verkrampfter hält man den Stock.»

Zeit genug, um sich einzustellen, hätten die Berner eigentlich gehabt. Schon um 19.39 Uhr waren sie aufs Eis gerufen worden, es sollte genügend Zeit bleiben, um dem aussergewöhnlichen Motto des Abends zu huldigen. Der Spitzenkampf wurde auch genutzt, um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest zu lancieren, welches vom 23. bis 25. August in der Kolinstadt stattfindet. Die Zuger liessen aber auf sich warten, und die Berner standen an ihrer blauen Linie wie bestellt und nicht abgeholt. «Das war nicht optimal, ist aber logischerweise keine Ausrede», sagte Moser.

SCB: Zwei Powerplaytore

Es bleibt zu hoffen, dass die Berner Spitzenschwinger in sechs Monaten entschlossener zu Werke gehen, als ihre Kantonskollegen auf Kufen. Beide Male fielen die beiden Gegentreffer in den fünf ersten Minuten, diese Defizite sollten zu schwer wiegen. Vor allem auch, weil der EVZ nie nachliess. Oder wie es Moser ausdrückte: «Offensiv haben sie uns phasenweise richtig Sturm gefahren.»

Die Partie blieb lange offen, auch, weil der SCB durch Powerplaytreffer von Rüfenacht (zum 1:2) und Ebbett (2:4) jeweils relativ schnell den Anschluss wieder schaffte. Die Zuger erwiesen sich im Auslassen von Tormöglichkeiten als grosszügige Gastgeber. Kein Berner hätte sich jedenfalls beklagen können, wenn das Defizit nach 40 Minuten höher ausgefallen wäre.

Aber auch so: Zum zweiten Mal innert 24 Stunden kassierte der SCB vier Gegentore. Für ein Team, das im Durchschnitt während der Qualifikation gerade einmal zwei Minustreffer zuliess, ein alarmierender Wert so kurz vor dem Playoff. Moser sagt: «Es hatte sich schon in den letzten Spielen gezeigt, dass wir etwas abwartend agieren. Von jetzt an müssen wir defensiv unbedingt wieder aggressiver spielen.»

Gelegenheit zur Kurskorrektur bleibt noch bis zum PlayoffStart am 9. März. Vier Partien stehen als letzte Testläufe unter Wettkampfbedingungen an, allesamt gegen Teams, die noch um das Playoff-Ticket kämpfen. Einen Ratschlag möchte Moser den Seinen mitgeben: «Wir dürfen nicht wieder nach fünf Minuten 0:2 hinten liegen.»

Berner Zeitung

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