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«Wir waren kein Team, wir waren eine Familie»

SCB-Coach Kari Jalonen spricht über den Weg zum Titel, erzählt, was ihn verärgert hat, und verrät, wo er seine Zukunft sieht.

Kein Publikumsliebling, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kari Jalonen.
Kein Publikumsliebling, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kari Jalonen.
Enrique Muñoz Garcia

Sie sollen nach der Medaillenfeier in die Sauna gegangen sein.

Ja, das stimmt (lacht). In der Sauna kann ich mich am besten entspannen. Auch daheim in Turku und im Sommerhaus in Luvia mache ich jeden Abend einen Saunagang.

Was ging Ihnen in der Sauna durch den Kopf?

Ich war glücklich, vor allem für die Jungs und alle anderen in der Organisation. Wir erlebten so viele schöne Momente. Ich habe keine Ahnung, was Sie mich alles fragen wollen, aber ich kann Ihnen den Hauptgrund dafür nennen, dass Bern Meister geworden ist.

Ja, gerne.

Wir waren kein Team, wir waren eine Familie. Klar, wir spielen Eishockey, aber im Hintergrund passiert vieles im Privatleben der Beteiligten. Im Oktober erfuhr Thomas Rüfenacht, dass sein Vater an Krebs erkrankt war. Da schossen wir das erste Familienbild und schickten es ihm, als er seinen Vater besuchte.

Was verstehen Sie unter Familienbild?

Wir schossen Gruppenbilder, für die wir an verschiedenen Orten posierten. Simon Moser verschickte die Fotos. Das zweite Bild machten wir für Ramon Untersander, der wegen Gleichgewichtsstörungen nicht ins Stadion kommen konnte. Wir wollten ihm zeigen, dass er trotzdem zur Familie gehört. Dann wurde Mark Arcobello erstmals Vater, auch er erhielt ein Familienbild. Später erkrankte Jan Mursaks Mutter schwer. Ich sagte ihm, er müsse in dieser Phase bei seiner Mutter in Slowenien sein. Auch er bekam ein Bild, genau wie Simon Moser, als er vor Spiel 7 gegen Biel Vater wurde. Und am Tag vor dem Titelgewinn schickten wir Daniele Grassi ein Familienbild, der sich durch einen unsauberen Check im Final verletzt hatte und sich deswegen einer Operation unterziehen musste.

Was bezweckten Sie mit den Fotos?

Wir sprechen stets über Teamgeist. Ich denke, all die traurigen und auch die schönen Dinge, die in den letzten neun Monaten geschahen, halfen uns, zu einer Einheit zusammenzuwachsen. Wir haben uns gegenseitig umeinander gekümmert. Klar, Eishockey ist wichtig, Coaching ist wichtig, aber es waren diese Erlebnisse, die uns so werden liessen (Jalonen drückt beide Hände zusammen).

War es dieser starke Zusammenhalt, der es der Mannschaft ermöglichte, im Playoff all die Rückschläge zu überwinden?

Ich denke, diese Erfahrungen haben uns stärker gemacht. Wir haben niemanden allein gelassen. Ich weiss es nicht, aber vielleicht haben uns die Familienbilder den Lauf im Playoff ermöglicht.

Beat Gerber sagt, Sie seien nie nervös. Stimmt das?

(überlegt) Das ist schön zu hören. Ich bin nicht nervös, weil ich viele Erfahrungen gesammelt habe. Wenn ich in die Garderobe gehe, spüre ich die Stimmung, ohne dass ich mit jemandem sprechen muss. Ich weiss nicht woher, aber ich habe die Gabe, sofort zu erkennen, was in der Garderobe abläuft. Daher habe ich ein Gefühl dafür, was ich zu tun habe, wenn ich vor das Team trete: Manchmal bin ich hart, manchmal verständnisvoll, manchmal positiv und manchmal ein Arschloch. Aber ich mache all das, um dem Team zu helfen.

Sie passten während der Serien immer wieder die Taktik an.

Ich glaube, das hatte einen Einfluss. Man braucht ein System, aber dann gilt es, abhängig vom Gegner immer wieder kleine Anpassungen vorzunehmen. Ich denke, in dieser Hinsicht machten wir einen besseren Job als die Genfer, Bieler und Zuger. Am Matchtag stand auf der Tafel jedes Mal die Rubrik «besser machen».

«Das Positive ist, dass die Fans mir die Schuld geben. Insofern kann ich die Mannschaft schützen.»

Obwohl Ihr Team die Qualifikation souverän absolvierte, gab es von Fanseite Klagen, der SCB spiele langweilig. Bekamen Sie diese Kritik mit?

Ja, ich hörte davon. Das Positive ist, dass die Fans mir die Schuld geben. Insofern kann ich die Mannschaft schützen. Doch ich verstehe diese Kritik nicht. Wir haben die Qualifikation auf Platz 1 abgeschlossen und den Titel geholt. Will mir wirklich jemand sagen, wir hätten langweiliges Eishockey gespielt? Es gab auch etwas anderes, das mich nervte.

Und das wäre?

Ich hörte und las immer wieder, wir seien müde. Aber wir waren nicht müde. Klar, nach dem Rekordmatch in Genf waren wir erschöpft, aber es ist für einen Eishockeyprofi auch nicht normal, sechs Drittel zu bestreiten. Davon erholten wir uns bis zum ersten Halbfinalmatch nicht. Doch später waren wir nicht mehr müde, trotzdem wurden wir immer wieder nach der Müdigkeit gefragt. Das verstehe ich nicht. Aber wir liessen all das dumme Geschwätz nicht an uns herankommen.

Am Ende skandierten die Fans Ihren Namen…

… das hörte sich gut an (lacht).

Es gibt die Gerüchte, Sie hätten Angebote aus der KHL und die Offerte vorliegen, das russische Nationalteam zu übernehmen. Haben Sie vor, Ihren Vertrag in Bern zu erfüllen?

Ich habe noch nicht mit meinem Agenten gesprochen. Ich will ehrlich sein, es gab in den letzten beiden Jahren stets Angebote aus der KHL. Nach dem Meistertitel 2017 wurde ich von einem Vertreter von ZSKA Moskau direkt angerufen – keine Ahnung, woher er meine Nummer hatte.

Wollen Sie hier bleiben?

Ja, ich habe schon mehrfach gesagt: Ich mag Bern, die Stadt, die Menschen, die Organisation, die Spieler, meine Arbeit. Ich habe hier wirklich alles, was ich brauche!

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