Wie sich der Tigers-Assistenzcoach auf das Doppelderby vorbereitete

Binnen zwanzig Stunden kommt es heute und morgen zu zwei Derbys zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers. Marco Bayer freut sich darauf, der Langnauer ­Assistenzcoach kennt und schätzt beide Vereine.

<b>Der Chef dirigiert, der Assistent korrigiert:</b> Heinz Ehlers (hinten) und Marco Bayer an der Bande der SCL Tigers.

Der Chef dirigiert, der Assistent korrigiert: Heinz Ehlers (hinten) und Marco Bayer an der Bande der SCL Tigers.

(Bild: Freshfocus)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es gab Zeiten, da wurde einem Langnauer Prügel angedroht, wenn er Sympathien für den SC Bern hegte. In Derbys flogen regelmässig die Fetzen, SCB-Legende Roland Dellsperger verlor in Duellen mit den Emmentalern insgesamt 16 Zähne. Am Samstag und am Sonntag kommt es nun binnen zwanzig Stunden zu zwei Vergleichen zwischen Bernern und Langnauern.

Doch Zahntechniker und Teamärzte können beruhigt sein: Derartige Gewaltexzesse wie in den 1970er-Jahren sind am Wochenende nicht zu ­erwarten. Stellvertretend für das entspannte Verhältnis zwischen Hauptstädtern und Emmentalern steht Marco Bayer. Und so sagt der Assistenzcoach der SCL Tigers: «Spielen wir gegen den SCB, ist das für mich ein Treffen von Freunden.»

Diese Aussage überrascht kaum, kennt und schätzt der Zürcher doch beide Vereine bestens. Seit dieser Saison steht er an der Seite Heinz Ehlers’ an der Langnauer Bande, davor hat er während zweier Jahre in Bern gearbeitet – und dort den grössten Erfolg als Trainer gefeiert.

Simple Erfolgsformel

Den 12. April 2016 jedenfalls wird Bayer so schnell nicht vergessen, an diesem Abend durfte er in ­Lugano den Meisterkübel in die Höhe stemmen. «Es sind viele schöne Momente, die von dieser Saison hängenbleiben», sagt er. «Wir hatten phasenweise zwölf Verletzte, das war unglaublich. Doch ich habe einen extremen Drive bei den Spielern erlebt.»

Im Dezember 2015 hatten Leuenberger und Bayer den SCB nach der Entlassung von Guy Boucher übernommen, in extremis führten sie das Team in die Playoffs und schliesslich zum Triumph. «Es war ein Start von null auf hundert», sagt Leuenberger, «ich war sehr froh, hatte ich Marco an meiner Seite.»

Trotzdem ging es danach nicht weiter; Leuenberger musste den Klub verlassen, Bayer ging zurück zu den Elite-Junioren. «Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht», sagt der 45-Jährige, «schliesslich hatte ich noch einen Vertrag im Nachwuchs. Ich bin dem SCB sehr dankbar für alles, ich habe in dieser Zeit sehr profitiert.»

Im vergangenen Sommer wechselte Bayer ins Emmental. «Als mich Heinz Ehlers anrief, ­habe ich nicht lange gezögert. In Langnau kannst du etwas bewegen», sagt Bayer. Tatsächlich läuft es den SCL Tigers in dieser Saison ganz ordentlich; trotz zuletzt vier Niederlagen sind sie nach wie vor auf Tuchfühlung mit einem Playoff-Platz. «Was wir aus unseren Möglichkeiten herausholen, ist erwähnenswert», hält Bayer fest.

Wobei es eine relativ simple Erfolgsformel gibt: «Wir müssen ganz einfach mehr und intensiver arbeiten als alle anderen, nur dann haben wir eine Chance.» Mit Ehlers teilt sich Bayer die Auf­gaben, der Däne betreut die Stürmer, der Zürcher die Verteidiger. Generell gilt: Das letzte Wort hat Ehlers.

«Aber ich unterstütze ihn, hinterfrage Sachen, versuche Verbesserungen anzubringen», erklärt Bayer. Und Ehlers lobt: «Marco arbeitet sehr professionell, er hat alles im Griff.»

Klare Vision

Während des Spengler-Cups durfte Bayer sein Portfolio erweitern, im Staff von Patrick Fischer mitarbeiten. Er unterstützte den Nationaltrainer mit der Analyse der Gegner, wurde in alle Entscheidungen miteinbezogen.

Sehr lehrreich sei diese Woche gewesen, betont Bayer. Wobei er kritisch anfügt: «Am Schluss haben wir leider versagt. Aber das zeigt uns, wo das Schweizer Eishockey steht.»

Bei der 0:3-Niederlage im Final gegen das Team Canada offenbarte die Nationalmannschaft Schwächen vor beiden Toren – es sind altbekannte Schweizer Probleme.

Bayer hat einen Lösungsansatz, doch wird dieser nicht von heute auf morgen umsetzbar sein. «Wir müssen uns überlegen, wie wir unser Wettkampfsystem besser machen, bereits beim Nachwuchs mehr Intensität reinbringen können», sagt er.

Der im Emmental tätige Zürcher macht keinen Hehl daraus, wo sein Weg hinführen soll: Bayer will dereinst ein NL-Team coachen. Allerdings ist einheimisches Schaffen auf dem Trainerposten nicht sonderlich gefragt, wie das Beispiel von Meister­trainer Lars Leuenberger zeigt.

Aktuell arbeiten in der National League mit Arno Del Curto, Kevin Schläpfer und Luca Cereda nur drei Schweizer Trainer. «Man muss zur richtigen Zeit am rich­tigen Ort sein», sagt Bayer. Er ist überzeugt davon, dass Schweizer genauso gut wie die Konkurrenten aus Skandinavien und Kanada coachen können, «wenn nicht besser».

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt