Wie ein umgekehrter Handschuh

Die Langnauer Auswärtsschwäche hält an: Gegen Ambri-Piotta verlieren die SCL Tigers nach dürftiger Leistung 2:4. «Es gibt keine Entschuldigungen», sagte Trainer Benoît Laporte.

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Ob es denn eine andere Mannschaft war, wurde Benoît Laporte salopp gefragt. 6:0 hatten die SCL Tigers am Freitag Davos bezwungen, 24 Stunden später folgte die Ernüchterung respektive das 2:4 in Ambri-Piotta. Wie ein umgekehrter Handschuh präsentierten sich die Langnauer im Tessin.

Zumindest während den ersten zwei Dritteln spielten sie nicht mehr schnell wie beim Coup gegen den Meister, sie agierten nicht mehr kreativ, sie hielten die Fehlerquote nicht mehr tief. «Vor allem mangelte es an der Disziplin», resümierte Laporte, der erstmals in dieser Saison einen frustrierten Eindruck hinterliess. «Wir trafen dumme Entscheidungen, die Verteidiger nahmen zu viel Risiko. Dafür gibt es keine Entschuldigungen.»

Laportes Rückkehr

Langnau liess eine günstige Möglichkeit ungenutzt, vom letzten Tabellenplatz wegzukommen. Lange Zeit war der Tigers-Auftritt von bescheidener Qualität mit dem 1:3 nach dem Mittelabschnitt waren die Gäste sehr gut bedient, es hätte auch 1:6 stehen können. «Während 35 Minuten spielten wir fürchterlich», meinte Angreifer Claudio Moggi. «Es schien fast, als wären wir nach dem Davos-Sieg alle zufrieden gewesen.»

Moggi sprach von «einmal mehr verschenkten Punkten», was durchaus zutreffend war. So furios das Heimteam nämlich in die Partie gestartet war, so eklatant baute es nach Spielmitte ab. Abermals verdeutlichte sich die Langnauer Auswärtsschwäche: 16 von 20 Punkten hat der Aufsteiger in der Ilfishalle gewonnen. «Sorry, keine Erklärung dafür», meinte Stürmer Kevin Clark, auf die erwähnte Diskrepanz angesprochen.

Laporte hält die Disziplin für entscheidend. «Auswärts kassieren wir zu viele Gegentreffer in Unterzahl.» Am Samstag waren es deren zwei. Für Laporte war es freilich kein gewöhnliches Auswärtsspiel. In Ambri hatte der Frankokanadier zwischen 2009 und 2010 an der Bande gestanden. In der Leventina erlangte er Berühmtheit – aus unrühmlichem Grund.

Während eines Spiels warfen Fans einen Koffer aufs Eis, forderten Laporte symbolisch zum Gehen auf. Zehn der elf vorangegangenen Partien hatte Ambri damals verloren, Laporte wurde zur Zielscheibe der Tifosi. Ultras belästigten ihn mit Drohanrufen, warfen Tomaten nach ihm, verwüsteten den Vorplatz seines Hauses. Zur eigenen Sicherheit wurde er im Polizeiauto vom Stadion nach Hause kutschiert. Angst um seine Familie habe er damals gehabt, sagt Laporte, «aber das Ganze ist längst verarbeitet. Auch ich machte Fehler in Ambri, habe daraus aber gelernt.»

Acht Verletzte

Stichwort Fehler: Solche leisteten sich die Emmentaler einige. So kam Ambri zu Beginn des zweiten Drittels relativ einfach zu zwei Toren. Nach Dan Weisskopfs Anschlusstreffer in Überzahl (42.) erspielten sich die Tigers indes mehrere Ausgleichschancen.

«Ich bewundere meine Mannschaft dafür, dass sie nie den Kopf hängen lässt, sich immer wieder zurück kämpft. Aber wir gehen zu fahrlässig mit den Chancen um», meinte Laporte, auf die beiden ausgezeichneten Möglichkeiten Sandro Moggis und Ville Koistinens hinweisend.

Den Fakt, wonach gleich acht Stammkräfte angeschlagen fehlten – Manuel Gossweiler und Jordy Murray hatten am Freitag beim Kantersieg über Davos eine Hirnerschütterung erlitten – wollte Laporte nicht überbewerten. «Am Dienstag gegen Biel wird eine Steigerung nötig sein.» Nur gut, findet die Partie in Langnau statt…

Ambri-Piotta - SCL Tigers 4:2 (1:1, 2:0, 1:1)

5217 Zuschauer. – SR DiPietro/Massy, Espinoza/Kohler. – Tore: 8. Duca (Oliver Kamber, Pestoni/Ausschluss Stettler) 1:0. 16. Anton Gustafsson (Tobias Bucher, Clark) 1:1. 23. Fora (Oliver Kamber, Giroux/Ausschlüsse Adrian Gerber, Weisskopf) 2:1. 25. Pestoni (Fuchs, Sidler) 3:1. 42. Weisskopf (Tobias Bucher/Ausschluss Giroux) 3:2. 60. (59:55) Giroux (Monnet) 4:2 (ins leere Tor). – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta, 7mal 2 Minuten gegen SCL Tigers. – PostFinance-Topskorer: Emmerton; DiDomenico.

Ambri-Piotta: Zurkirchen; Fora, Birbaum; Trunz, Sidler; Gautschi, Sven Berger; Nordlund; Duca, Oliver Kamber, Lhotak; Pestoni, Fuchs, Giroux; Stucki, Emmerton, Monnet; Grassi, Hall, Lauper; Elias Bianchi.

SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Koistinen; Weisskopf, Adrian Gerber; Ronchetti, Zryd; Kim Lindemann, Currit; Olesz, DiDomenico, Nüssli; Clark, Anton Gustafsson, Tobias Bucher; Sandro Moggi, Albrecht, Claudio Moggi; Tom Gerber, Sven Lindemann, Haberstich.

Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Flückiger und Mäenpää, SCL Tigers ohne Deny Bärtschi, Nils Berger, Gossweiler, Lukas Haas, Yves Müller, Jordy Murray, Schirjajew und Wyss (alle verletzt). – Lattenschuss Pestoni (56.).

Berner Zeitung

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