Wie auf der Weide, so auf dem Eis

Für einmal glückt den SCL Tigers der Saisonstart: Vor 5623 Zuschauern in der Ilfishalle besiegen die Langnauer Aufsteiger Rapperswil-Jona 5:2.

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Die Frage kam auf im Zug, zwischen Konolfingen und Zäziwil. Sie war im Medienraum zu hören, drei ältere Semester auf der Holztribüne debattierten darüber. Wann wohl hat Langnau in der höchsten Spielklasse letztmals die erste Meisterschaftspartie für sich entschieden? So richtig schien das keiner zu wissen, daher die Auflösung: Es war 2007 beim 4:1-Sieg gegen Kloten gewesen, als man in der Ilfishalle einen VIP-Bereich nur vom Hörensagen gekannt und von der aktuellen Mannschaft noch keiner den Tiger auf der Brust getragen hatte. Am Freitag nutzten die Emmentaler die günstige Gelegenheit, wieder einmal mit einem Erfolgserlebnis in die Qualifikation zu starten. Rapperswil-Jona war zu Gast, und wenngleich Energie und Euphorie spürbar waren und der tapfere Aufsteiger bis zur 35. Minute in Führung lag, setzten sich die Tigers 5:2 durch. «Ich bin sehr erleichtert», meinte Coach Heinz Ehlers. «Wir waren dominant, aber die Partie hing am seidenen Faden.»

Nervöser Punnenovs

Das kurzzeitige Zittern, das Bangen, das Leiden, es hätte nicht sein müssen. Langnau legte engagiert los, und wie es das tat, keine Minute war gespielt und schon erzielte Raphael Kuonen das 1:0. Sowieso, dieser Kuonen. Er hätte die Partie entscheiden können in der ersten Viertelstunde. Der Walliser zog allein aufs Tor nach vier Minuten, aber er scheiterte.

Kurz darauf schoss er wieder aus aussichtsreicher Position, doch er vergab. Später wurde er im Powerplay mustergültig freigespielt, aber Sie ahnen es, der Puck ging nicht rein. Und so stand es nach dem Startdrittel nicht 3:0, sondern 1:2. Auch, weil Goalie Ivars Punnenovs, vergangene Saison so oft gelobt, kein sicherer Rückhalt war. Zumindest den Ausgleich hätte er verhindern müssen.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich der Lette in der Folge markant steigerte. Und es spricht für dessen Vorderleute, dass sie gegen den auf Konter lauernden Gegner nicht müde wurden, anzurennen. Alexei Dostoinov und Zuzug Andrea Glauser führten gegen Ende des Mittelabschnitts die Wende herbei (35./38.), nach der zweiten Pause sorgte Eero Elo für die Entscheidung.

Rapperswil wiederum baute mächtig ab. Zumindest ein Youtube-Renner werden könnte Florian Schmucklis Aktion kurz vor Schluss: Als Goalie Melvin Nyffeler einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hatte, drosch er die Scheibe unbedrängt und zum Erstaunen aller ins eigene Gehäuse.

Wie 1981?

Es war keine Langnauer Glanzleistung vor 5623 Zuschauern, die Hausherren aber erfüllten die Pflicht letztlich souverän. «Wir haben den ersten Mentalitätstest bestanden», sagte Captain Pascal Berger. Einiges war zuletzt in die Teambildung investiert worden: Die Equipe reiste nach München, schaute YB in der Champions League zu – und half gar einem Bauern im Oberland auf der Weide. «Wir sind näher zusammengerückt», meinte Berger. «Das hat man nach dem 1:2 gesehen, als wir nicht nervös wurden.»

Die Protagonisten wurden nicht müde, die Bedeutung der drei Punkte zu untermauern. Was angesichts der jüngeren Vergangenheit nicht erstaunte. Vor Jahresfrist hatten die Tigers die ersten fünf Partien verloren, 2016 gar die ersten neun. Und auch in die Saison nach dem Wiederaufstieg waren sie schlecht gestartet, mit acht Niederlagen aus zehn Spielen. «Wir kennen die Geschichte, wollen es besser machen», sagte Berger.

Die Aufgabe allerdings ist keine einfache: Der SCB lädt zum Derby, bei den Ausländern wird gemäss Ehlers Aaron Gagnon den Platz Mikael Johanssons einnehmen. Die Frage drängt sich auf: Wann haben die Langnauer letztmals die zwei ersten Meisterschaftsspiele gewonnen? Es war 1981, als Zürich und Freiburg besiegt wurden. Und von der aktuellen Equipe niemand auf der Welt war. Philipp Rindlisbacher

Berner Zeitung

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