Wenn die Flasche nur noch leer ist

Lugano kann weiterhin kein entscheidendes letztes Saisonspiel zu Hause gewinnen. Dennoch hat es die Erwartungen übertroffen.

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Natürlich, sie probierten es bis zur letzten Sekunde. Oder bis zum 0:2, 19,4 Sekunden vor Schluss. Und hätten sie nur die Hälfte der Energie ihrer Supporter gehabt, so hätten sie vielleicht das Ende noch einmal hinauszögern können. Aber die Flasche war leer, wie ein italienischer Fussballtrainer sagen würde. Es hinderte das Publikum nicht daran, ihre Lieblinge frenetisch zu feiern.

Gestern fehlten schlichtweg die Kräfte, um im vierten Showdown vor eigenem Anhang das Blatt erstmals noch zu wenden. Das zeigte sich an Details: Oft waren die Luganesi einen Schritt zu spät, so Lapierre, der nach der Attacke von Pettersson nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war und der ebenfalls angeschlagene Sannitz. Es waren die fast letzten Fälle von ähnlicher Unbill, wie sie ­Zürich in der Regular Season zu beklagen hatte. Zu den Langzeitverletzten (Chiesa, Brunner, Bürgler) und zu Cunti (Spiel 5 und 6 im Final) kam auch noch Vauclair, der im Startdrittel ausfiel. Alle anderen versuchten, die Lücken mit Aufopferungsbereitschaft und Marathoneis­zeiten zu stopfen, aber die Zürcher verfügten über die grössere Kaderbreite.

Mit etwas Distanz darf Lugano dennoch zufrieden sein. Platz 4 in der Regular Season war keine Glanzleistung, aber eine Steigerung gegenüber den letzten beiden Jahren, als man in den Strichkampf involviert war. Vor dem Playoff hätte dann aufgrund der personellen ­Misere niemand nur einen Espresso auf eine Finalqualifikation gesetzt, aber das Team zeigte oft, wie gefestigt es ist.

Handwerk wird zelebriert

Nach zwei Finals und einem Halbfinal in drei Jahren kann man getrost sagen, dass die fast ein Jahrzehnt währende Baisse beendet ist. Konstanz ist das neue Zauberwort, unter Greg Ireland wird Handwerk zelebriert wie nie zuvor in der ­Resega. Mutationen werden wie so oft nicht ausbleiben: Furrer zieht aus privaten Gründen nach Freiburg, und fraglich dürfte auch der Verbleib von Merzlikins sein. Der Goalie ist seinem Nordamerika-Traum nähergekommen.

In der Vergangenheit führten Transfers immer wieder zu Instabilität. Nun steht aber das Fundament für ein neues und anderes «Grande Lugano». Eines, in dem neu auch Einheimische ihren Platz haben: Am Mittwoch standen elf Spieler im Einsatz, die schon im Nachwuchs bei Lugano waren.

Den 9. Meistertitel des ZSC beleuchtet der TA neben der aktuellen Berichterstattung und Würdigung mit einer Beilage. Sie finden die ZSC-Meisterzeitung im TA vom Montag, 30 April oder unter meisterzeitung.tagesanzeiger.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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