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Wenn der Verlierer gefeiert wird

Ambri-Piotta zeigt nach dem Viertelfinal-Aus kaum Anzeichen einer Enttäuschung. Dieses besondere Ende passt hinter eine besondere Saison eines Aussenseiters.

Kristian Kapp
Verkehrte Welt nach dem Ausscheiden: Ambris Fans feiern ihr Team minutenlang wie Sieger. Foto: Estelle Vagne (Freshfocus)
Verkehrte Welt nach dem Ausscheiden: Ambris Fans feiern ihr Team minutenlang wie Sieger. Foto: Estelle Vagne (Freshfocus)

Es waren ungewohnte Bilder in Biel, ein paar Minuten nachdem das Ausscheiden Ambris feststand. Die Halle hatte sich fast entleert, dann übernahmen die Tessiner Fans das akustische Kommando. Sie verharrten in ihrer Kurve, liessen, solange es ging, ihre Spieler hochleben. Und als diese sich nach ausgiebigem Verabschieden verzogen hatten und die Tifosi endgültig alleine waren, durfte als Schlussbouquet auch das Verhöhnen des Rivalen aus Lugano nicht fehlen.

Eine Zelebrierung des Ausscheidens? Nein, eine Würdigung des Grossen und Ganzen! «Wir feiern nicht die Niederlage, wir feiern die Saison», erklärte Ambris Präsident Filippo Lombardi. Dass Ambri erstmals seit 2014 das Playoff erreichte, half über die Enttäuschung hinweg.

Die Unerfahrenheit

Seit mit Sportchef Paolo Duca und Trainer Luca Cereda 2017 zwei heute 37 Jahre junge Antreiber frischen Wind in den Club brachten, ist alles anders. Ambri steht nicht mehr für alte Spieler, die kommen, um die Karriere ausklingen zu lassen, sondern für Jugend und Aufbruchstimmung. «Wir haben vieles gelernt in den letzten zwei Jahren, wir haben eine Vision, einen Fortschritt, der nun nicht zu Ende sein soll», frohlockte Lombardi.

Es fiel Ambri am späten Dienstagabend schwer, Enttäuschung zu zeigen. Die singenden Fans, der strahlende Präsident. Aber auch der vor allem stolze Trainer. Cereda sprach von der Nähe zu den Fans, die der Club wiedergefunden habe: «Das ist fast so wichtig wie der sportliche Erfolg.»

Verteidiger Samuel Guerra, ein aus Zürich heimgekehrter Sohn der Leventina, beschrieb es so: «Das letzte Mal, dass ich Ambri so erlebt habe, war als junger Fan auf der Tribüne.»

Es war rund um die Garderobe Ambris aber auch diese Überwältigung zu spüren. Und dies wird, wenn der Blick wieder auf nächste Saison gerichtet wird, auch Teil der Analyse von 18/19 sein. «Nicht nur das Team hat gelernt. Auch wir im Staff sind noch unerfahren, haben nicht alles richtig gemacht», sagte Cereda.

Da war die Verbissenheit, alles richtig machen zu wollen, ein Mangel an Lockerheit, die vielleicht eine Rolle spielte, als Ambri in Spiel 1 chancenlos war – das einzige Mal in einer sonst engen Serie. «Wir waren nervös, alles war neu, wir mussten lernen, wie Playoff funktioniert, was es zum Gewinnen braucht», erklärte es Guerra.

Sinnbild und Verlust

Gerade der 25-Jährige ist eine der Figuren, die für das Wunder von Ambri stehen. Oft war nur vom nun scheidenden Topskorer Dominik Kubalik und seiner Formation die Rede – einer Linie, die im Playoff trotz starkem Powerplay beim «richtigen» Eishockey mit fünf gegen fünf Feldspielern indes vieles schuldig blieb.

Aber eben, Guerra: Er lancierte seine Karriere neu, spielte in Ambri vielleicht die Qualifikation seines Lebens. Und Guerra spielte auch im Playoff solid, stand in fünf Spielen bei 5-gegen-5 bloss bei einem Gegentor auf dem Eis – ausgerechnet bei Biels 2:1-Gamewinner am Dienstag.

Und doch hat auch Guerra sich entschieden, Ambri wieder zu verlassen, nach Davos zurückzukehren, dorthin, wo er seine NLA-Karriere startete «und wo mittlerweile eigentlich meine richtige Heimat ist», wie er es formuliert. «Und wo ich Chancen auf eine noch grössere Leaderrolle sehe.»

So ein Verlust, er schmerzt auch Cereda: Gerne hätte er Guerra behalten, sagte der Trainer. Dieser Abgang erinnert ihn wieder an den Alltag Ambris und die nach wie vor schwierige Zukunft, die ihm ­bevorsteht. Es gilt, die Saison 2018/19 zu bestätigen: «Wir verlieren wichtige Spieler, und wir wissen, wo wir herkamen.»

«Nur Geld und Forderungen? Dann kommt es nicht gut.»

Cereda stellt sich der Challenge, er tut dies weiter mit seinem für Profitrainer ungewohnten regulären, mit drei Monaten Frist jederzeit kündbaren Vertrag. Er wolle seine Position nicht für Neuverhandlungen nützen, sagt Cereda: «Wenn du nur für Geld und Forderungen da bist, kommt es nicht gut. Für mich stimmt es, ich habe hier als unerfahrener Coach eine Chance erhalten.»

Wie geht es nun weiter? Die Frage stellt sich auch neben dem Eis. Das Stadion-Thema bleibt akut, die Wahrnehmung ausserhalb der Leventina ist, dass von der neuen Eishalle bloss geredet wird. Offiziell soll 2021 die kultige, aber veraltete Valascia Vergangenheit sein.

Lombardi sprach im Januar noch von der Grundsteinlegung der neuen Arena im März. Dafür wird es nun knapp. Allerdings, so ist zu vernehmen, soll nun im April mit dem Bau begonnen werden. Man darf gespannt sein.

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