Vorteil Langnau!

Am Mittwoch empfangen die SCL Tigers Servette zum kapitalen Duell um den letzten Playoff-Platz. Es spricht einiges für die Emmentaler.

<b>Auf Biegen und Brechen:</b> Die SCL Tigers (links Roland Gerber) und Servette (Jeremy Wick) kämpfen um den letzten Playoff-Platz.

Auf Biegen und Brechen: Die SCL Tigers (links Roland Gerber) und Servette (Jeremy Wick) kämpfen um den letzten Playoff-Platz.

(Bild: Keystone Pascal Muller)

Philipp Rindlisbacher
Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Torhüter

Tigers: Es ist erstaunlich, werden die Langnauer Torhüter nach wie vor unterschätzt. Wie in den letzten zwei Jahren agieren Ivars Punnenovs und Damiano Ciaccio konstant sicher. Die so unterschiedlichen Charaktere mit so unterschiedlichem Stil ergänzen sich prächtig. Der ­lettische Nationalspieler Punnenovs steht in der Hierarchie höher, ­Ciaccio aber ist mehr als eine Nummer 2. Beide erfreuen sich einer starken Verfassung.

Servette: In den Sommerferien verunfallte Robert Mayer mit einem Quad, er erlitt innere Blutungen und verpasste sehr zum Ärger der Genfer Verantwortlichen den Saisonstart. Seither agiert der schweizerisch-tschechische Doppelbürger solide, nicht mehr und nicht weniger. Dem WM-Teilnehmer von 2016 (mit der Schweiz) werden dann und wann mentale Schwächen attestiert. Trotz Vertrag bis 2021 ist Mayer bei Servette – vor allem beim Anhang – nicht unbestritten.

Auf der Goalieposition: Vorteil Langnau

Die Verteidiger

Tigers: Die Abwehr der SCL Tigers ist die schlechteste der Liga – auf dem Papier. Das freilich bedeutet herzlich wenig. Denn auf dem Eis agiert das Emmentaler Defensivensemble äusserst solide. Fehlendes ­Talent können die Langnauer mit Einsatz und Systemtreue wettmachen. Einziges Manko: Seit dem Abgang des umstrittenen Finnen Ville Koistinen fehlt den Tigers ein Offensivverteidiger mit Qualitäten im Abschluss.

Servette: Mit Johan Fransson und Henrik Tömmernes leisten sich die Genfer zwei ausländische Verteidiger, dazu Nationalspieler Romain Loeffel und Routinier Goran Bezina. Gleichwohl ist die Abwehr äusserst anfällig; nur Lausanne und Ambri-Piotta haben noch mehr Tore kassiert. Allerdings bekundete Servette auch Verletzungspech: Vor der Olympiapause mussten deshalb die Stürmer Damien Riat, ­Jeremy Wick und Cody Almond hinten aushelfen.

In der Verteidigung: Vorteil Langnau

Die Stürmer

Tigers: Der Blick auf die Skorerliste der National League tut aus Emmentaler Optik weh. Der produktivste Langnauer ist Eero Elo (14 Tore/14 Assists) – er findet sich auf Platz 46 wieder. Die Qualität im Angriff ist bei den SCL Tigers bescheiden, was sich in den vergleichsweise vielen knappen Resultaten zeigt. Das Abschlussverhalten der Langnauer ist mangelhaft, es fehlt die nötige Kaltblütigkeit. Zu oft verpassen sie es, spielerische Überlegenheit in Zählbares umzumünzen.

Servette: Cody Almond gehörte an den Olympischen Spielen dem Schweizer Nationalteam an; Kevin Romy, Noah Rod und Tanner Richard spielten und trafen schon im Schweizer Dress. Hinzu kommt mit Stéphane Da Costa einer der derzeit besten französischen Eishockeyspieler. Kurz: Die Servette-Offensive ist gut besetzt. Und ­trotzdem schiessen die Genfer ligaweit am drittwenigsten Tore.

Gleichwohl gilt: Vorteil Servette

Die Trainer

Tigers: Es verdient Respekt, wie viel Heinz Ehlers aus dieser bescheiden besetzten Mannschaft herausholt. Der Däne ist ruhiger und ausgeglichener geworden im Verlauf dieser Saison, nach Anfangsschwierigkeiten greift sein System immer besser. Ehlers versteht es ausgezeichnet, eine Mannschaft mit Disziplin und taktischer Ordnung besser zu machen, als sie tatsächlich ist. Mit der Vertragsverlängerung hat er rechtzeitig für klare Verhältnisse gesorgt.

Servette: Es war ein schweres Erbe, welches Craig Woodcroft nach 16-jähriger Regentschaft Chris McSorleys antrat. Der unbekannte Kanadier hat die Kritiker nicht besänftigen können – im Gegenteil. Die mediale Schelte war derart heftig, dass sich der Verein genötigt fühlte, den Presserat anzurufen. Ende Januar sprach die Klubführung Woodcroft das Vertrauen aus. Dass dieser zuletzt im Betreuerstab von Kanadas Nationalteam in Pyeongchang weilte, kam in Genf abermals nicht gut an.

Hinter der Bande? Vorteil Langnau

Das Umfeld

Tigers: Nach turbulenten Jahren ist in Langnau endlich Ruhe eingekehrt – sieht man einmal vom nicht enden wollenden Kommen und ­Gehen bei den Ausländern ab. Längst ist die Vernunft das wichtigste Credo im Verein, der Jahr für Jahr schwarze Zahlen schreibt. Die ­Playoff-Teilnahme ist kein Muss; der Druck hält sich in Grenzen, Fans wie Sponsoren würden bei einem Scheitern nicht Sturm laufen.

Servette: Chris McSorley machte aus dem blassen Servette eine NLA-Top­adresse. Seit seiner Degradierung durch die neuen kanadischen Investoren vor Jahresfrist rumort es im Verein. Ende Januar übernahm schliesslich die Stiftung 1890, in welcher unter anderem Erben des Rolex-Konzerns vertreten sind, den Club von Hugh Quennec. Der Kanadier ruinierte nach dem Fussball- auch den Eishockeyverein der Stadt, er hinterliess einen Schuldenberg von 6 Millionen Franken.

Was das Umfeld betrifft, gilt: Vorteil Langnau

Unter dem Strich also ein 4:1 für die Tigers. Ob sich die Vorzeichen auch auf der Anzeigetafel niederschlagen, entscheidet sich am Mittwochabend freilich auf dem Eis. Das erste Bully wird um 19.45 Uhr gespielt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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