Vor dem grossen Wurf

Der 17-jährige Yannick Rathgeb baut an seiner sportlichen Zukunft. In der Nacht auf Donnerstag könnte der Langenthaler in die Fussstapfen von Sven Bärtschi treten.

Nach der Entscheidung: In der Nacht auf Donnerstag könnten für Yannick Rathgeb die ersten Pflastersteine auf dem Weg in die NHL gelegt werden. Der Draft für die Canadian Hockey League findet statt.

Nach der Entscheidung: In der Nacht auf Donnerstag könnten für Yannick Rathgeb die ersten Pflastersteine auf dem Weg in die NHL gelegt werden. Der Draft für die Canadian Hockey League findet statt.

(Bild: Marcel Bieri)

Heute Mittwochabend wird Yannick Rathgeb eine mehr oder weniger ruhige Kugel schieben. Er geht Bowlen. Was vor drei Jahren bei Sven Bärtschi geklappt hat, soll sich wiederholen. Am Abend des Import-Drafts für die Canadian Hockey League (CHL) war der heutige NHL-Profi Bärtschi mit Reto Kläy, dem Sportchef des SC Langenthal, auf der Bowlingbahn.

Bärtschi, wie Rathgeb ein Langenthaler, schaffte den Sprung über den Atlantik und lancierte 2010 seine Karriere in Übersee bei den Portland Winterhawks in der Western Hockey League, einer der drei unter dem Dach der CHL vereinigten Juniorenligen Kanadas. Heute steht Bärtschi auf der Lohnliste der Calgary Flames. Beim NHL-Draft vom Sonntag hat auch Mirco Müller gezeigt, wie erfolgreich der Weg über die kanadische Juniorenliga sein kann.

Rathgebs U-18-Nationalmannschaftskollege ist von den San José Sharks an 18.Stelle gedraftet worden. Einen ähnlichen Weg erhofft sich nun Yannick Rathgeb. Der Grundstein für das berufliche Leben als Eishockeyprofi in Kanada oder in den USA soll in der Nacht auf morgen gelegt werden.

Zusammenarbeit mit Rufener

Die Leistungen bei den SCL Young Tigers und in der U-18-Nationalmannschaft haben gestimmt. So sehr, dass Scouts aus Übersee – an der U-18-WM in Sotschi waren an die 80 auf der Tribüne – auf den 17-jährigen Rathgeb aufmerksam geworden sind. Im Vorfeld der U-18-WM begann der Wunsch zu wachsen, dort seinen Sport ausüben zu können, wo die attraktivste Liga der Welt zu Hause ist. Parallel zu den Vertragsverhandlungen mit dem SC Langenthal kam Rathgeb mit André Rufener in Kontakt.

Der ehemalige NLA-Spieler, der unter anderem die Dresses von Kloten und Biel getragen hatte, hat als Agent Mirco Müller die Türe zur NHL ebenso geöffnet, wie er dies für Sven Bärtschi, Luca Sbisa oder Nino Niederreiter getan hatte. «Ich habe mich dann mit Rufener zusammengesetzt, meine Vorstellungen geäussert und seine Bedingungen erfahren. Zwischen uns hat es gepasst», so Rathgeb. Die besiegelte Zusammenarbeit könnte für den Langenthaler der erste Pflasterstein auf dem Weg in die NHL werden.

Rufener verhandelt auf Augenhöhe und hat Gewicht bei den Generalmanagern der NHL-Klubs. Rathgeb und Rufener, die mit Teams der CHL verhandelt haben, spielt das gute Abschneiden der Schweizer A-Nationalmannschaft bei der WM in Schweden und Finnland in die Karten. «Die WM-Silbermedaille wird ihre Wirkung haben. Ich glaube aber, dass dies in meinem Fall zweitrangig ist, weil ich selbst nicht dabei war. Langfristig wird der WM-Erfolg den Talenten aus der Schweiz helfen, weil dieser der Nachwuchsarbeit ein gutes Zeugnis ausstellt.»

Beim SCL mit Onkel Noël

Verteidiger Yannick Rathgeb hat einen Vertrag beim SC Langenthal unterzeichnet. Der Kontrakt beinhaltet die Ausstiegsklausel im Falle des Drafts. Kommt der Draft nicht zustande, würde der 17-Jährige im selben Team wie sein Onkel Noël Guyaz spielen. Der Umstand, dass der vom Offensivdrang gepackte, schussstarke Oberaargauer auch als Stürmer gute Figur gemacht hat, erhöhen die Chancen für den Umzug nach Kanada. «Ich hoffe, dass es klappt. Wenn, dann könnte ich zwei Jahre in der CHL spielen und mich für die NHL empfehlen.»

Er würde dann den Weg seines Bowlingvorgängers Bärtschi beschreiten. In der Nacht auf Donnerstag fallen die Pins. Während des Bowlings werden für Rathgeb Weichen gestellt. Wenn in der skurrilen Filmkomödie «The Big Lebowski» der Regisseure Ethan und Joel Coen Alt-Hippie Jeffrey Lebowski, der sich selbst nur der «Dude» nennt, zu seinen zwei Freunden den Satz «Gehen wir bowlen?» sagt, hat das filmischen Kultcharakter. Wird Yannick Rathgeb in der Nacht auf morgen in die CHL gedraftet, dann hat Bowling mit Reto Kläy in der Langenthaler Hockeyszene ebenfalls Kultstatus erlangt. Und Reto Kläy wird wohl noch öfter die Aufforderung hören: «Gehen wir bowlen?»

Berner Zeitung

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