Vom Problem- zum Glücksfall

Damiano Ciaccio ist die Nummer 1 im Tor der SCL Tigers, obwohl ihm vor der Saison nicht viel Kredit gegeben wurde. Heute (Ilfishalle, 19.45 Uhr) will er seine gute Form gegen Davos unter ­Beweis stellen.

Sicherer Rückhalt: Damiano Ciaccio liefert den Kritikern derzeit wenig Stoff.

Sicherer Rückhalt: Damiano Ciaccio liefert den Kritikern derzeit wenig Stoff.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die SCL Tigers haben ein Torhüterproblem. So lautete vor dem Saisonstart das Credo der Experten ­– nicht zuletzt deshalb wurden die Emmentaler in den Prognosen meist als Schlusslicht eingestuft.

Nach 23 Runden stehen die SCL Tigers tatsächlich am Tabellenende, doch Leistung und Rang korrespondieren nicht miteinander. Der Rückstand auf das achtplatzierte Kloten beträgt sechs Zähler, wobei die Flyers ein Spiel mehr absolviert haben. Und zu Hause haben die Langnauer zuletzt Meister Davos (6:0) und Biel (7:0) an die Wand gespielt. Eine Woche nach dem Debakel sind die Bündner heute bereits wieder in der Ilfishalle zu Gast, man darf davon ausgehen, dass sie auf Revanche sinnen. «Die werden viel Tempo erzeugen und zeigen wollen, wer sie wirklich sind», hält Damiano Ciaccio fest, «das wird definitiv ein schwieriges Spiel».

Häme von den Teamkollegen

Natürlich habe er die Einschätzungen vor dem Saisonstart mitbekommen, meint der Tigers-Torhüter und lächelt. «Die Teamkollegen haben mich damit noch speziell aufgezogen.» Er habe damit kein Problem, letztlich sei dies für ihn eine zusätzliche Motivation. «Denn es hiess ja bereits letzte Saison, dass die SCL Tigers keine Aufstiegsgoalies hätten», betont Ciaccio.

Gewiss, in den ersten Saisonspielen wirkte der 26-Jährige zuweilen unsicher, liess viele Schüsse abprallen und kassierte den einen oder anderen haltbaren Treffer. Doch Ciaccio hat sich gesteigert. Mittlerweile ist er für die Emmentaler ein sicherer Rückhalt. Seine Abwehrquote beträgt 91,16 Prozent – sie ist höhrer als diejenige von Leonardo Genoni oder Cristobal Huet.

«70 Prozent der Leistung eines Torhüters macht der Kopf aus», sagt Ciaccio. Das trifft gerade auf ihn zu, er betont, mental stärker geworden zu sein. Dies liege vorab an Dusan Sidor. «Er kann dir bereits mit ein, zwei Worten helfen», sagt Ciaccio über den Langnauer Torhütertrainer. Sidor gab ihm einen an sich simplen Ratschlag: «Er sagte mir, ich solle mich auf meine Arbeit fokussieren – und nur darauf.»

Der Unkonventionelle

Zweifellos fällt Damiano Ciaccio auf. Sein Stil ist unkonventionell, er lässt sich kaum mit einem anderen NLA-Torhüter vergleichen. «Was zählt, ist, dass der Puck nicht hinter der Linie liegt», meint er. «Ich versuche, einen modernen Stil zu spielen, jeden Schuss auf den Knien abzuwehren.» Allerdings fehle ihm zuweilen die Zeit, dann versuche er zu improvisieren, «vielleicht sollte ich manchmal ruhiger sein».

Unkonventionell hin oder her, Ciaccio hat Benoît Laporte überzeugt, der Coach hält am Neuenburger fest, Ivars Punnenovs bleibt vorerst nur die Rolle als Backup. «Wir reden zusammen, geben einander Tipps. Das ist wichtig», beschreibt Ciaccio das Verhältnis zwischen den beiden Torhütern. Im heutigen Heimspiel übrigens wird der Langnauer Keeper von seinem letztjährigen Konkurrent beobachtet, Lorenzo Croce wird die Partie gegen den HCD in der Ilfishalle verfolgen. Ciaccio und Croce pflegen ein freundschaftliches Verhältnis, schreiben sich regelmässig oder telefonieren zusammen. «Wir haben uns damals sofort gefunden, waren ein sehr gutes Team», erzählt er.

Vor dem zweiten Duell mit dem HCD innert Wochenfrist ist der Tigers-Torhüter freilich kein Thema. Eher dürfte sich der Fokus auf Genoni richten, der letzten Freitag ausgewechselt wurde. Wer hätte das nach diesen Prognosen gedacht?

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