Verkleinern, verstärken

SCL Tigers Sportchef Jörg Reber stellt in diesen Wochen das Gerüst des Langnauer Kaders für die nächste Saison zusammen.

Jubelt dieses Trio auch künftig in Langnau? Die Verträge von Claudio Moggi, Sven Lindemann und Kévin Hecquefeuille (v. l.) laufen aus.

Jubelt dieses Trio auch künftig in Langnau? Die Verträge von Claudio Moggi, Sven Lindemann und Kévin Hecquefeuille (v. l.) laufen aus.

(Bild: Andreas Blatter)

Auf einmal kamen sich die Langnauer Profis etwas gar nah. Nach dem Aufstieg in die NLA umfasste die Tigers-Belegschaft zwischenzeitlich 33 Spieler, in der Garderobe herrschte Platznot. Was die Gestaltung der Mannschaft für die kommende Saison betrifft, hat Sportchef Jörg Reber nun weit mehr Möglichkeiten. Er will das Kader auf 28 Akteure (wohl 2 Goalies, 10 Verteidiger, 16 Stürmer) verkleinern, aber verstärken. Wobei: «Von heute auf morgen sind keine riesigen Sprünge möglich.»

Der 41-Jährige Reber spricht von «intensivem Klinkenputzen», die Arbeit werde sich hoffentlich in den nächsten Jahren auszahlen. «Wir müssen uns aber bewusst sein, dass keiner nach Langnau kommt, nur weil hier coole Typen arbeiten.» Trotz hohem sechsstelligem Gewinn im letzten Geschäftsjahr ist der finanzielle Spielraum nicht allzu gross. Zudem ist die sportliche Perspektive unsicher, der Ligaerhalt längst nicht gesichert. «Das erschwert die Verpflichtung von neuen Spielern.»

Vor dem 31. Qualifikationsspiel heute (19.45 Uhr) beim EV Zug umfasst das Tigers-Team für die Saison 2016/2017 bereits 20 Namen – ein Überblick:

Goalies: Alles klar

Sowohl Damiano Ciaccio, der sich den Status als Nummer 1 erarbeitet hat, als auch Ivars Punnenovs besitzen weiterlaufende Verträge. Laut Reber gibt es derzeit keinen Grund für Wechsel auf der Torhüterposition – ohnehin gäbe es wenig Alternativen. Gespräche führten die Tigers mit dem Agenten Marco Bührers. Allerdings zeichnet es sich ab, dass der langjährige SCB-Keeper Bührer seine Karriere beenden wird.

Abwehr: Französischer Abgang?

Die Zuzüge Flurin Randegger (von Bern) und Yannick Blaser (Zug) dürften sich als Verstärkungen erweisen. Neun Verteidiger stehen bereits im Kader für die kommende Saison, darunter auch Manuel Gossweiler und ­Fabien Currit, welche in der laufenden Qualifikation kaum zum Einsatz gelangen und mit dem Tempo Mühe bekunden. Als Abwehrchef hat sich Ville Koistinen bewährt, der Finne bleibt für zwei weitere Jahre in Langnau.

Derweil sind Scheibenkontrolle und läuferische Fähigkeiten bei Kévin Hecquefeuille zwar überdurchschnittlich, in der Defensive jedoch agiert er zu wenig stabil. Tendenziell dürften die Tigers mit drei ausländischen Stürmern und nur einem Verteidiger in die neue Meisterschaft steigen, ergo wird es für den Franzosen sehr eng. Kaum eine Zukunft in Langnau haben wird der oft verletzte Deny Bärtschi. Ein bis zwei Transfers wird es noch geben.

Sturm: Heikle Entscheide

Chris DiDomenico hatte viele Angebote, auch aus Nordamerika. Der Kanadier aber zog den Verbleib bei den Tigers einem AHL-Engagement vor. Vom Tschechen Rostislav Olesz schwärmt Reber, «er fällt weniger auf als andere, macht aber vieles richtig.» Auch ein Verbleib Kevin Clarks (Ka) ist nicht auszuschliessen, er wird sich aber wohl steigern müssen. Als Coup lässt sich der Transfer von SCB-Flügel Pascal Berger bezeichnen. Weil Reber neue Inputs wünscht, wird es weitere Zuzüge geben.

Kommende Saison nicht mehr im Emmental spielen wird Anton Gustafsson, der trotz Tigers-Offerte nach Freiburg wechselt. Der an Burgdorf ausgeliehene Patrick Bandiera erhält keinen neuen Vertrag, auch Simon Sterchi (leihweise bei Thurgau) hat eher schlechte Karten.

Im Angriff laufen nicht weniger als zehn Spielerverträge aus, auch jene der Routiniers Claudio und Sandro Moggi, Thomas Nüssli, Sven Lindemann und Tobias Bucher. Letzterer wird sich steigern müssen, will er weiterbeschäftigt werden. Priorität habe derzeit «keine Akte», meint Reber. «Jeder kann und muss sich aufdrängen.»

Trainer: Interessenkonflikte

Nach den zuletzt dürftigen Leistungen hat sich die Zahl von Benoît Laportes Kritikern erhöht. Im Moment sei der Coach kein Thema, hält Jörg Reber fest. «Hätte mir vor der Saison jemand 30 Punkte nach 30 Spielen angeboten, wäre ich damit wohl einverstanden gewesen. Aber die Ausbeute ist nicht optimal, weil wir uns in einigen Spielen kurz vor Schluss naiv verhalten und deshalb verloren haben.»

Auch der Sportchef hatte keine Freude an den letzten Auftritten, «da fehlte mir erstmals die Leidenschaft, der Siegeswille.» Laportes Kontrakt endet im Frühling, der Cheftrainer möchte verlängern – sehr bald, versteht sich. Auf eine mögliche Vertragsverlängerung angesprochen, sagt Reber jedoch klipp und klar: «Wir haben keinen Stress.» Derzeit divergieren die Interessen. Affaire à suivre...

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