Unordnung und Unterhaltung

Der Meister wankt, aber er fällt nicht, sondern gefällt mit Moral. Bern besiegt Genf 5:4 – und wartet auf den Zukunftsentscheid von Calle Andersson. Ein Verteidiger, der bleiben dürfte, ist Beat Gerber.

Der Jubel nach dem vierten SCB-Ausgleich: Andersson (rechts) und Verteidigerkollege Untersander.

Der Jubel nach dem vierten SCB-Ausgleich: Andersson (rechts) und Verteidigerkollege Untersander.

(Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

Am stillen Örtchen ist es in Sportstadien selten still. Weil dort neben anderem Frust abgelassen und gefachsimpelt wird.

Selbstverständlich ist diese örtliche Meinung alles andere als repräsentativ – aber immerhin eine kleine Stichprobe. Aus dieser lässt sich in der Postfinance-Arena folgende Erkenntnis ziehen: Die Fans des SC Bern sind momentan weder glücklich noch euphorisiert. Aber sie sind nicht unzufriedener als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Obwohl der SCB im Vergleich zur letzten Saison nach 16 Partien 10 Punkte weniger auf dem Konto hat und in der Tabelle am Strich kämpft (Vorsaison: Rang 2).

Ja, letztes Jahr, da spielte die Equipe von Kari Jalonen meistens zuverlässig wie ein hiesiges Uhrwerk. Jeder auf dem Eis wusste, was seine Aufgabe ist, was der Mitspieler tut oder zumindest zu tun hätte. Bern kontrollierte die Gegner, Bern gewann häufig. Aber Bern tat dies selten auf spektakuläre Weise.

Diese Saison hat der SCB denselben Trainer, dieselbe Philosophie, mit wenigen Ausnahmen denselben Stamm an Spielern, die noch immer wüssten, was sie zu tun hätten. Trotzdem fehlt der Mannschaft vorab in der eigenen Zone häufig die Struktur. Für die Gegner ist es ein Leichtes, früh zu stören und in der Berner Abwehr Unordnung zu verbreiten. Das ist weder SCB- noch Jalonen-like. «Es gibt keine perfekte Welt», sagt Jalonen. Er hat für den Umstand nicht wirklich eine Begründung. Es muss ja auch nicht immer alles erklärbar sein.

Spektakel zum Schluss

Erklärbar ist hingegen, dass das Publikum durchaus Gefallen am Gezeigten findet, selbst wenn der Meister mehr Niederlagen als Siege vorzuweisen hat. Der SCB gewinnt seltener als auch schon, aber er unterhält besser. Am Samstag lag er gegen Genf viermal in Rückstand, siegte aber nach Verlängerung 5:4. Weil zwei Dinge im Vergleich zur vergangenen Spielzeit unverändert sind: Mentalität und Moral. Jalonen spricht von «Courage».

In der Tat verarbeitete der Meister gegen Genf Rückschlag um Rückschlag. Stürmer Mark Arcobello hielt die Berner während zweier Drittel mit zwei Toren im Spiel. Tristan Scherwey glich in der 56. Minute aus. Das vermeintliche Siegtor gelang Servettes Eric Fehr (59.). Jalonen ersetzte Pascal Caminada durch einen zusätzlichen Feldspieler, Calle Andersson drosch die Scheibe 44 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit ins Netz. Und in der Verlängerung profitierte das Heimteam von einer Strafe gegen den Gästegoalie Robert Mayer. Jalonen sagt: «Entscheidend ist das Gefühl des Gewinnens. Mit jedem Sieg wächst das Selbstvertrauen. Mit jedem Sieg sinkt die Frustration. Diese war gross gewesen am Freitag.» Tags zuvor hatte der Meister eine seiner besten Leistungen in dieser Saison gezeigt, war in Biel aber ohne Punkte geblieben.

Pestoni fällt aus

Im Match gegen Servette bekundete der SCB wieder Mühe mit der Defensivarbeit. Daran konnte Andrew MacDonald nichts ändern. Der Verteidiger wurde geholt, weil er unter Druck einen sicheren Pass spielen kann. Im Vorjahr hätten sich die Berner eher einen spiel- und schussstarken Abwehrspieler gewünscht. Doch in dieser Beziehung lässt Ramon Untersander – am Samstag gelang ihm das Siegtor – zurzeit keine Wünsche offen. Und Andersson ist mit seiner Abschlussqualität ebenfalls jederzeit für einen Treffer gut.

Ob der Schwede mit Schweizer Lizenz über die Saison hinaus für Bern antreten wird? Der Puck liegt beim Spieler. Er darf aus vier, fünf sehr guten Offerten auswählen. Als Stabilisator wäre er eher nicht vorgesehen. Beat Gerber hingegen käme der wankenden Defensive mit seinem simplen Spiel zupass. Nur kann der SCB erst im Dezember wieder auf seinen dienstältesten Spieler zählen. Früher wird sich wohl Gerbers Zukunft klären. Er steht in seiner 17. Saison für die Stadtberner. Eine weitere dürfte dazukommen.

Ebenfalls ausfallen wird Inti Pestoni. Der Stürmer hat sich den Mittelfussknochen gebrochen – sechs bis acht Wochen Pause.

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