Überraschung im Bündnerland – Lugano entscheidet Derby

Die SCL Tigers bezwingen den HC Davos auswärts 5:4. Lugano erkämpft sich drei Punkte im Tessiner Derby.

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Seit ihrem Out in den Champions-League-Halbfinals waren die Bündner in Fahrt gekommen und hatten sechs von sieben Spielen gewonnen. Doch statt sich kurz vor Ende der Qualifikation hinter den topklassierten ZSC Lions einzureihen, liess sich der Titelhalter im eigenen Stadion trotz dreimaliger Führung vom Vorletzten ausmanövrieren. Im Finish reihte der Favorit eine Panne an die nächste: Vor dem zweiten und entscheidenden Saisontor von Yves Müller (59.) waren gleich drei Davoser ausgeglitten.

Im Duell mit den im Tableau abgesackten SCL Tigers liess sich das teilweise nonchalante Team von Arno Del Curto primär wegen diverser "unforced errors" die Kontrolle entreissen. Gilles Senn, der 19-jährige Stellvertreter von Stammkeeper Leonardo Genoni kam in diesem Winter erst zum dritten NLA-Einsatz von Beginn weg, war an den Turbulenzen massgeblich beteiligt. Die ersten beiden Schüsse waren für ihn nicht zu stoppen, im mittleren Abschnitt genügten den Tigers vier Vorstösse zum 3:3 (38.), und im letzten Drittel verschuldete der Rookie mit einer missratenen Intervention hinter dem Tor das 4:4.

Offensiv zu harmlos

Im Prinzip leistete sich der Favorit aber nicht nur in der eigenen Zone zu viele Auszeiten. Die Offensive produzierte zwar ein Schussverhältnis von 45:21, aber einzig Alexandre Picard schöpfte sein Potenzial nahezu aus. Der kräftige Nordamerikaner, im Herbst in Genf aus den Traktanden gefallen, erzwang im Powerplay das 2:2 und fälschte 33 Sekunden vor der zweiten Pause einen Schuss Du Bois' entscheidend ab.

Luganos später Kraftakt im Derby

Bis zur 57. Minute hielt Ambri ein 2:2 und war auf Kurs, eine achte Niederlage in Folge in der Resega abzuwenden. Zweimal führte der Aussenseiter gar, Lugano indes reagierte vehement. Patrick Sidlers 2:1 glich Luca Fazzini praktisch im Gegenzug aus. Für den grossen Umschwung sorgte dann aber die schwedische Künstler-Fraktion Luganos. Nach einer Serie von Pfostenschüssen erzwang Linus Klasen in der 57. Minute das 3:2, Sekunden vor Schluss entzückte der Nordländer die Curva Nord mit einem Treffer ins leere Tor ein nächstes Mal.

Derweil die 7800 Tifosi die Bianconeri und ihren Coach Doug Shedden bejubelten, der im 30. Spiel seit seinem Einstieg in der herbstlichen Krise den 20. Sieg zelebrierte, drehten Ambri-Piottas Spieler schwer enttäuscht ab - sie hatten im Finish der Qualifikation trotz einer lange erstklassigen Performance gegen Lugano auch das dritte Auswärts-Derby verloren.

Kossmanns Bilanz verschlechtert sich

Vom zunächst positiven Einfluss von Hans Kossmann ist seit dem Jahreswechsel nicht mehr viel übrig geblieben. Die Inputs des neuen Trainers verflüchtigten sich, die Biancoblu verloren spürbar an Schwung. 2016 stagniert die Squadra aus dem Sopraceneri, von 15 hat sie verloren, im verzweifelten Kampf um den letzten Playoff-Platz droht erneut ein unfreundliches Ende.

Verloren hat Ambri in aber vorerst nur ein weiteres Duell mit dem Erzrivalen. Die Fehltritte häufen sich zwar, aber dank der Schwächen der Konkurrenz bleib die Option vorhanden, doch noch unter die Top 8 vorzustossen. Sowohl die Flyers als auch die seit Wochen taumelnden Berner stecken weiterhin in der Problemzone fest.

Ein prickelndes Schlussprogramm bahnt sich an - mit einer brisanten Schlusspointe: in der 50. und letzten Runde empfangen die Nord-Tessiner vor eigener Kulisse den HC Lugano.

EV Zug viel effizienter als Biel

Zum Matchwinner avancierte Lino Martschini. Der 23-jährige Flügelstürmer erzielte die letzten beiden Zuger Tore zum 3:1 und 4:3. Martschini skorte gegen Biel in dieser Saison in jeder Partie stets mindestens ein Goal und insgesamt bereits sechs Treffer.

Martschinis Siegtor 246 Sekunden vor Schluss fiel wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Zuvor hatte Biel im Schlussabschnitt einen 1:3-Rückstand aufgeholt. Und in den knapp vier Minuten zwischen dem 3:3-Ausgleich und Martschinis Siegtreffer dominierte das Heimteam. Zugs Coach Harold Kreis wurde dazu genötigt, sein Timeout einzuziehen. Alexej Dostoinow und David Moss, die beiden Bieler Torschützen vom 1:3 zum 3:3, vergaben Grosschancen zur Bieler Führung

Zug beanspruchte das Glück

Und so siegte am Ende beinahe unverdienterweise der EV Zug. Schon vor dem Schlussabschnitt hatte Biel seine Möglichkeiten nicht genutzt. Zug kam mit minimalem offensivem Aufwand zu einer 3:1-Führung, derweil die Bieler nicht einmal das leere Tor trafen (Spylo beim Stand von 1:2). Die Innerschweizer verdankten die drei Punkte Goalie Tobias Stephan, der 38 Paraden zeigte, derweil Biels Keeper Simon Rytz lediglich 17 Schüsse abwehren konnte.

Acht der letzten neun Partien zwischen Biel und Zug endeten mit einem Auswärtssieg; nur Zug gewann in dieser Saison mit 5:2 ein Heimspiel.

Davos - SCL Tigers 4:5 (1:2, 3:1, 0:2) 5245 Zuschauer. - SR Kurmann/Wehrli, Espinoza/Kaderli. Tore: 1. (0:43) Paulsson (Lindgren, Wieser) 1:0. 3. Wilson (Haas, Koistinen/Ausschluss Rampazzo) 1:1. 6. Clark (Gustafsson) 1:2. 23. Picard (Jörg, Setoguchi/Ausschluss Gustafsson) 2:2. 35. Aeschlimann (Setoguchi, Schneeberger) 3:2. 38. Albrecht (DiDomenico, Bucher) 3:3. 40. (39:27) Picard (Du Bois, Ambühl) 4:3. 54. Albrecht (Bucher) 4:4. 59. Müller (Haas/Ausschlüsse Picard; Weisskopf) 4:5. Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Davos, 5mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers. PostFinance-Topskorer: Lindgren; Clark. Davos: Senn; Heldner, Forster; Du Bois, Kindschi; Schneeberger, Paschoud; Guerra, Rampazzo; Ambühl, Egli, Picard; Marc Wieser, Lindgren, Paulsson; Setoguchi, Walser, Dino Wieser; Simion, Aeschlimann, Jörg. SCL Tigers: Punnenovs; Koistinen, Stettler; Müller, Ronchetti; Adrian Gerber, Zryd; Weisskopf; Clark, Gustafsson, Nüssli; Bucher, Albrecht, DiDomenico; Claudio Moggi, Wilson, Berger; Sven Lindemann, Schirjajew, Haas. Bemerkungen: HCD ohne Sciaroni, Corvi, Forrer (alle verletzt), Jung (krank), Axelsson (überzählig), SCL Tigers ohne Murray, Bärtschi, Tom Gerber (alle verletzt), Hecquefeuille (krank), Kim Lindemann, Gossweiler, Sandro Moggi (alle überzählig). 26. Pfostenschuss von Setoguchi. 45. Setoguchi verletzt ausgeschieden. Ab 60. (59:38) HCD ohne Goalie, 19:47 Timeout von Davos.

Lugano - Ambri-Piotta 4:2 (0:1, 1:0, 3:1) 7800 Zuschauer (ausverkauft). - SR Vinnerborg/Wiegand, Fluri/Wüst. Tore: 8. Fuchs (Birbaum) 0:1. 40. (39:13) Pettersson (Klasen) 1:1. 42. (41:35) Sidler (Bastl) 1:2. 42. (41:47) Fazzini (Hofmann) 2:2. 57. Klasen (Pettersson, Sannitz) 3:2. 60. (59:50) Klasen 4:2 (ins leere Tor). Strafen: je 4mal 2 Minuten. PostFinance-Topskorer: Klasen; Mäenpää. Lugano: Merzlikins; Vauclair, Ulmer; Furrer, Kienzle; Kparghai, Hirschi; Sartori: Klasen, Martensson, Pettersson; Hofmann, Stapleton, Fazzini; Reuille, Sannitz, Walker; Morini, Dal Pian, Kostner. Ambri Piotta: Zurkirchen; Trunz, Sidler; Berger, Mäenpää; Gautschi, Birbaum; Zgraggen; Monnet, Hall, Lauper; Pestoni, Emmerton, Giroux; Bianchi, Kamber, Grassi; Duca, Fuchs, Lhotak. Bemerkungen: Lugano ohne Brunner, Bertaggia, Steinmann, Manzato, Chiesa (verletzt), Lapièrre (überzählig), Ambri Piotta ohne Fora, Flückiger ( beide verletzt ), Stucki, Chavaillaz ( beide überzählig). Pfostenschüsse: Pettersson, Stapleton (beide 43.), Trunz (54.). Ambri ab 59:00 bis 50:09 und ab 59:20 bis 59:50 ohne Goalie.

Biel - Zug 3:4 (1:1, 0:2, 2:1) 5544 Zuschauer. – SR Eichmann/Koch, Borga/Kohler. Tore: 3. Peter (Sandro Zangger) 0:1 11. Spylo (Huguenin) 1:1. 24. Suri (Holden/Ausschluss Herburger) 1:2. 33. Martschini (Holden) 1:3. 42. Dostoinow (Earl, Herburger) 2:3. 53. Moss (Dufner) 3:3. 56. Marschini (Holden, Senteler) 3:4. Strafen: 4mal 2 plus 5 Minuten (Joggi) plus Spieldauer (Joggi) gegen Biel, 6mal 2 plus 10 Minuten (Suri) gegen Zug. PostFinance-Topskorer: Gaetan Haas; Bouchard. Biel: Rytz; Dave Sutter, Huguenin; Maurer, Dufner; Jecker, Wellinger; Nicholas Steiner, Joggi; Tschantré, Gaetan Haas, Spylo; Daniel Steiner, Macenauer, Moss; Rossi, Earl, Herburger; Fabian Lüthi, Fabian Sutter, Dostoinow. Zug:Stephan; Morant, Sondell; Dominik Schlumpf, Grossmann; Tim Ramholt, Alatalo; Simon Lüthi, Erni; Martschini, Holden, Fabian Schnyder; Lammer, Immonen, Bouchard; Bürgler, Peter, Sandro Zangger; Senteler, Nolan Diem, Suri. Bemerkungen: Biel ohne Fey, Wetzel, Ehrensperger, Jelovac (alle verletzt) und Olausson (überzähliger Ausländer), Zug ohne Sieber (verletzt) und Marchon (gesperrt). – Lattenschüsse: Spylo (47.); Fabian Schnyder (38.), Bouchard (52.). – Timeouts: Biel (59:24); Zug (53.).

jul/sda

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