Tore oder Checks?

Kevin Clark ist der kleinste und leichteste Profi im Team der SCL Tigers, doch kein anderer Langnauer schiesst so viele Tore wie der 28-jährige Kanadier. Ungeachtet dessen ist sein Vertrag bis anhin nicht verlängert worden.

Torgarant:?Tigers-Stürmer Kevin Clark hat Skorerqualitäten, in physischer Hinsicht jedoch weist er Defizite auf.

Torgarant:?Tigers-Stürmer Kevin Clark hat Skorerqualitäten, in physischer Hinsicht jedoch weist er Defizite auf.

(Bild: Andreas Blatter)

Für die einen ist Kevin Clark ein Ärgernis, weil er kaum Zweikämpfe gewinnt, an der Bande immer wieder Scheiben verliert. Für die anderen ist er schlichtweg der mit Abstand kaltblü­tigste Tigers-Stürmer.

Der Kanadier polarisiert, die Meinungen über ihn divergieren – es ist denn auch kein Leichtes, ihn schlüssig zu beurteilen. Fakt ist: In physischer Hinsicht weist er Defizite auf, allerdings agiert vor dem gegnerischen Tor keiner seiner Teamkollegen derart abgebrüht. 19 Treffer hat Clark in 44 NLA-Partien erzielt, mit 39 Zählern ist er Langnaus bester Skorer.

Treffsicher ist Clark, da gibt es keine Zweifel. 33 Tore schoss er in der Spielzeit 2013/2014 für Krefeld in der deutschen Eishockeyliga, 33 Tore buchte er ein Jahr später in Diensten Hamburgs. Was die Punkteausbeute betrifft, erfüllt der 28-Jährige die Erwartungen der Tigers-Verantwortlichen, und doch hat er die Führungscrew bisher nicht vollständig überzeugt.

Während mit Abwehrchef Ville Koistinen und Leitwolf Chris DiDomenico zwei Ausländer bereits im Spätherbst Kontrakte bis 2018 offeriert bekamen, läuft Clarks Vertrag aus. Das Thema liegt auf Eis, «wir diskutieren, wenn die Saison zu Ende ist», liess Sportchef Jörg Reber unlängst verlauten.

«. . . der ist selber schuld»

Das wiederum erstaunt im Emmental viele. Der Spieler selbst scheint ebenfalls unangenehm überrascht zu sein, wenngleich er das so direkt nicht sagt. Warum er bis anhin kein Angebot erhalten habe, wisse er nicht, sagt Clark, «da bin ich der falsche Ansprechpartner». Nach etwas mühevollem Beginn läuft es ihm in der zweiten Saisonhälfte doch ziemlich gut. «Ich schiesse viele Tore, dafür werde ich bezahlt.» Auf seinen Schwachpunkt, die Physis, angesprochen, wird der Angreifer deutlich: «Ich bin 175 Zentimeter klein. Wer von mir erwartet, dass ich alle umhaue, der ist selber schuld.Die Frage lautet: Will man Tore oder Checks?»

Mit 78 Kilogramm ist Clark der leichteste Langnauer, er betont aber energisch, dass er sich vor keinem Gegenspieler verstecke. «Ich habe vor niemandem Angst, auch nicht vor den starken Typen», sagt Clark, der Berns Timo Helb­ling und den Davoser Alexandre Picard erwähnt.

Bezüglich seiner sportlichen Zukunft bestehe kein bestimmter Zeitplan, sagt Clark. «Aber natürlich kann ich nicht ewig warten.» Gerne würde er bei den SCL Tigers, in erster Linie aber will er in der Schweiz bleiben. Sein Agent führt Gespräche mit di­versen Klubs, Interesse bekundet etwa Ambri-Piotta.

«Das habe ich so nie erlebt»

Auf die Leventiner treffen die Tigers heute und am Samstag in der Platzierungsrunde. Clark spricht von den Spielen der letzten Chance, soll der Ligaerhalt vorzeitig realisiert werden. «Wir brauchen sechs Punkte, ganz klar.» Nun sei es wichtig, dass die Nervosität im Team nicht noch grösser werde, sagt Clark. «Es geht um viel. Wir spielen hier nicht nur für uns, sondern für einen ganzen Ort. Das habe ich so nie erlebt.»

An diesem Ort gefällt es dem Nordamerikaner, der Marketing studierte und erst mit 22 Profi wurde. Und in Langnau hat Clark nicht nur seiner Tore wegen ­Spuren hinterlassen. Kurz nach seiner Ankunft hatte er Saisonkarten gekauft, nicht für sich, sondern für behinderte und sozial benachteiligte Kinder. Solche lud er an jedes Heimspiel ein, unterhielt sich danach mit ihnen. «Man kann mit wenig sehr viel bewegen.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt