Drei Punkte und ein Lacher

Nach frühem 0:2-Rückstand gelingt den SCL Tigers gegen Ambri-Piotta die Wende. Langnau siegt 3:2, liegt nur einen Zähler hinter Rang 8. In Kontakt stehen die Emmentaler mit Gottéron- Flügel Benjamin Neukom.

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Wo kein Ville ist, ist auch kein Weg. Dachten sich vielleicht die Anhänger der SCL Tigers, nachdem am Samstag in Ambri gerade mal sechseinhalb Minuten gespielt waren. Abwehrpatron Ville Koistinen fehlte wie 24 Stunden zuvor, als Langnau gegen Servette 1:6 untergegangen war, verletzt.

0:2 lagen die Gäste bereits zurück; wieder mangelte es in der eigenen Zone an Ordnung, wieder leisteten sich die Verteidiger erstaunliche Aussetzer. Hatte es noch eines Beweises für die Abhängigkeit vom Finnen in der Defensive bedurft, die Teamkollegen lieferten diesen gleich selbst.

Der Gegner hilft kräftig mit

Nun, es musste Schlimmstes befürchtet werden. Trainer Heinz Ehlers guckte noch angesäuerter aus der Wäsche als üblich, die Stirn in tiefe Sorgenfalten gelegt. «Es sah zu Beginn schlecht aus für uns», meinte Claudio Moggi, «Ambri hätte weitere Tore erzielen können», ergänzte der Stürmer. Wie wahr: Im Startdrittel dominierte das Heimteam, zu Beginn des Mittelabschnitts erspielte es sich gar in Unterzahl zwei ausgezeichnete Möglichkeiten.

Doch dann gaben die Tessiner die Antwort auf die Frage, weshalb sie seit Wochen das Tabellenende zieren. Innert elf Minuten wurden vier Ambri-Profis auf die Strafbank geschickt, jedes Foul liess sich unter der Rubrik «vermeidbar» verbuchen. In doppelter Überzahl gelang Topskorer Rob Schremp das Anschlusstor (29.). Ab Spielmitte entwickelte sich quasi eine neue Partie mit klaren Vorteilen für die Emmentaler, welche tatsächlich 3:2 reüssieren sollten.

Einmal mehr richtete es Altmeister Thomas Nüssli, der nach herrlichem Doppelpass mit Chris DiDomenico acht Minuten vor Schluss den Siegtreffer buchte.

An den Stolz appelliert

So beendeten die Langnauer eine turbulente Woche mit zwei empfindlichen Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz aus Biel und Genf doch noch versöhnlich. Sven Lindemann sprach von einem eminent wichtigen Arbeitssieg, «wir haben uns zurückgekämpft, das wird uns Kraft geben für die nächsten Aufgaben».

Wenngleich in den letzten drei Spielen mehr möglich gewesen wäre als «bloss» der Gewinn dreier Zähler, haben sich die Tigers auf Platz 10 fest­gesetzt, nach hinten abgesichert. Servette auf Rang 8 weist nur einen Punkt mehr auf. «Wir sollten nicht nach jeder Runde rechnen», meinte Claudio Moggi. «Die Qualifikation dauert noch lange. Es bleibt einiges zu tun.»

Künftig werden die Tigers zu Beginn einer Partie besser in die Gänge kommen müssen. Wie Servette am Freitag reüssierte auch Ambri mit dem ersten Abschlussversuch, nach der zweiten nennenswerten Möglichkeit der ­Biancoblu stand es 0:2. «Wir waren nicht bereit, einige träumten vor sich hin», meinte Moggi. Der Trainer sei in der Pause nicht sonderlich laut geworden, «aber er appellierte an unseren Stolz».

Folgenloser Fehlschuss

Ein wenig im Stolz verletzt sein dürfte derweil Moggi selbst. «Zufrieden sein mit dem, was man hat», so beschreibt der Flügel auf der Tigers-Website sein Motto. Leichtfallen wird ihm dies nicht. Seit 2007 ist er in Langnau en­gagiert, zwischenzeitlich Captain gewesen.

Doch seit der Ankunft von Heinz Ehlers hat er an Einfluss eingebüsst – im Ambri musste er sich mit der Rolle des 13. Stürmers abfinden. Er befinde sich ein wenig zwischen Stuhl und Bank, meinte der 33-Jährige. «Aber persönliche Interessen gilt es zurückzustellen.» Zuzug Alexei Dostoinov nahm in der Leventina Moggis Platz ein. Mit dem 2:2 in der 47. Minute rechtfertigte dieser des Trainers Vertrauen.

Moggi seinerseits ist einer von elf Tigers-Stürmern mit auslaufendem Vertrag. Längst nicht alle davon dürften verlängert werden, in Kontakt stehen die Langnauer unter anderen mit Benjamin Neukom, wie der Gottéron-Flügel bestätigt.

Auch der Kontrakt Sven Lindemanns ist auf Ende Saison befristet. Der Routinier traf am Samstag im Schlussdrittel den Pfosten – und in der letzten Sekunde von der offensiven blauen Linie das leere Tor ... nicht! Weshalb er sich beim teaminternen Essen einige Sprüche anhören musste.

Weiter geht es für die Tigers am Freitag. Ville Koistinen wird dannzumal wohl wieder mittun können.

Matchtelegramm:

Ambri-Piotta - SCL Tigers 2:3 (2:0, 0:1, 0:2)

5231 Zuschauer. - SR Massy/Mollard, Altmann/Progin. - Tore: 3. Lhotak (Kamber, Bastl) 1:0. 7. Pesonen (Hall/Ausschluss Randegger) 2:0. 29. Schremp (Elo/Ausschlüsse Gautschi, Pesonen) 2:1. 47. Dostoinow (Kuonen) 2:2. 52. Nüssli (DiDomenico) 2:3. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta, 5mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers. - PostFinance-Topskorer: Emmerton; Schremp.

Ambri-Piotta: Zurkirchen; Fora, Gautschi; Zgraggen, Mäenpää; Sven Berger, Collenberg; Ngoy, Jelovac; Berthon, Hall, Lauper; Monnet, Emmerton, Pesonen; Lhotak, Kamber, Bastl; Kostner, Fuchs, Bianchi.

SCL Tigers: Punnenovs; Adrian Gerber, Seydoux; Randegger, Stettler; Zryd, Müller; Currit; Elo, Schremp, Nils Berger; DiDomenico, Albrecht, Nüssli; Kuonen, Schirjajew, Dostoinow; Roland Gerber, Shinnimin, Sven Lindemann; Claudio Moggi.

Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Guggisberg, Duca, D'Agostini und Trunz, SCL Tigers ohne Pascal Berger, Blaser, Haas, Koistinen und Murray (alle verletzt). Pfostenschüsse Lindemann (45./59:56). Ambri-Piotta ab 58:55 ohne Torhüter. Timeout Ambri-Piotta (59:02).

Berner Zeitung

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