Tigers fegen Davos mit 6:0 vom Feld

Der Aufsteiger demütigt den Meister: In der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Ilfishalle siegen entfesselte Langnauer gegen Davos 6:0.

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Novemberdepression? Von wegen! 15 Grad und Sonnenschein sind das eine, einmal mehr 6000 Leute in der ausverkauften Ilfishalle das andere – fast 1000 weitere Tickets hätten offenbar verkauft werden können. Betrübt ist in Langnau kaum jemand, ungeachtet der sportlich etwas ungemütlichen Lage.

Und gefeiert werden die Feste sowieso, wie sie fallen: Nach dem 6:0-Erfolg gegen Meister Davos gab es freilich Grund dazu. Die SCL Tigers begeisterten den euphorisierten Anhang mit ihrem Offensivdrang, ihrer Kampfbereitschaft, ihrem Siegeswillen. Kurz: Es war die beste Saisonleistung des Aufsteigers. Mit Abstand.

Stunden vor dem Fernseher

Aus Langnauer Sicht wurde Freitag, der 13. also zum Glückstag. Zu Beginn bekundeten die Emmentaler zwar Mühe mit dem Tempo der Davoser, sie wurden in der eigenen Zone eingeschnürt. Mittels sehenswertem Direktschuss jedoch brachte Kevin Clark die Tigers in der 9. Minute in Führung.

Nicht allzu glücklich hatte der Kanadier dem Vernehmen nach auf die Verpflichtung des Tschechen Rotislav Olesz und den damit verbundenen verschärften Konkurrenzkampf reagiert. Auf dem Eis gab er die richtige Antwort: Er buchte die Treffer sechs und sieben in der laufenden Qualifikation – das 3:0 schoss der Angreifer in doppelter Überzahl (28.). Apropos Olesz: Auch der Neuling spielte stark, markierte im Schlussabschnitt das fünfte Tigers-Tor.

Auffällig bei den SCL Tigers waren die geringe Anzahl leichter Scheibenverluste, die wenigen vermeidbaren Fehler. Durch solche hatte sich die Mannschaft in den vergangenen Wochen mehrmals um Erfolgserlebnisse gebracht. «Zuletzt spielten wir oft zu aggressiv, quasi übermotiviert und machten ein paar Dinge falsch», erklärte Coach Benoît Laporte.

Von der starken Darbietung zeigte er sich nicht überrascht. „In der Nationalmannschaftspause gab es zwei Trainings, welche qualitativ die besten waren, seit ich hier arbeite.“ Mehrere Stunden Videomaterial hatte der Trainer ausgewertet, «vor allem für unsere Verteidiger resultierten viele wertvolle Erkenntnisse».

Überragender Ciaccio

31 Minuten dauerte es derweil am Freitag, bis Arno Del Curto sein Timeout nahm. Es ist nicht so, dass seine Equipe nach dem dienstäglichen Einzug in den Champions-League-Viertelfinal nonchalant in der Ilfishalle rumkurvte. In den Zweikämpfen aber liess sie die Entschlossenheit vermissen, zudem mangelte es an Disziplin. «Wir waren schlicht und einfach nicht bereit», resümierte Del Curto, sichtlich «angefressen».

Bei einem Pfostenschuss Dino Wiesers beklagten die Bündner indes Pech. Chancen erspielten sie sich einige, Tigers-Goalie Damiano Ciaccio jedoch hielt hervorragend, er feierte seinen ersten Shutout in dieser Saison. Auf Ciaccios Leistung angesprochen, nannte Doppeltorschütze Clark nur zwei Wörter: «Fantastisch, sensationell!» Im Davoser Tor hingegen wirkte Leonardo Genoni unsicher, der künftige SCB-Keeper wurde kurz nach dem 4:0 Ville Koistinens (44.) ausgewechselt und durch Jungspund Gilles Senn ersetzt.

Trotz Punktezuwachs bleiben die Langnauer Letzte, tankten aber gehörig Selbstvertrauen. In den vergangenen NLA-Spielzeiten hatten die Tigers oft im November den Anschluss ans hintere Mittelfeld verloren, in der Abstiegssaison 2012/2013 gewannen sie in jenem Monat in neun Duellen nur einmal. „Die nächsten Tage werden für extrem wichtig“, sagte Laporte.

Am Samstag (19.45 Uhr) gastiert der Aufsteiger in Ambri, kommende Woche folgen die Heimspiele gegen Biel und Davos. Resultate hin oder her: Die Gefahr, doch noch in die berüchtigte Novemberkrise zu verfallen, ist zumindest bei Laporte gering, auch wenn am Freitag mit Yves Müller, Manuel Gossweiler und Jordy Murray gleich drei Akteure die Partie angeschlagen beendeten. «Ich bin ein sonniges Gemüt, keine Sorge», hielt der Coach fest.

Berner Zeitung

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