Stark mit Stock und Stecken

Silvan Wyss kämpft mit den SCL Tigers in den kommenden Wochen um den Klassenerhalt. Doch nach der Saison ist vor der Saison: Ab April spielt der 22-Jährige für Recherswil-Kriegstetten – in der NLA der Hornusser.

Der doppelte Wyss: Hornussen war die erste Liebe des Seeländers Silvan Wyss. Längst aber ist er mit dem Eishockey stärker verbunden – bei den SCL Tigers ist er Stammkraft.

Der doppelte Wyss: Hornussen war die erste Liebe des Seeländers Silvan Wyss. Längst aber ist er mit dem Eishockey stärker verbunden – bei den SCL Tigers ist er Stammkraft.

(Bild: Hans Wüthrich)

Egal wie die Saison enden wird, eines ist sicher: Silvan Wyss darf sich auch nach Frühlingsbeginn NLA-Spieler nennen. Nein, die SCL Tigers haben keine Garantie, den Klassenerhalt zu schaffen, und Wyss lässt sich nicht transferieren. Aber: Ab April wird er eine neue Meisterschaft auf höchster Stufe in Angriff nehmen. Mit Stecken statt Stock, mit Nouss statt Puck. Als Hornusser.

Vor Jahresfrist stieg Wyss mit Langnau in die NLA auf, kurz zuvor war er zur Hornussergesellschaft Recherswil-Kriegstetten transferiert worden. «Hornussen war meine erste Liebe», sagt der 22-Jährige. Zwei war er, als ihm der Grossvater den ersten Stecken schenkte, seit der Schulzeit spielt er wettkampfmässig, mittlerweile erreicht er Streichlängen von rund 300 Metern. «Wer hart schiessen kann, kann auch weit schlagen», antwortet Wyss auf die Frage nach möglichen Parallelen. Sonst jedoch gebe es kaum Gemeinsamkeiten. «Im Hornussen steckt kein Geld drin, es gibt keine Verträge. Und es wird etwas weniger seriös trainiert», erzählt er schmunzelnd. Dafür sei der Teamgeist noch besser als bei den Eishockeyanern.

Die Einheiten mit Schrepfer

Silvan Wyss versteht es, etwas zur guten internen Stimmung beizutragen. «Er ist stets gut gelaunt, hat eine hervorragende Einstellung», meint Sportchef Jörg Reber. «Ich habe eine grosse Klappe», sagt derweil der frühere ­Juniorennationalspieler, welcher laut Teamkollegen nach seiner Ankunft in Langnau im Sommer 2013 extrem scheu gewesen war.

Wyss ist Antreiber und Motivator; während der Spiele spricht respektive schreit er viel, steckt mit seiner positiven Art die Kollegen an. «Hierarchisch bin ich weit davon entfernt, ein Leader zu sein. Aber ich bin einer, der immer Gas gibt. Und ich will Energie ins Spiel bringen.» Coach Benoît Laporte schätzt derlei Qualitäten. Wyss ist Stammspieler, trotz breitem Kader lediglich einmal überzählig gewesen.

Die dritte Saison bestreitet Wyss mittlerweile in Diensten der SCL Tigers. Meist kommt er in der vierten Linie zum Zug, oft wechseln die Sturmpartner. Selten steht Wyss im Fokus, schiesst er doch kaum Tore. «Ich habe viele Aufgaben im Defensivbereich, der Abschluss ist zu meiner Schwäche geworden», sagt der Angreifer, der auf höchster Stufe noch nie getroffen hat. Mit Assistenztrainer Rolf Schrepfer, einst Meisterstürmer des SCB, schiebt er deshalb Sonderschichten.

Der Dank an Schläpfer

Nicht zuletzt wegen der fehlenden Produktivität des Stürmers zeigte sich der eine oder andere erstaunt darüber, dass die Tigers weiter mit Wyss planen. Dessen Vertrag wurde unlängst um eine Saison verlängert – langjährige NLA-Spieler wie Sandro Moggi, Sven Lindemann und Tobias Bucher dagegen erhielten keinen neuen Kontrakt. Er selbst sei auch überrascht gewesen, gesteht Wyss, «ich bin sehr glücklich, gefällt es mir hier doch ausgezeichnet».

Wohl fühlte sich der in Arch aufgewachsene Seeländer auch in Biel, wo er zur Schule gegangen war und die Nachwuchsstufen durchlaufen hatte. Gefördert wurde das Energiebündel von Kevin Schläpfer, «ich hätte mir als Junior keinen besseren Trainer vorstellen können». Zweimal kam er in der ersten Mannschaft zum Zug, trainierte in der Lockout-Saison mit den NHL-Stars Tyler Seguin und Patrick ­Kane. Letzterer habe keinerlei Allüren gehabt, «er kümmerte sich sogar um die Grünschnabelfraktion, zu der ich gehörte».

Bleiben grössere Überraschungen aus, wird es ab Mitte März zur Playout-Serie zwischen Langnauern, die am heutigen Dienstag (19.45 Uhr) Zug empfangen, und Bielern kommen. Dass sich die Seeländer von ihrer Baisse erholt haben, ist Wyss nicht entgangen. Er habe Respekt vor der entscheidenden Meisterschaftsphase, «aber keine Angst». Die Chemie im Team stimme, wenngleich der Kitt vergangene Saison stärker gewesen sei. Es geht um den Ligaverbleib – wobei auch in Biel ein Akteur den NLA-Status auf sicher hat. Goalie Simon Rytz wird ab April in eine neue Meisterschaft starten. In Lyss. Als Hornusser.

Berner Zeitung

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