Sportchef Reber ist sich untreu geworden

BZ-Sportredaktor Philipp Rindlisbacher zum Trainerwechsel bei den SCL Tigers.

Die Türe wurde Benoît Laporte am Samstag in Ambri vor der Nase zugeschlagen – sie wird sich in Langnau nicht wieder öffnen. Nach lediglich elf Monaten trennen sich die SCL Tigers vom frankokanadischen Trainer. Zum Verhängnis wurde ihm letztlich der desaströse Auftritt in der Leventina, wo Laporte einst Coach gewesen war, wegen wütender Fans Polizeischutz gebraucht hatte. Im Emmental geht es gesitteter zu und her, die Sympathien der Anhänger gewann der 55-Jährige indes nie.

Als Nachfolger von Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson hatte Laporte einen schweren Stand. Die Skepsis, mit der ihm viele Leute begegneten, setzte ihm zu. Mit seinen vielen Wechseln in der Aufstellung stiftete er Verunsicherung. Und in seinem Handeln war er stur, gegenüber internen Vorschlägen weitgehend resistent.

Dennoch: Aus der im Quervergleich mit wenig Talent gesegneten Mannschaft holte Laporte ziemlich viel heraus. Die Spielweise war über weite Strecken der Qualifikation attraktiv. Erst in den letzten zwei, drei Wochen geriet der Aufsteiger in die Krise. Daher hätte es Laporte verdient gehabt, mit den Tigers in die Playout-Serie gegen Biel zu starten.

Mit der Freistellung Laportes ist ein wesentliches Problem nicht gelöst worden. Vielmehr hat es sich akzentuiert: In Langnau besitzt die Mannschaft zu viel Macht. So hatten sich mehrere Profis über Gustafsson echauffiert, ihm Faulheit und passives Coaching vorgeworfen. Laporte wurde für seinen eher rauen Führungsstil kritisiert, einige beklagten sich über die fehlende Spielstruktur. Die Führungscrew lässt sich teils stark beeinflussen. Nach wie vor mangelt es im Verein an Eishockeykompetenz, was die schlechte Trefferquote bei Personalentscheiden miterklärt – innert gut dreier Jahre sind vier Trainer, drei Geschäftsführer und ein Sportchef entlassen worden.

Was das Tagesgeschäft betrifft, ist Jörg Reber die wichtigste Figur im Verein – und der Sportchef ist sich untreu geworden. Vor Jahresfrist sah er davon ab, die Zusammenarbeit mit Aufstiegstrainer Gustafsson fortzusetzen – trotz 51 Siegen in 67 Spielen. Er hatte die Zeichen richtig gedeutet, war sich sicher, dass es einen Trainer mit autoritärem Führungsstil brauchte. Er wählte den unbequemen Weg, erntete viel Kritik, erhielt für seinen Mut aber gar szenenübergreifend Anerkennung.

Was Laportes Arbeit betrifft, kam bereits vor Weihnachten ein etwas ungutes Gefühl auf, die Partie in Zug am 22. Dezember bezeichneten gut Informierte als Schicksalsspiel. Langnau gewann überraschend, startete mit einer Erfolgsserie ins neue Jahr – ¬worauf die Trainerdiskussion in den Hintergrund rückte. Die Zweifel aber blieben bestehen.

Trotz Unruhe zur Unzeit läuft bei den SCL Tigers längst nicht alles schlecht. Der Klub ist gesund, wird abermals schwarze Zahlen schreiben. Auch Jörg Reber soll nicht in ein falsches Licht gerückt werden, hat er doch in den letzten zwei Jahren vieles richtig gemacht. Vom Verwaltungsrat kriegt er mindestens so viel Rückendeckung wie Verantwortung – doch der Sportchef wird wissen, dass er die Verantwortung für die jüngsten Wirren trägt.

Plan A betreffend Laporte-Nachfolge war Larry Huras gewesen, der SCB-Meistercoach von 2010 jedoch sagte ab. Mit Scott Beattie hat Reber nun einen weitgehend unbekannten Coach engagiert, dem auf höchster Stufe komplett die Erfahrung fehlt. Doch kann man es auch ins Positive wenden: Beattie kommt wie die Jungfrau zum Kind zur Chance, sich im Schaufenster der NLA zu präsentieren. Er wird alles menschenmögliche daran setzen, Eigenwerbung zu betreiben.

Berner Zeitung

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