So fit wie nie zuvor

Philippe Seydoux startet heute Dienstag mit dem SC Langenthal in die Playoff-Viertelfinals gegen Martigny. Der Verteidiger hat im Oberaargau seine Karriere neu lanciert und sich wieder für die NLA ins Spiel gebracht.

Positiv gestimmt: Philippe Seydoux will NLB-Meister werden, wie die Spieler auf dem Bild hinter ihm im Jahr 2012.

Positiv gestimmt: Philippe Seydoux will NLB-Meister werden, wie die Spieler auf dem Bild hinter ihm im Jahr 2012.

(Bild: Marcel Bieri)

Reto Pfister

Schaut man die Statistiken des Stadtberners Philippe Seydoux in den vergangenen Jahren an, findet man Spielzeiten mit extrem wenig absolvierten Partien. 2011/2012 waren es in der nordamerikanischen East Coast Hockey League nur deren 4, 2012/2013 mit Lausanne in der NLB nur 7. Auch in den zwei Saisons danach sind nur 25 und 24 Partien verzeichnet.

Der Verteidiger fiel wiederholt verletzungsbedingt aus, und im Sommer 2014 erkrankte er zudem an einem Darmdurchbruch. 35 Zentimeter Dickdarm mussten entfernt werden, er verlor 12 Kilogramm an Gewicht und enorm viel an Kraft. Er fand zwar in Lausanne, das mittlerweile in der NLA spielte, wieder Anschluss, wurde aber nur noch als Lückenbüsser eingesetzt. «Für andere NLA-Vereine war ich so natürlich wenig interessant», sagt er. Der weitere Karriereweg führte ihn daher in den Oberaargau zum SC Langenthal, wo er sich wohl fühlt.

Viele Einsätze

Beim Interview einen Tag vor dem Playoff-Start gibt Seydoux so ruhig und entspannt Auskunft, wie es zu diesem Zeitpunkt der Saison möglich ist. «Ich war physisch noch nie in so gutem Zustand wie jetzt», sagt er. «Auch mental und vom Taktischen her hat mir diese Saison bis jetzt sehr viel gebracht.» Zu Langenthal stiess der in einer Woche 31 Jahre alt werdende Stadtberner kurz vor den Playoffs in der letzten Saison. Nach zwei Wochen Ausleihe war das NLB-Spitzenteam interessiert, ihn fest zu verpflichten. «Für mich war das sehr gut», sagt Seydoux. «Ich kannte hier schon einige Leute.»

Mit Captain Stefan Tschannen etwa, der die Saison verletzungsbedingt vorzeitig beenden musste, hatte er bei den SCB-Elitejunioren bereits gespielt. Und vor allem: Seydoux kam zum Spielen – viel zum Spielen. «Dies ist extrem wichtig, nachdem ich zuvor fünf Jahre extrem wenig Einsätze gehabt habe.» In Langenthal ist er mit der Erfahrung von 410 NLA-Spielen einer der Routiniers, die auch die jungen Spieler führen sollen.

«Speziell war für mich, dass wir uns früh für die Playoffs qualifiziert haben», sagt Seydoux. «So hatte ich das zuvor noch nicht erlebt.» Für den Klub war dies nichts Aussergewöhnliches, bei acht Playoff-Teilnehmern und zehn Teams in der NLB erhalten die besten Equipen jeweils schon früh das berühmte «Sternchen» in der Tabelle. Zuletzt überzeugten die Oberaargauer nicht mehr und verloren am letzten Spieltag unter anderem gegen den Playoff-Viertelfinalgegner Martigny.

Seydoux ist dennoch zuversichtlich, dass in den Playoffs wieder ein anderer SC Langenthal zu sehen ist. «Wir haben viele junge Spieler im Team», sagt er. «Ihnen geht die Erfahrung noch ab, was das Dosieren der Kräfte vor den Playoffs betrifft. Da wird dann vielleicht ein bisschen zu stark heruntergefahren, und die Spiele verlaufen so wie zuletzt. Jetzt, wo die wirklich wichtige Saison­phase beginnt, werden alle wieder Vollgas geben.» Das Ziel des Verteidigers ist klar: «Ich will NLB-Meister werden.» Unter den Kontrahenten stelle Qualifikationssieger Rapperswil-Jona das kompletteste Team, Olten und La Chaux-de-Fonds seien eher Stimmungsmannschaften.

Zu den SCL Tigers?

Seydoux’ äussert klar den Wunsch, in die NLA zurückzukehren. In Langenthal verfügt er bis Ende Monat über eine Ausstiegsklausel, er wird mit den SCL Tigers in Verbindung gebracht. «Ich konzentriere mich aufs Spielen, das andere regeln Sportchefs und Agenten», sagt er dazu. Er könnte sich vorstellen, später ins Trainer- oder Fitnesscoachgeschäft einzusteigen, und plant, Ausbildungen in diesem Bereich zu absolvieren. «Zuvor will ich aber noch lange auf dem Eis stehen.» Und noch manche Saison bestreiten, ohne durch Verletzung oder Krankheit gebremst zu werden.

Berner Zeitung

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