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Simon Ammann: «Ich bin immer noch allein»

Vor den abschliessenden Wettkämpfen auf der Flugschanze in Planica spricht Simon Ammann über Fortschritte beim Landebeinwechsel-Projekt und die suboptimale Trainingssituation.

Simon Ammann: «An der WM in Lahti hat sich einiges zum Guten gewendet.»
Simon Ammann: «An der WM in Lahti hat sich einiges zum Guten gewendet.»
Keystone

Die Saison neigt sich dem Ende zu. Wie präsentiert sich ­Ihre ­Gemütslage vor dem ­Finalwochenende in Planica?Simon Ammann: Ich komme von einer Flugschanze, gehe auf eine Flugschanze und habe immer noch Energie. Das ist doch schon einmal erfreulich. Wobei mir ein zusätzlicher Regenerationstag ­sicher nicht schaden würde.

Sie kommen von der zehntägigen Raw-Air-Tour, bestritten sämtliche Qualifikationen und Wettkämpfe. Nach der weniger intensiven Vierschanzentournee wirken Sie jeweils ausgelaugt. Raw Air war happig, aber ich empfand die Tour zum Glück nicht als Tortur. An der Tournee spielt der Kopf eine grosse Rolle. Die Zielsetzung war dort früher auch eine ganz andere gewesen – in Norwegen ging es nicht wirklich um den Sieg. (lacht) Kommt dazu, dass ich nun besser fliege als noch vor zwei Monaten – das gibt Auftrieb.

Warum fliegen Sie besser? An der WM in Lahti hat sich einiges zum Guten gewendet. Auf dem Papier sieht man das nur bedingt, der grosse Befreiungsschlag ist ausgeblieben. Wobei es in Vikersund bei normalen Verhältnissen hätte passieren können. Im ersten Moment hat mich das geärgert.

Sie sprechen den 239-Meter-Flug an. Sie brachen den Flug ab, griffen in den Schnee, wären beinahe gestürzt... ...ja, ich traf die Kante, hatte viel Aufwind. Der Luftstand war so hoch, da öffnest du automatisch. Klar kannst du in Vikersund 250-Meter-Sprünge stehen, wenn die Flugkurve stimmt, du dich in der letzten Phase knapp über dem Boden befindest. Aber die Marge ist klein, das Risiko hoch.

Wie fällt Ihre Bilanz der letzten Monate aus? Die Resultate sind ungenügend, keine Frage. Aber ich habe in den letzten Wochen die Talsohle durchschritten. Zugegeben: Als ich beschloss, auf dem rechten Bein zu landen, hätte ich nicht gedacht, dass der Weg bis zu diesem Punkt so lang sein würde.

Sind Sie insgesamt zufrieden? Nein, aber die Istsituation verschafft mir im Hinblick auf die Olympiasaison eine Perspektive.

Anlässlich der WM in Lahti liess Andreas Küttel in einem Interview verlauten, «Simon braucht wieder volles Engagement». Liegt der langjährige Kollege richtig? Ja und nein. Die Aussensicht, Andreas hat seine Äusserungen auch als Aussensicht deklariert, ist immer ein bisschen anders als jene der Betroffenen. Ich brauche anderes im Leben, sonst würde ich immer nur an den Sprüngen herumstudieren. Andreas hat aber schon die eine oder andere Schwachstelle getroffen, bei der Detailpflege zum Beispiel haben wir sicher Reserven.

Seit Küttels Rücktritt hängt im Schweizer Skisprungsport fast alles von Ihnen ab. Ich bin auf diesem Level immer noch allein. Unsere Jungen bringen sehr viel mit, aber irgendwie kriegen sie es noch nicht auf die Reihe.

Fehlt Ihnen ein ebenbürtiger Trainingspartner? Gerade in schwierigen Phasen wäre es hilfreich, einen Kollegen von Andreas’ Format im Team zu haben. Er war der bessere Athlet, ich war der bessere Flieger – wir ergänzten uns gut.

Sie bezeichneten das Beinwechselprojekt als Glücksfall, sagten, Sie könnten auf diese Weise den Beweis antreten, ein Profi zu sein – oder scheitern. Wo stehen Sie im Moment? Am letzten Samstag, im Teamwettkampf von Vikersund, erhielt ich für den zweiten Versuch 54 Punkte, also dreimal eine 18,0, obwohl ich das Gefühl hatte, auch schon besser gelandet zu sein.

Was schliessen Sie daraus? Der Weg zur besseren Note führt über die Weite. Wer sich unter den besten zehn einreiht, wird für die gleiche Landung automatisch besser bewertet als einer, der auf Platz 35 springt. Unser Assistenztrainer Roger Kamber hat das analysiert.

Inwiefern werden sich die in den letzten Monaten gewonnenen Erkenntnisse auf die Vorbereitung der Olympiasaison ­auswirken? Im Normalfall benötige ich im Frühling eine längere Pause. Nun aber spüre ich, dass ich dranbleiben, den Schwung mitnehmen muss, damit es gut kommen wird. Das Niveau ist sehr hoch, die ­Österreicher haben einen guten Job gemacht.

Wie meinen Sie das? Mittlerweile ist bei vielen Nationen ein österreichischer Trainer am Werk. Die Dichte an der Spitze ist dadurch höher geworden.

An wen denken Sie? Sicher an die Norweger, aber vor allem an die Polen. Es ist beeindruckend, zu sehen, wie sie sich entwickelt haben, wie breit sie aufgestellt sind.

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