Sieben auf einen Streich

Entfesselte Langnauer besiegen desaströse Davoser auswärts gleich mit 7:0. Nach dem besten Saisonstart seit 1981 gibt es durchaus Gründe, weshalb die SCL Tigers den Anschluss ans Mittelfeld über längere Zeit halten könnten.

Muskelkater vom Armeheben: Die SCL Tigers bejubeln das 2:0 von Captain Pascal Berger (rechts). Fünf weitere Treffer sollten folgen.

Muskelkater vom Armeheben: Die SCL Tigers bejubeln das 2:0 von Captain Pascal Berger (rechts). Fünf weitere Treffer sollten folgen.

Der Tiger machte aus dem Steinbock Geschnetzeltes. 7:0 siegte Langnau in Davos (siehe Kasten). Und so ruhig es trotz 4400 Zuschauern unmittelbar nach der Schlusssirene bei der Wahl der besten Spieler war, so laut dürfte sich der Bündner Trainer Arno Del Curto danach in der Kabine in seinen Furor geredet haben. Nach dem Erfolg vier Tage zuvor beim Meister ZSC Lions untermauerten die SCL Tigers abermals ihre Ambitionen.

Letztmals vor 37 Jahren war Langnau mit drei Vollerfolgen aus fünf Partien in die Saison gestartet. Die Tigers liegen auf Rang 6; und auch wenn gerade mal ein Zehntel der Qualifikation absolviert ist, gibt es Gründe, weshalb die Emmentaler den Anschluss ans Mittelfeld halten könnten:

Die Goalies: Wegweisendes Signal an die Vorderleute

Wohl dem, der solch eine Nummer 2 hat! In Davos bewies Damiano Ciaccio seine tolle Verfassung, verhinderte in der Startphase mehrmals den Rückstand. 120 Minuten hat er gespielt in dieser Saison, dabei gerade mal einen Treffer zugelassen und über 98 Prozent der Schüsse pariert. «Ciaccio war überragend», meinte Trainer Heinz Ehlers, der fast nicht darum herum kommt, dem höher gehandelten Ivars Punnenovs Pausen zu gewähren. Auch der Lette ist gut in die Qualifikation gestartet. Und so sagte Ehlers: «Unsere Goalies geben uns die Möglichkeit, jede Partie zu gewinnen. Die Spieler wissen das – was ungemein motivierend wirkt.»

Die Robustheit: Dorthin gehen, wo es schmerzhaft wird

Das Langnauer Unterzahlspiel ist das beste in der National League. In Davos (drei kleine Strafen) traten die Gäste zwar sehr diszipliniert auf, bereits aber haben sie über eine halbe Stunde lang mit einem Mann weniger agieren müssen. Ein einziges Gegentor haben sie dabei kassiert, weshalb Ehlers wenig überraschend festhielt, das System funktioniere sehr gut. «Wir gehen dorthin, wo es schmerzhaft werden kann», resümierte Doppeltorschütze Pascal Berger, der mit fünf Punkten nun interner Topskorer ist.

Mit 134 Gegentreffern genügte die Defensive bereits vergangene Saison höheren Ansprüchen. Nun sind die Emmentaler in der eigenen Zone nicht kreativer, aber nochmals robuster geworden. Der physisch starke Freiburger Andrea Glauser ist bereits Leistungsträger, Larry Leeger (92 Kilogramm) und Claudio Cadonau (98) sind «eislaufende Kleiderschränke».

Die Mittelachse: Mehr Qualität, mehr Optionen

Die Centerposition, sie war eine der Baustellen bei den SCL Tigers in der jüngeren Vergangenheit. Beim Kantersieg in Davos wurden Mikael Johansson, Aaron Gagnon, Anton Gustafsson und Nolan Diem als Mittelstürmer eingesetzt, die nicht einfach zu spielende Rolle können auch Captain Pascal Berger, Harri Pesonen und Chris DiDomenico einnehmen. Es gibt mehr Akteure im Team, welche fähig sind, einen Block zu führen.

Dank Zuzug Diem, der sich am Samstag in einen Schuss warf, danach Schmerzen am Fuss verspürte aber heute bereits wieder trainieren dürfte, ist auch die vierte Linie stabiler geworden. Vom Trainer erhielt der zweifache Nationalspieler ein Sonderlob. «Er spielt mit extrem viel Energie», meinte Ehlers. Wenngleich das Powerplay bis anhin nicht wirklich funktioniert, haben die Tigers – wie auch der SC Bern – in fünf Partien 16 Tore erzielt.

Das Selbstverständnis: «Wir müssen uns nicht verstecken»

Die Ränge 11, 10 und 9 in der Qualifikation – es ist kontinuierlich aufwärts gegangen bei den SCL Tigers seit dem Aufstieg. Und auch wenn die Mannschaft auf dem Papier nicht zu den Top 8 gehört, hat sie die Playoff-Teilnahme als Ziel formuliert. Im Unterschied zu früheren Jahren handelt es sich hierbei nicht um Worthülsen; die Überzeugung, sie ist zu spüren. Die Mannschaft macht sich nicht mehr kleiner als sie ist, sie traut sich mehr zu, was der Vergleich mit Davos verdeutlichte. «Wir müssen uns nicht mehr verstecken», sagte Ehlers. «Allerdings sollten wir demütig bleiben.»

Berner Zeitung

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