Scott Beattie übernimmt bei den Tigers

Scott Beattie beerbt Benoît Laporte als Coach der SCL Tigers. «Es ging in die falsche Richtung, nach dem Auftritt in Ambri-Piotta war es Zeit, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben», sagt Tigers-Sportchef Jörg Reber.

  • loading indicator
Marco Oppliger@BernerZeitung

Wenn schon nicht auf dem Eis, so sorgen die SCL Tigers in diesen Tagen zumindest hinter den Kulissen für Spektakel. Am Montagmorgen entliessen die Langnauer wie erwartet Benoît Laporte – ein paar Stunden später beorderte Scott Beattie die Equipe für das Training auf das Eis. Der Italokanadier hatte seit Ende Dezember den EHC Visp betreut und scheiterte mit diesem im NLB-Playoff-Viertelfinal in 7 Spielen an Olten. Nun amtet Beattie bis Saisonende als Langnauer Headcoach mit dem Auftrag, die SCL Tigers in der NLA zu halten.

Gross dürfte die Auswahl an Trainern nicht gewesen sein, welche sich – ohne einen weiterlaufenden Vertrag zu fordern – auf das Abenteuer Langnau einlassen wollten. «Beattie lebt seit längerem in der Schweiz, er kennt das hiesige Eishockey», sagt Jörg Reber. Der Tigers-Sportchef setzt auf die zwischenmenschlichen Qualitäten des 47-Jährigen. «Er soll das Selbstvertrauen der Spieler stärken.»

Beattie seinerseits sieht das Engagement bei den SCL Tigers als grosse Chance, sich in der NLA zu präsentieren; eine Vertragsofferte vom EHC Visp hatte er zuvor abgelehnt. Seine Chancen auf ein längerfristiges Engagement im Emmental dürften allerdings eher klein sein.

Beattie führte gestern diverse Gespräche, «das finde ich extrem wichtig, das wichtigste eigentlich. Ich spielte noch vor zehn Jahren, weiss also, wie sich ein Spieler in solch einer Lage fühlt.» Er sei froh, stehe bereits am Dienstag (19.45 Uhr) die Heimpartie gegen Lausanne an. Bis zum Beginn der Playout-Serie gegen Biel am Samstag gehe es nun darum, Reize zu setzen, «der Siegeswille muss da sein».

«Ich war enttäuscht»

Es war ein Bauchentscheid des Sportchefs, der das Rumoren bei den SCL Tigers ausgelöst hatte. Nach der 9:4-Niederlage in Ambri-Piotta entschloss er sich, zur Mannschaft zu sprechen – ohne den Trainer. «Ich war enttäuscht, eine solche Leistung konnten wir nicht akzeptieren», hält Reber fest. «Ich wollte von den Spielern wissen, was los war.» Es habe in den rund 75 Minuten interessante Gespräche gegeben.

Ob sich die Spieler über Laporte beklagten, wollte Reber nicht sagen. Offenbar soll der Coach wegen seines rauen Umgangstones nicht mehr bei allen unumstritten gewesen sein. «In den Gesprächen ging es nicht nur um den Trainer, es ging auch um die Spieler», antwortet Reber auf Nachfrage.

Er betont auch, in diesem Moment nicht an eine Entlassung Laportes gedacht zu haben. Dieser Entscheid sei erst am Sonntag gefallen. In erster Linie sei dem Coach die jüngste Entwicklung zum Verhängnis geworden. Die SCL Tigers verloren sechs der letzten sieben Spiele, brachten sich damit zuerst um die Playoff-Teilnahme und dann um den vorzeitigen Ligaerhalt. «Es ging in die falsche Richtung, nach dem Auftritt in Ambri-Piotta war es Zeit, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben», sagt Reber.

Den von Laporte geäusserten Vorwurf, seit den gescheiterten Vertragsverhandlungen habe man versucht, bei seiner Arbeit das Negative hervorzustreichen, kommentiert Reber wie folgt: «Wir haben klar kommuniziert, dass wir Ende Saison zusammensitzen und über die Zukunft sprechen werden.»

Die Entlassung Laportes ist gewiss eine Niederlage für Reber: Nach dem letztjährigen Aufstieg hatte er auf eine weitere Zusammenarbeit mit Bengt-Ake Gustafsson verzichtet und den Frankokanadier verpflichtet, um dem Team eine härtere, kämpferische Gangart zu vermitteln. «Nun ist es so rausgekommen, wie ich es mir nicht gewünscht hätte», sagt Reber. «Aber so ist das Business. Es kann schnell etwas passieren, dann musst du reagieren.»