SCL Tigers: Welch Wundertüte

Die irre Wende im Derby kam sogar einem Langnauer spanisch vor. Die Verantwort­lichen der SCL Tigers haben derweil Kontakt mit Chinesen aufgenommen.

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Ein 0:3 aufholen? Die SCL Tigers? Beim Meister und souveränen Leader? Mit Verlaub, das hätte den Langnauern doch kaum ein vernünftiger Mensch zugetraut. Erst recht nicht nach dem ersten Drittel im Derby, in welchem die Berner spielten, als hätten sie einen Düsenantrieb an den Schlittschuhen montiert, die Emmentaler fast ausschliesslich mit Hinterherlaufen beschäftigt waren.

Auf den in seiner Entstehung sensationellen 5:3-Erfolg angesprochen, meinte selbst Trainer Heinz Ehlers, er habe diese Wende nicht für möglich gehalten. «Aber wir haben uns extrem gesteigert», resümierte der Däne, «die ersten 20 und die restlichen 40 Minuten waren wie Tag und Nacht. Wir hatten zu Beginn viel zu viel Respekt.»

Langnau arbeitet intensiv am Ruf, die Wundertüte der Liga zu sein. Schlau jedenfalls wird man nicht aus diesem Team. Es richtig einzuschätzen, fällt schwer. Zuletzt siegten Ehlers’ Schützlinge gegen Davos sowie bei den ZSC Lions und in Bern, verloren aber vor Heimpublikum gegen Lausanne und Biel, zwei Konkurrenten im Strichkampf. Ehlers sprach vom Druck, der gegen die grossen Klubs geringer sei, Angreifer Benjamin Neukom seinerseits konnte das Auf und Ab nicht erklären. Während der ersten Pause habe der Trainer gepoltert, «danach entwickelte sich ein wahnsinniges Spiel».

Yannick-Lennart Albrecht hielt fest, die Partie könne einem spanisch vorkommen. «Es ist alles andere als alltäglich, in Bern derart stark zurückzuschlagen, nachdem man zuerst überfahren worden war.» Von einem seiner schönsten Siege in der ganzen Karriere sprach der Center. Detail am Rande: Es handelte sich um den höchsten Tigers-Erfolg in dieser Saison, neun ihrer elf Siege realisierten sie mit einem Tor Differenz.

Thuresson als Kandidat

Neben Antreiber Albrecht war Schwerarbeiter Ville Koistinen – in der laufenden Qualifikation hat einzig Lausannes Jonas Junland mehr Eiszeit erhalten als Langnaus Abwehrpatron – mit zwei Toren der herausragende Tigers-Akteur. Anders als seine finnischen Kollegen besticht er mit Konstanz. Der stets engagierte Topskorer Antti Erkinjuntti sowie der zuweilen behäbig wirkende Eero Elo ihrerseits haben letztmals Mitte Oktober getroffen. Etwas Konkurrenzkampf würde gewiss nicht schaden, die Ausländersuche jedenfalls wird intensiviert.

Sportchef Jörg Reber schaut sich – kein Scherz – sogar in China um. Andreas Thuresson steht bei den in Peking stationierten Kunlun Red Star unter Vertrag, die Organisation ist in die russische KHL integriert. Der 30-jährige Schwede scheint an einer Rückkehr nach Europa interessiert zu sein, Reber dementiert entsprechende Kontakte nicht. 25 NHL- und 37 Länderspiele hat Thuresson absolviert. Er ist ein talentierter und vielseitiger Flügel, der in dieser Saison (noch?) nicht auf Touren gekommen ist. Wie schnell die Wende aber gelingen kann, haben die Langnauer eindrücklich bewiesen.

Berner Zeitung

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