SCL Tigers: Geknickt und gefordert

Der letzte Eindruck bleibt haften, dieser ist negativ: Zum Qualifikationsabschluss verlieren die SCL Tigers gegen Kloten 1:4, die Konkurrenz um Platz 10 aber punktet. «Es gibt nichts schönzureden», meint Stürmer Yannick-Lennart Albrecht.

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Zwei Langnauer Fans schwenkten am späten Samstagabend vor der Ilfishalle eine grosse gelb-rote. Sie brach bald einmal entzwei, was irgendwie zur Szenerie passte: Die SCL Tigers und ihr Anhang waren geknickt. Denn die Aussichten, den Ligaerhalt so schnell als möglich sicher zu stellen, hatten sich in den Stunden zuvor signifikant verschlechtert.

1:4 verlor der Aufsteiger in der letzten Qualifikationsrunde gegen Kloten, derweil Ambri-Piotta und Lausanne ihre Heimspiele gewannen. Womit sich der Rückstand auf jene zwei Konkurrenten in der Platzierungsrunde auf neun respektive zehn Punkte vergrössert hat. Derzeit spricht vieles für ein Playoutduell zwischen Langnau und Biel.

Schwaches Powerplay

Als Coach Benoît Laporte auf dem Smartphone die Resultate der Gegnerschaft studierte, runzelte er die Stirn. Er sprach vom «Worst-Case-Szenario», das eingetreten sei, fügte aber sogleich an, dass in der Platzierungsrunde Platz 10 noch zu erreichen sei. «Es sind schliesslich 18 Punkte zu vergeben.»

Etwas trotzig, vor allem aber verärgert gab der Frankokanadier Auskunft. In der Offensive müssten einige viel mehr Verantwortung übernehmen, kritisierte Laporte, dessen Equipe im Mittelabschnitt dominiert, jedoch diverse ausgezeichnete Chancen nicht genutzt hatte.

Unverständlicherweise waren die Tigers wie 24 Stunden zuvor in Kloten äusserst passiv ins Spiel gestartet, sie liessen den Gegner gewähren. Dieser schonte mit Denis Hollenstein und Matthias Bieber zwei Nationalspieler und hinterliess nicht eben den Eindruck, die letzten Energiereserven anzapfen zu wollen.

Was Tigers-Stürmer Yannick-Lennart Albrecht zur Aussage verleitete, die Klotener hätten primär das Ziel gehabt, sich nicht verletzten zu wollen. «Es spricht nicht für uns, haben wir punkto Intensität keine Schippe drauflegen können.» Dennoch stand es bis sieben Minuten vor Schluss «nur» 1:2, ein weiterer individueller Fehler besiegelte die Niederlage.

«Es gibt nichts schönzureden. Wir hätten drei Punkte gewinnen müssen», meinte Albrecht. Wie oft in den letzten Wochen war das Überzahlspiel ungenügend; während einem vierminütigen Powerplay kamen die Langnauer zu keinem gefährlichen Abschluss. Schlimmer noch: Sie kassierten das wegweisende 0:2 (42.) durch Chad Kolarik.

Gerber egalisiert Rekord

Einen Sieg hatte sich auch Adrian Gerber gewünscht, der sein 610. Spiel im Tigers-Trikot bestritt, damit den Rekord Daniel Aegerters einstellte. Eine Ehrung gab es erstaunlicherweise nicht, vorerst findet seine Nummer 61 auch keinen Platz unter dem Dach der Ilfishalle.

Zum Feiern zu Mute war ohnehin keinem, wenngleich sich die Protagonisten bemüht zeigten, das Positive hervor zu streichen. Zufriedenstellend sei die Qualifikation verlaufen, sagte Albrecht, «viel mehr hatte man nicht erwarten dürfen». Laporte seinerseits lobte die Mannschaft, «20 Siege aus 50 Spielen sind für einen Aufsteiger ein sehr guter Wert.» Er verstehe die Kritiker überhaupt nicht, meinte der Coach, der die Leistungen insgeheim zu wenig gewürdigt sieht.

Der Aufsteiger schlug sich in der Tat tapfer, ist rangmässig aber nicht über sich hinausgewachsen. «Wir sind gefordert, müssen nun in jedem Spiel so auftreten, als ginge es um alles», hielt Leistungsträger Albrecht fest. «Vor allem dürfen wir nicht mehr auseinanderbrechen, wenns es nicht läuft.» Recht hat er – eine gebrochene Fahne reicht.

SCL Tigers - Kloten 1:4 (0:1, 0:0, 1:3)
6000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Prugger/Vinnerborg, Bürgi/Espinoza. - Tore: 20. (19:00) Kellenberger (Sheppard) 0:1. 42. Kolarik (Frick, Santala/Ausschluss Collenberg) 0:2. 47. DiDomenico (Kim Lindemann, Clark) 1:2. 53. Schelling (Kellenberger) 1:3. 60. (59:09) Obrist (Praplan/Ausschluss Koistinen) 1:4 (ins leere Tor). - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers, 5mal 2 Minuten gegen die Kloten Flyers. - PostFinance-Topskorer: Clark; Santala.
SCL Tigers:Punnenovs; Müller, Koistinen; Hecquefeuille, Kim Lindemann; Zryd, Adrian Gerber; Weisskopf, Ronchetti; Bucher, DiDomenico, Berger; Clark, Albrecht, Nüssli; Haas, Schirjajew, Sven Lindemann; Sandro Moggi, Claudio Moggi, Wyss.
Kloten:Boltshauser; Stoop, Von Gunten; Collenberg, Schelling; Frick, Harlacher; Büsser; Kolarik, Santala, Praplan; Kellenberger, Sheppard, Obrist; Lemm, Liniger, Hoffmann; Leone, Olimb, Casutt.
Bemerkungen: SCL Tigers ohne Tom Gerber, Gustafsson, Murray, Stettler, Bärtschi (alle verletzt), Wilson (überzählig), Kloten Flyers ohne Hasani, Martin Gerber, Back (alle verletzt), Erik Gustafsson (überzählig). SCL Tigers ab 58:12 bis 59:10 ohne Goalie.

Berner Zeitung

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