SCL Tigers: 40 Sekunden für die Ewigkeit

Spektakel pur im Emmental: Drei Tore in 40Sekunden kurz vor der zweiten Pause bringen den SCL Tigers gegen die ZSC Lions unverhofft drei Punkte. Nach einem 0:2-Rückstand gewinnen dieEmmentaler gegen die Zürcher noch mit 3:2.

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Peter Berger@PeterBerger67

Wenn die SCL Tigers und die ZSC Lions in dieser Saison gegen­einander spielen, ist nichts mehr normal. Auch in der dritten Begegnung in diesem Herbst sah ein Team vorzeitig wie der klare Sieger aus.

Aber wie den Tigers im ersten Duell (3:4 n. V.) ein 3:0-Vorsprung sowie im zweiten Vergleich (3:5) ein 2:0 und 3:1 nicht gereicht hatte, vergeigten am Dienstag die Zürcher ein 2:0.Gerade einmal 40 Sekunden benötigten die Langnauer am Dienstag für die Wende.

Die völlig unverhoffte Wende, muss betont werden. In der verrückten 39. Minute traf zuerst Antti Erkinjuntti im Powerplay (die Zürcher kassierten eine Bankstrafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis), 14 Sekunden später glich Aaron Gagnon aus.

Und dann floppte auch noch bei Eero Elos Schuss der zuvor bestechend sichere ZSC-Goalie Niklas Schlegel. Innert 40 Sekunden wurde so die Ilfishalle zum Tollhaus. «Das habe ich noch nie erlebt», meinte Verteidiger Flurin Randegger – und staunte nach der Partie immer noch.

Harmloses Powerplay

Dabei hatte zuvor Tristesse pur geherrscht. Bezeichnend für den miserablen Auftakt der Gastgeber waren die letzten vier Minuten im ersten Drittel gewesen. Was da die Langnauer während der Überzahl ablieferten, spottete der Beschreibung Powerplay. Thomas Nüssli gab noch in Puckbesitz seinen Mitspielern mittels Handzeichen Anweisungen, wo sie sich positionieren sollen – harmloser kann ein Powerplay nicht sein.

Unnötig zu erwähnen, dass die beste Chance während dieser Überzahlsituation die Zürcher hatten. Pius Sutter scheiterte indes an Goalie Ivars Punnenovs. «Das war das schlechteste Drittel, das ich in Langnau je gesehen habe», gestand Heinz Ehlers. Laut Randegger hatte der Coach in der Pause auch gesagt: «Das Positive ist: Schlechter kann es nicht mehr werden.»

Der dritte Zürcher Treffer wäre wohl die endgültige Entscheidung gewesen. Denn bereits nach drei Minuten traf Reto Schäppi. Der Stürmer übernahm bei den Zürchern die Rolle als Captain, weil Patrick Geering fehlte (Verletzung am Bauchmuskelansatz). Die Langnauer kamen danach durch Roland Gerber zur besten Ausgleichsmöglichkeit. Stattdessen fiel im Gegenzug schon das 0:2.

Chris Baltisberger setzte sich vor dem SCL-Tor durch. Nicht nur in dieser Szene war die Gegenwehr der Tigers ungenügend. Dem Ehlers-Team bot sich dann unverhofft noch im ersten Drittel die Chance, im Spiel zu bleiben. Gagnon wurde von Fredrik Pettersson regelwidrig gestoppt.

Der SCL-Kanadier scheiterte mit dem fälligen Penalty aber an Schlegel. Und als Ronalds Kenins wenig später nach einem Stockstich an SCL-Verteidiger Ville Koistinen mit einer Fünf­minuten- plus Spieldauerstrafe belegt wurde, kam die erwähnte Powerplay-Möglichkeit.

Kein Rekord

Doch am Ende war dieses peinliche Überzahlspiel nicht mehr als eine Randnotiz. Vielmehr blieb die fulminante 39. Minute in Erinnerung, auch weil die Langnauer im letzten Abschnitt den Vorsprung geschickt, mit Leidenschaft und Glück verteidigten.

Als Rekord gehen die drei Tore in 40 Sekunden allerdings nicht in die Geschichtsbücher ein. Genf-Servette benötigte im Dezember 2015 gegen Gottéron für eine Triplette nur 17 Sekunden.

So ausgelassen die Stimmung am Schluss war, den Akteuren ist bewusst, dass eine solche Wende nicht alltäglich ist. «Wir haben einfach Schwein gehabt», sagte Randegger. «Denn bis wir trafen, hätte es eigentlich 6:0 für Zürich stehen können. Wir können uns bei Ivars bedanken. Er hat uns gerettet.»

Der Verteidiger versuchte den Fehlstart zu erklären: «Uns fehlte die Intensität, wir hatten zu viel Respekt und waren nicht aggressiv. Aber warum das so war, weiss ich auch nicht.» Dank den 40 Sekunden war das aber für einmal egal.

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