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Schwierige Mission im Reinacher Start-up

Der Langenthaler Melchior Lanz ist einer von zwei Torhütern des neu gegründeten Erstligateams Red Lions Reinach. Das innovative Projekt ist mit einigen Startschwierigkeiten verbunden.

Goalie Melchior Lanz ist nicht zu be­neiden.
Goalie Melchior Lanz ist nicht zu be­neiden.
Daniel Christen

Melchior Lanz war am letzten Mittwochabend in der Lysser Seelandhalle nicht zu beneiden. Der 22-jährige Torhüter der Red Lions Reinach wurde ein ums ­andere Mal bezwungen; nach 25 Minuten und beim Stand von 1:8 wurde er durch Marc Witschi ­ersetzt. Das Spiel endete für die Aargauer mit einer 2:15-Kanterniederlage.

Das Ergebnis war nicht das Resultat einer schlechten Leistung des Langenthalers Lanz. Sein Team war mit nur dreizehn Feldspielern angetreten und war gegen das mit vier Blöcken angetretene Erstligaspitzenteam Lyss tempomässig überfordert.

Den Nachwuchs fördern

Lanz war einer der ersten Akteure, die im Frühling beim neu gegründeten Team Red Lions Reinach unterschrieben. Eine Gruppe um die erfahrenen Coachs Beat Renggli und Andreas Augstburger hatte die Initiative er­griffen, nachdem die 1.-Liga-Gruppe 2 ursprünglich nur sechs Equipen umfasst hatte. Die Mannschaft ist als U-23-Equipe konzipiert und soll ein Gefäss für Akteure darstellen, die sich nach der Juniorenzeit weiterentwickeln möchten.

Alle Spieler erhalten einheitlich 1000 Franken Entschädigung pro Saison. Lanz hatte zuletzt zwei Jahre für den Ligakonkurrenten Adelboden gespielt, war aber immer in Langenthal wohnhaft geblieben und studiert in Bern Jura. «Reinach ist nicht weit entfernt von Langenthal, das Projekt ist interessant und gut organisiert», sagt der Torhüter.

Öffentlicher Aufruf

Dass die Red Lions einen derart schwierigen Start haben würden, war für Lanz bei dessen Unterschrift noch nicht klar. Erst Mitte Juni konnten die Aargauer definitiv in die 1. Liga aufgenommen werden. Diverse Akteure hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits anderweitig orientiert. «Acht interessierte Spieler standen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zur Verfügung», sagt Andreas Augstburger, Sportchef und einer der Trainer des Teams.

Augstburger und sein Mitstreiter Beat Renggli befinden sich seither permanent auf Spielersuche. Kurz vor Meisterschaftsbeginn erfolgte gar noch ein öffentlicher Aufruf in dieser Sache. Dank der Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs von Rapperswil-Jona und dem Zweitligisten Laufen konnten die meisten Partien immerhin mit annähernd drei Blöcken bestritten werden.

Nur zehn Spieler

Melchior Lanz fühlt sich bei Reinach trotz der Probleme nach wie vor wohl. «Ich will das Team vom Tor aus unterstützen und ihm helfen, dass es sich weiterentwickeln kann», sagt der Langenthaler. In der Vorbereitung habe es jedoch auch manchmal Phasen gegeben, in denen er gezweifelt habe, ob er am richtigen Ort sei. Am Samstag trat Reinach als punkteloser Letzter der 1.-Liga-Gruppe 2 beim Zweitletzten Unterseen-Interlaken an. Lanz zeigte bei der 0:3-Niederlage eine sehr gute Leistung. Seinem Team standen für diese Partie nur zehn Feldspieler zur Verfügung, was definitiv an der untersten Grenze für ein Erstligateam ist.

«Es gilt, diese Saison zu überstehen», sagt Sportchef Augstburger. «Danach bin ich zuversichtlich, dass wir mehr Akteure für uns gewinnen können.» Der Zustand der Red Lions Reinach ist mit dem eines Start-up-Unternehmens vergleichbar. Das Projekt ist gut aufgegleist und finanziert; ob sich dafür am Spielermarkt eine genügende Nachfrage ergibt, ist jedoch nicht sicher. Kann das Team nicht spätestens für die Saison 2017/2018 besser bestückt werden, ist sein langfristiges Bestehen infrage gestellt. Und Melchior Lanz müsste auf Klubsuche gehen.

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