Schweizer Duell im NHL-Playoff-Spektakel

In der Nacht auf Donnerstag beginnt die entscheidende Phase in der besten Eishockey-Liga der Welt. Aus Schweizer Sicht ragt eine Paarung heraus.

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Dass elf Profis mit dem roten Pass im spektakulären Finale der National Hockey League (NHL) beteiligt sind, gehört zu den erfreulicheren Aspekten aus Schweizer Optik in dieser Saison. Allerdings können nicht alle mit regelmässigen Einsätzen rechnen. Sei es wegen Verletzungen wie bei den Verteidigern Luca Sbisa (Las Vegas) und Yannick Weber (Nashville) oder aus Gründen der Hierarchie wie bei Ersatzgoalie Reto Berra (Anaheim) oder Dean Kukan, der bei Columbus verteidigt. Doch das gnadenlose und harte Playoff dauert in der NHL monatelang; Spieler, die gestern auf der Ersatzbank schmorten oder auf der Tribüne Platz nahmen, können schon am nächsten Abend zu Helden auf dem Eis werden.

Ein Team mit einem Schweizer Trio darf sich grosse Hoffnungen auf den Stanley Cup machen: die Nashville Predators mit Captain Roman Josi, Kevin Fiala und dem angeschlagenen Weber. Der Finalist vom vergangenen Jahr trifft auf Colorado Avalanche mit dem Zürcher Stürmer Sven Andrighetto. Es ist auch die Paarung, in der die meisten Schweizer beteiligt sind. Die Favoritenrolle ist klar verteilt, denn Nashville blickt auf eine beeindruckende Qualifikation zurück. Das Team aus der Hauptstadt des US-Bundesstaates Tennessee verlor nur 18 von 82 Partien in der Regular Season und sicherte sich 117 Punkte. Als verdienter Lohn holten die Predators erstmals in der Geschichte die President's Trophy für die beste Mannschaft in der Qualifikation. Colorado dagegen überraschte die Experten mit dem Playoff-Einzug.

Die Ausgeglichenheit als Nashvilles Stärke

«Das ist etwas, worauf wir stolz sein können. Es machte für mich (als Captain; Red.) alles einfacher», sagt Josi. Er habe noch nie eine Saison wie diese gehabt. «Normalerweise gehst du bei 82 Spielen durch Hochs und Tiefs, und es gibt Zeiten, in denen es gar nicht läuft. Zwar gab es Partien, in denen wir nicht so gut spielten, aber meistens fanden wir eine Antwort. Das ist etwas, was uns bis jetzt so erfolgreich gemacht hat.» Die grosse Stärke der Predators ist die Tiefe im Kader. Jede Linie kann Tore schiessen, was Nashville für die Gegner unberechenbar macht.

Ausserdem haben sich die Predators während der Saison geschickt verstärkt. Anfang November holten sie von den Ottawa Senators Center Kyle Turris, der mit Fiala (23 Tore) und Craig Smith (25) ausgezeichnet harmoniert. Ende Februar stiess Ryan Hartman von Chicago zum Team. Ausserdem erklärte Ende Januar Mike Fisher, der Captain der vergangenen Saison, seinen Rücktritt vom Rücktritt. «Er war ein unglaublich wichtiger Spieler im letzten Playoff, und das wird auch diesmal so sein», meint Josi zu Fisher. Die Verteidigung mit dem Top-Quartett Josi, P.K. Subban, Ryan Ellis und Mattias Ekholm gehört ohnehin zum Besten, was die Liga zu bieten hat.

«Die erste Runde wird sowieso hart»

Nun soll es auch mit dem Gewinn des Stanley Cup klappen, nachdem Nashville vor einem Jahr erst im Final mit 2:4 in der Serie an den Pittsburgh Penguins gescheitert war. Obwohl die Ausgangslage als Topfavorit nun eine ganz andere als 2017 ist, ändert sich für Josi nichts. «In der NHL ist alles so ausgeglichen. Wir wissen, dass es im Playoff nichts bedeutet, ob du Erster oder Achter bist. Die erste Runde wird sowieso hart.» Der Gegner aus Denver hat eine Entwicklung hinter sich, die nicht unbedingt hatte erwartet werden können. In der vergangenen Saison waren die Avalanche mit Abstand das schlechteste Team der Liga gewesen, nun holten sie praktisch doppelt so viele Punkte. «Es ist eine extrem schnelle und gefährliche Mannschaft», warnt der Berner.

Herauszuheben bei Colorado ist die erste Linie mit Nathan MacKinnon (39 Tore), Mikko Rantanen (29) und Gabriel Landeskog (25). Andrighetto, zu Beginn noch in einer Reihe mit MacKinnon und Rantanen, blickt auf eine durchzogene Saison zurück. Von Ende Dezember bis Anfang März fehlte er wegen einer Unterkörperverletzung. Acht Tore und 14 Assists in 50 Begegnungen können sich aber durchaus sehen lassen.

Wie schlagen sich die jungen Schweizer im Playoff?

Zu einem weiteren Schweizer Duell könnte es zwischen Anaheim (Berra) und San Jose mit Flügel Timo Meier kommen. Der Bülacher Berra ist die Nummer 3 bei den Goalies der Ducks, Sharks-Flügel Meier hat in seiner ersten vollen NHL-Saison einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. 21 Goals schoss der 21-jährige Appenzeller. Seine Torausbeute sei sicherlich nicht schlecht, im Playoff wolle er aber noch einen Zacken zulegen, erklärt Meier. Konkret will er in der Defensive mehr Verantwortung übernehmen und dann treffen, wenn es zählt. Die Sharks haben den Cup noch nie gewinnen können, der Hunger auf die grosse Trophäe in der Stadt ist gross. «Mit dieser Mannschaft ist es sicher möglich, den Titel zu holen. Aber es ist ein langer Weg», weiss der Ostschweizer.

NHL-Rookie Nico Hischier und Verteidiger Mirco Müller haben mit New Jersey ebenfalls das Playoff geschafft. Die Devils treffen in der Eastern Conference auf Tampa Bay. In Nordamerika zeigt man sich über die starke Leistung des Nummer-1-Draftes aus dem Wallis erstaunt. Allerdings, so meinen Journalisten, sei das Playoff noch ein anderes Paar Schuhe für Liga-Neulinge als die Regular Season. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sehr Center Hischier und Müller mit dem Druck, aber auch mit der schnelleren und härteren Gangart auf dem Eis umgehen können.

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Niederreiter und die Aussenseiterrolle

Die Minnesota Wild mit Nino Niederreiter stehen zum sechsten Mal in Folge in der Endphase, was sonst nur die Anaheim Ducks und Pittsburgh Penguins geschafft haben. Allerdings überstanden die Wild nur zweimal die erste Runde und scheiterten danach zweimal gegen Chicago. Nun soll die Playoff-Reise weitergehen. Allerdings trifft Minnesota, das ohne Abwehrchef Ryan Suter auskommen muss, mit den Winnipeg Jets auf das zweitbeste Team der Liga und die Hoffnung der kanadischen Fans. «Wir sind sicher der Aussenseiter. Es spricht einiges für Winnipeg, das viel Talent hat», sagt Niederreiter. Auch sie seien jedoch eine gute Mannschaft, und wenn sie plötzlich einen Lauf hätten, sei alles möglich. Das beste Beispiel hierfür ist für ihn die WM 2013 in Stockholm, als die Schweiz sensationell Silber gewonnen hat.

Niederreiter blickt auf «eine ganz spezielle Saison» zurück. Das Playoff zu erreichen, sei ein riesiger Krampf gewesen, obwohl man nur fünf Punkte weniger (101) geholt hätte als in der vorletzten Qualifikation. Der Churer führt die Schwierigkeiten auch darauf zurück, dass die Wild viele Verletzte zu beklagen hatten. Niederreiter selber fehlte in 19 Partien, auch weil er nach der ersten Verletzung am Fuss «viel zu früh» zurückkehrte. «Das war mein Fehler. Ich musste und durfte viel lernen», blickt der 18-fache Torschütze in der laufenden Meisterschaft zurück. «Es war nicht die Saison, die ich mir erhofft hatte. Dennoch konnte ich dem Team erneut helfen.»

Das Überraschungs-Team aus dem Spieler-Mekka

Gespannt sein darf man auf den Playoff-Auftritt der Vegas Golden Knights mit Sbisa, die in ihrer Debüt-Saison verblüfften und die Pacific Division souverän gewinnen konnten. Ligaweit holten nur vier Teams mehr Punkte als Las Vegas. Der von vielen erwartete Einbruch kam nicht. Die goldenen Ritter schrieben die Rekordbücher neu.

In den Achtelfinals trifft die Equipe aus der Spielerstadt auf die Los Angeles Kings, den Stanley-Cup-Sieger von 2012 und 2014. Die Kalifornier sind eine sehr robuste Mannschaft und kassierten in der Qualifikation am wenigsten Gegentore. Las Vegas dürfte nur dann eine Chance haben, wenn es seine Schnelligkeit ausnützt und sich nicht auf das physische Spiel der Kings einlässt. Das sieht auch Luca Sbisa so: «Wir bezwingen Teams mit unserem Tempo. Wir müssen diszipliniert und konzentriert bleiben.» Der Zuger Verteidiger hat wegen einer Handverletzung seit dem 27. Februar nicht mehr gespielt, trainiert aber wieder auf dem Eis.

Dean Kukan und die Columbus Blue Jackets messen sich mit Washington. Der russissche Star Alexander Owetschkin, der mit 49 Goals am meisten Treffer erzielt hat, ist die überragende Figur bei den Capitals. Für Denis Malgin (Florida Panthers) dagegen ist die NHL-Saison beendet, ebenso für den verletzten Sven Bärtschi (Vancouver Canucks).

NHL-Playoff, Übersicht

Eastern Conference: Tampa Bay - New Jersey (mit Nico Hischier und Mirco Müller). Boston - Toronto. Washington - Columbus (mit Dean Kukan). Pittsburgh - Philadelphia.

Western Conference: Nashville (mit Roman Josi, Kevin Fiala, Yannick Weber/verletzt) - Colorado (Steve Andrighetto). Winnipeg - Minnesota (mit Nino Niederreiter). Las Vegas (mit Luca Sbisa/verletzt) - Los Angeles Kings. Anaheim (mit Ersatzgoalie Reto Berra) - San Jose (mit Timo Meier).

fal/sda

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