Schöne Bescherung bei den Tigers

Zwei Spiele, fünf Skorerpunkte: Zuzug Antti Erkinjuntti hat bei den SCL Tigers sogleich für Aufsehen gesorgt. Der 31-Jährige stammt aus dem hohen Norden Finnlands, wo sich Fuchs und Nikolaus gute Nacht sagen.

Wirbelwind im Angriff: Antti Erkinjuntti (rechts) hat bei den SCL Tigers in den ersten zwei Partien vollauf überzeugt.

Wirbelwind im Angriff: Antti Erkinjuntti (rechts) hat bei den SCL Tigers in den ersten zwei Partien vollauf überzeugt. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Rovaniemi wohnt der Nikolaus. Das ist kein Märchen, die Stadt im hohen Norden Finnlands ist Sitz der Kammer des Weihnachtsmannes. Dieser hat in der Gemeinde sein eigenes Dörfchen mit allerlei Tourismusschnickschnack – und ein Postamt.

Hierhin können Kinder aus aller Welt ihre Wunschlisten schicken. Auch die Verantwortlichen der SCL Tigers deponierten im Frühling am Polarkreis ihre Erwartungen: Antti Erkinjuntti, in Rovaniemi aufgewachsen, unterschrieb einen Einjahresvertrag. Er soll die Offensive unberechenbarer machen, Skorerpunkte liefern, Spiele entscheiden.

Das lästige Vorurteil

Nach den ersten zwei Qualifikationsrunden kann in Zusammenhang mit Erkinjuntti von einer «schönen Bescherung» gesprochen werden. Ein Tor hat er erzielt, vier Treffer vorbereitet. Mit seinen Sturmpartnern Eero Elo und Anton Gustafsson scheint er sich prächtig zu verstehen.

Vom ersten Eindruck zeigt sich Sportchef Jörg Reber nicht erstaunt, «wir hatten ihn schliesslich wochenlang beobachtet». Dass Erkinjuntti in Experteneinschätzungen als etwas egoistischer Profi mit Hang zur Laissez-faire-Einstellung beschrieben wird, kann er nicht nachvollziehen.

Der Spieler wiederum spricht von einem «lästigen Vorurteil». In der Tat suchte der 31-Jährige zuletzt eher den freien Mitspieler als den Abschluss. Mit seinem Debüt sei er zufrieden. Und ganz anständig sagt er: «Fünf Skorerpunkte sind gut und recht. Aber wichtiger wären fünf Punkte in der Meisterschaft.»

Für einen Finnen wirkt Erkinjuntti erstaunlich offenherzig und wortgewandt. Ungefragt erzählt er von seiner Jugend in ­Rovaniemi, der flächengrössten Stadt Europas, die so abge­legenen und dünn besiedelt ist. Stundenlang auf einem der vielen zugefrorenen Seen Hockey gespielt habe er – «da gibt es fast ein halbes Jahr lang Eis». Im Winter sei das Leben in Lappland wegen der ständigen Dunkelheit psychisch eine Herausforderung. «Aber im Sommer, wenn die Sonne nie untergeht, ist Rovaniemi die schönste Stadt der Welt.»

Der späte Wechsel

Ausserhalb seiner Heimat war Erkinjuntti vor dem Transfer nach Langnau nie engagiert. Weshalb sich die Frage aufdrängt, warum er sich mit über 30 zum Wechsel ins Ausland entschieden hat. Er habe keine Familie, müsse auf niemanden Rücksicht nehmen, meint der Angreifer.

«Ich war mir nach der letzten Saison sicher, dass ich auch woanders eine wichtige Rolle würde spielen können.» Überdies bestätigt er, dass die Langnauer Offerte lukrativ gewesen sei. Auf den Einwand, er verdiene bestimmt mehr als zuletzt bei den Lahti Pelicans, reagiert er schmunzelnd.

«Ich habe gehört, dass man in der Schweiz nicht über den eigenen Lohn spricht.» Im Emmental fühlt sich der Hobbybillardspieler («Ich werde bald einen Tisch kaufen gehen») wohl, einzig die sportliche Bilanz (ein Punkt aus zwei Spielen) trübt das Gesamtbild. Erkinjuntti spricht von ärgerlichen Nieder­lagen, «hätten wir uns ein klein wenig geschickter angestellt, wären wir nun ziemlich weit vorne in der Tabelle zu finden».

In der heutigen Partie bei den ZSC Lions (19.45 Uhr) gehe es darum, nicht an das Geschehene zu denken – Erkinjuntti, der in Lahti das Team als Captain führte, will als positives Beispiel vorangehen. «Ich sage zwar nicht viel in der Garderobe. Aber wenn mir etwas nicht passt, gebe ich den Tarif durch.»

Der spezielle Nachbar

Die höchste finnische Spielklasse und die National League seien vom Niveau her vergleichbar, hält Erkinjuntti fest. «Doch in Finnland wird mehr Wert auf Struktur und Organisation gelegt, in der Schweiz läuft viel über das Tempo.» Sechzehn Partien hat er fürs Nationalteam absolviert; weil die NHL-Spieler für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang keine Freigabe bekommen, gehört auch der Tigers-Zuzug zum sehr grossen Kandidatenkreis für ein Aufgebot.

Olympia sei eine Extramotivation, «aber zuerst einmal muss ich mich in Langnau durchsetzen». Die Tigers ihrerseits besitzen eine einseitige Option: Sie können Erkinjuntti auch für die Saison 2018/2019 an sich binden.

Zungenbrecher Erkinjuntti will sich in der Schweiz einen ­Namen machen, die Langnauer Wünsche erfüllen. Allfällige Briefe an den Nikolaus kann er in Rovaniemi gleich selbst übergeben. «Bei uns zu Hause dreht sich vieles um den Nikolaus», meint der Stürmer, und ergänzt lachend: «Ich kenne ihn gut. Er ist mein Nachbar.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 08:32 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Finne für die Tigers

Die SCL Tigers ­haben den 30-jährigen Finnen Antti Erkinjuntti verpflichtet. Damit sind die Langnauer Transferaktivitäten fast abgeschlossen – aber eben nur fast. Mehr...

SCL Tigers: Wie flüssiger Beton

Bei der 3:6-Niederlage in Biel verdeutlicht sich: Die Langnauer präsentieren sich in der Offensive kreativer, in der eigenen Zone aber weitaus unsicherer als erwartet. «Wir stellten uns blöd an», sagt Coach Heinz Ehlers. «Das stört mich extrem.» Mehr...

Tigers: Führung verspielt, Captain verletzt

Vom 3:0 zum 3:4 nach Verlängerung – die SCL Tigers müssen sich zum Saisonauftakt gegen die ZSC Lions mit einem Punktgewinn begnügen. Captain Pascal Berger fällt mit einem Schlüsselbeinbruch sechs Wochen aus. Mehr...

Newsletter

Immer die Region zuerst. Am Wochenende.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende.
Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Foodblog Insekten-Dinner im Werkhof

Serienjunkie Pferdestarke Frauen

Paid Post

Kinderwunsch? Folsäure!

Erfahren Sie, warum Folsäure schon vor der Schwangerschaft wichtig ist.

Die Welt in Bildern

Naturverbunden: Ein Model präsentiert am Eröffnungsabend des Designwettbewerbs World of Wearable Art in Wellington, Neuseeland, eine korallenartige Kreation. (21. September 2017)
(Bild: Hagen Hopkins/Getty Images) Mehr...