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SCB-Goalie Schlegel «flüchtet» ins Tessin

Torhüter Niklas Schlegel wollte die Herausforderung SCB annehmen. Nun steckt der Zürcher mental in einem Loch, weshalb er sich für den sofortigen Wechsel nach Lugano entschieden hat.

Niklas Schlegel verlässt den SC Bern per sofort.
Niklas Schlegel verlässt den SC Bern per sofort.
Keystone

Der SC Bern und seine Goalies: Diese Verbindung steht seit je für Aussergewöhnliches.

Wir müssen nicht gleich bei Adam und Eva beginnen. Es reicht der Blick in die Fünfzigerjahre, als ein schmächtiger Jungspund namens René Kiener mit 17 Jahren gegen das mächtige Arosa erstmals im Tor stand. Später trug er die 0 am Rücken und ein «Mäskeli» auf dem Kopf, welches eher an einen schlechten Horrorfilm erinnerte, als es ein guter Schutz vor Schüssen war. Dann gab es Renato Tosio, der 636 Spiele in Folge bestritt. Es gab Marco Bührer, der 15 Saisons blieb. Leonardo Genoni spielte während drei Saisons ausserordentlich gut. Aussergewöhnlich war aber vielmehr, dass er in jedem Jahr von einem neuen Goaliecoach betreut wurde.

Im jüngsten Kapitel dieser Geschichte zwischen dem SCB und seinen Goalies geht es um Worte von gestern, die heute nichts mehr wert sind. So betonten die Berner Verantwortlichen, ein ausländischer Torhüter sei kein Thema – bis der Finne Tomi Karhunen unterschrieb. Und im letzten «SonntagsBlick» sagte Niklas Schlegel, er wolle sich durchbeissen «und in Bern die Nummer 1 sein. Würde ich es nicht versuchen, liefe was falsch.» Zwei Tage später lief er davon, respektive löste seinen Vertrag beim Meister auf und unterschrieb bis Frühling 2021 in Lugano.

Ohne Ruhe, ohne Vertrauen

Somit endet das Engagement jenes Spielers abrupt, dem die Berner zugetraut hatten, ihre Tradition grosser Goalies fortzusetzen. Schlegel kriegte seine Chancen. Er bestritt 16 Qualifikationsspiele, erhielt 47 Tore. Zusehends verlor er, was ihn ansonsten auszeichnet: die Ruhe. Und ihm kam abhanden, was für Torhüter essenziell ist: das Selbstvertrauen. Schlegel konnte mit dem Druck nicht umgehen, er tauschte sich mit Vorvorgänger Bührer aus. Nun entschied er sich für den Neuanfang im Tessin. Womöglich sah Schlegel keine Perspektive mehr, im Berner Umfeld zu performen. Das Vertrauen von Trainer Kari Jalonen hatte er verloren. Der Finne steht nicht im Verdacht, gegenüber den feinfühligen Goalies besonders feinfühlig zu sein. Sportchef Alex Chatelain sagt: «Es ist die beste Lösung für alle Beteiligten.»

Wohl mit fünf Ausländern

Für Lugano trifft das zu. Den Tessinern fehlte neben Sandro Zurkirchen ein valabler National-League-Keeper. Aus diesem Grund hat Sportchef Hnat Domenichelli den Transfer initiiert.

Aber ist es die bestmögliche Lösung für Bern? Immerhin bietet der Meister einem Playoff-Konkurrenten Hand. Handkehrum fällt mit dem Transfer ein zuletzt überzähliger Spieler von der Lohnliste. Zudem hätte es kaum Sinn ergeben, jemanden zum Bleiben zu zwingen, der beim Coach zweite oder dritte Wahl ist.

Nach Schlegels Abgang ist klar, dass Karhunen und Pascal Caminada bis Ende Saison das Goalieduo bilden werden. Danach kommt Philip Wüthrich aus Langenthal. Der Youngster soll sich künftig mit einem ausländischen Goalie abwechseln. Karhunen kann sich also empfehlen. Zudem planen die Berner mit vier ausländischen Stürmern. Sie dürften die kommende Spielzeit demnach mit fünf Ausländern in Angriff nehmen.

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