SCB: Wie weiter bei Bertschy?

Der SC Bern hat nach dem Cupfest den Fokus unverzüglich wieder auf die Meisterschaft gerichtet. Heute werden die Verantwortlichen über den Gesundheitszustand Christoph Bertschys informieren.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Dies haben am Mittwoch die Spieler des SC Bern gedacht. Der 3:1-Erfolg im Cupfinal gegen die Kloten Flyers wird bis spät in die Nacht ausgelassen zelebriert, das geplante Training für Donnerstag kurzerhand gestrichen.

Als Einziger steht am nächsten Morgen der Materialwart im Einsatz: Er reinigt die Garderobe, beseitigt jene Spuren, die auf eine feuchtfröhliche Party schliessen lassen. Links stapeln sich Bierflaschen, rechts liegen Zigarrenstummel auf einem Haufen. Coach Guy Boucher ist ebenfalls nicht vor Ort. Der Kanadier zieht es vor, den Tag nach dem Cupsieg und vor der Meisterschaftsreprise gegen Gottéron in den Bergen an der Sonne zu verbringen.

Ja, in etwa so hätte es sein können – würde beim SCB die Professionalität kleingeschrieben, hätten die Spieler nicht das klare Ziel Meistertitel vor Augen und stünde der Mannschaft kein akribischer Arbeiter und Hardliner als Trainer vor, der schlicht und einfach jede Partie gewinnen will.

Den Job noch nicht erledigt

In der Realität lief es folgendermassen ab: Die SCB-Equipe liess sich vom Anhang feiern, genoss den Augenblick. In der Garderobe gab es ein Bier, «nur eines», wie Byron Ritchie schmunzelnd betont. «Danach gingen wir nach Hause, kehrten am Morgen motiviert ins Training zurück. Schliesslich geht es weiter – wir haben unseren Job noch nicht erledigt.» Entsprechend verläuft das Eistraining: kurz zwar, aber intensiv. Boucher duldet kein Nachlassen, treibt die Akteure immer wieder an.

Der mentale Spagat – zwischen Cupfeier und Meisterschaftsfokus liegen nur wenige Stunden – sei nicht so schwierig zu bewältigen, meint Ritchie. Der 37-Jährige hat vor drei Jahren Ähnliches erlebt, als er einen Tag nach dem Gewinn des Spengler-Cups mit dem Team Canada bereits wieder in der Postfinance-Arena trainierte. «Das ist ein Teil des Business. Jeder im Team weiss, dass unser Saisonziel noch in weiter Ferne liegt.» Die Berner streben das Double an. «Vorerst geht es darum, die Qualifikation wenn möglich auf Platz eins abzuschliessen.» Es gelte, am Freitag gegen Gottéron «zu 100 Prozent fokussiert zu sein».

26 Spieler sind im Training auf dem Eis. Darunter befindet sich Luca Hischier, der von Visp zurückgeholt worden ist. Es fehlt einzig Christoph Bertschy.

Bangen um Bertschy

Der 20-Jährige ist im Cupfinal verletzt ausgeschieden (Hüfte); Boucher sprach in der ersten Enttäuschung vom Saisonende. Das Worst-Case-Szenario dürfte nicht eintreffen, der SCB will am Freitag informieren. Der Ausfall des formstarken Stürmers (30 Punkte aus 44 Partien) ist auf jeden Fall ein Verlust.

«Sogar ein grosser Verlust. Jeder Stürmer muss nun das gewisse Extra leisten, um Bertschys Fehlen zu kompensieren», sagt Ritchie. Er weiss: Auch Verletzungen sind ein Teil des Business, wenn auch ein höchst unschöner.

Berner Zeitung

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