SCB wie ein unfertiges Puzzle

Genf

Der SC Bern schöpft das grosse Potenzial nach wie vor bei weitem nicht aus. Bei der 4:5-Niederlage gegen Servette liefern die Berner während der ersten 40 Minuten eine dürftige Leistung ab.

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Adrian Ruch

Plötzlich erzeugt der SC Bern viel Druck; den Servettiens gelingt es kaum noch, den Puck von der Gefahrenzone fernzuhalten. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Anschlusstreffer fallen wird. Doch dann muss SCB-Topskorer Cory Conacher wegen übertriebener Härte die Strafbank aufsuchen. 34 Sekunden später steht es 5:2 für die Genfer.

Die Besucher kämpfen in den letzten zehn Minuten verbissen weiter. Und kurz vor der Schlusssirene – der SCB agiert mit sechs, Servette mit vier Feldspielern – kommt Conacher tatsächlich noch zu einer hochkarätigen Ausgleichschance. Doch die Scheibe fliegt knapp am vom 19-jährigen Gauthier Descloux gehüteten Gehäuse vorbei. Die Genfer gewinnen im Heimstadion mit 5:4 Toren.

Lange Mängelliste

Eine Viertelstunde später geben Cheftrainer Guy Boucher sowie Stürmer Tristan Scherwey zu, dass Servette den Sieg verdient hat. Der SCB sei am Anfang nicht bereit gewesen, meint Scherwey. «Wir gewannen kaum Zweikämpfe, der Scheibenführende bekam zu wenig Unterstützung. Die Genfer fuhren uns in unserer Zone um die Ohren.»

Und Boucher sagt: «Bis weit ins zweite Drittel hinein liessen wir den Respekt vor dem Gegner vermissen.» Die Berner machten 40 Minuten lang einen schwachen Eindruck; sie wirkten uninspiriert, unkonzentriert und waren gegen die physisch starken Genfer nicht bereit, den Kampf anzunehmen. «Vom Goalie über die Verteidiger bis zu den Stürmern –?niemand hat genug geleistet», bringt es der Coach auf den Punkt.

Positiv war die Reaktion nach dem 1:4 in der 44.Minute, als selbst eine Kanterniederlage nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. In der Folge agierten die Mutzen mit der von Boucher geforderten Entschlossenheit. «Das letzte Drittel war im Vergleich zu den beiden ersten Dritteln wie Tag und Nacht», stellt Scherwey fest. Nur biederer Durchschnitt

Im Schlussabschnitt deutete die Mannschaft das grosse Potenzial an, das in ihr steckt. Aufgrund der Qualität der Spieler müsste es möglich sein, die eine oder andere Partie klar zu dominieren. Doch bisher hat der SCB?nur die SCL Tigers deklassiert, ansonsten stehen fünf Arbeitssiege und sechs Niederlagen auf dem Konto. Dafür, dass der SCB?bisher nur biederer Durchschnitt gewesen ist, gibt es diverse Gründe: 1. Das Verletzungspech. Zu Saisonbeginn fehlten etliche Leistungsträger. Bisher hat der SCB nur dreieinhalb Matchs mit vier Ausländern bestritten. 2. Die vielen Transfers. Boucher sagt aus Erfahrung, es dauere mindestens zehn Partien, bis ein stark verändertes Team seine Identität gefunden habe. 3. Die Formschwäche mehrerer Spieler. Captain Martin Plüss hat noch kein einziges Tor erzielt. Keeper Marco Bührer weist mit 89 Prozent die tiefste Abwehrquote aller NLA-Stammgoalies auf. Die Nationalspieler Eric Blum und Simon Moser haben zwar schon je 8 Skorerpunkte gesammelt, stehen aber bei zu vielen Gegentoren auf dem Eis. Die Liste liesse sich problemlos verlängern. 4. Boucher wechselt oft schon nach ein paar wenigen Einsätzen die Zusammensetzung der Linien. Automatismen können sich so kaum bilden.

Der SCB präsentiert sich derzeit wie ein unfertiges Puzzle. Es müssten alle Teile für ein schönes Bild vorhanden sein. Doch die wenigsten sind schon am richtigen Platz, sondern liegen verstreut auf dem Tisch herum.

Schon morgen erhält der SCB gegen Servette die Gelegenheit zur Revanche. «Wir müssen über die Bücher gehen und in der Defensive wieder sauber arbeiten», fordert Scherwey.

Berner Zeitung

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