SCB mit dreckigen Toren

Ein Spektakel bietet der SC Bern nicht, bodigt aber die SCL Tigers mit 3:0 souverän. In der Defensive wirken die Mutzen schon sehr stabil, vorne fehlen Überraschungsmomente und Passfolgen noch.

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Adrian Ruch

Wenn Kari Jalonen nach einem Match gut gelaunt ist, begrüsst der Finne die anwesenden Journalisten oft in Deutsch. «Guten Abend», sagt der Cheftrainer des SC Bern dann und schmunzelt. Nach dem 3:0-Sieg im Derby gegen die SCL Tigers präsentiert sich Jalonen derart fröhlich, dass sich das Spiel noch etwas fortsetzen lässt. «Wie geht es Ihnen?» Der 58-Jährige antwortet strahlend: «Tipptopp!»

Jalonens gute Laune kommt nicht von ungefähr: Sein Team ist in der noch jungen Eishockeysaison viermal in der Champions Hockey League und zweimal in der Meisterschaft angetreten und hat alle sechs Ernstkämpfe gewonnen, unter anderen den schwedischen Meister (Växjö zweimal) und den helvetischen Titelhalter (ZSC Lions) besiegt.

«Die Vorbereitung war wirklich gut, wir arbeiteten hart dafür, dass alle, auch die Neuen, auf derselben Wellenlänge sind», sagt Jalonen und fügt an, in dieser Hinsicht seien sie schon recht nahe am Ziel. Der von Kloten gekommene Stürmer Daniele Grassi bestätigt die Meinung seines Coachs: «Sich an ein neues System zu gewöhnen, ist immer schwierig. Es gibt noch Details zu verbessern, aber wir sind auf gutem Weg.»

Hinten schon fix

Dass die SCB-Spieler systemtreu und diszipliniert zu Werke gingen, wirkte sich vorwiegend in der Defensive positiv aus. Sowohl die Zürcher Löwen am Freitag als auch die Langnauer Tiger am Samstag kamen kaum zu hochkarätigen Torchancen und mussten vorwiegend aus ungünstigen Positionen abschliessen.

Was Jalonen besonders zufriedenstellte: Seine Mannschaft liess keine Konter zu, bei denen sich die Angreifer in Überzahl befanden. So feierte Goalie Leonardo Genoni, der zwei, drei brenzlige Situation cool entschärfte und bei einem Pfostenschuss Aaron Gagnons Glück hatte, schon im zweiten Meisterschaftsspiel den ersten Shutout.

Hinten schon fix, vorne noch fast nix – so kann man den Formstand des SCB zusammenfassen. Kein einziger der fünf in Zürich und Bern erzielten Treffer zählt zur Kategorie «sehenswert». Die Scheibe wird derzeit nicht ins Gehäuse kombiniert, sondern gewürgt. Vier sogenannt dreckige Tore und ein Schuss ins leere Gehäuse stehen momentan auf der Habenseite.

Am Samstag sorgte Andrew Ebbett schon in der zweiten Minute per Abstauber für das 1:0, kurz vor der ersten Pause stocherte Thomas Rüfenacht den Puck im Getümmel zum 2:0 über die Linie. Grassi, der in Zürich hart bedrängt im Fallen erfolgreich gewesen war, sagt: «Heutzutage fällt die Mehrzahl der Tore per Abstauber oder Ablenker; wir müssen dorthin gehen, wo es wehtut.»

Das Urteil des Tigers-Coachs

Heinz Ehlers, der Coach der SCL Tigers, war vom Auftritt des Gastgebers nicht überrascht. «Der SCB ist gut. Die zwei ersten Tore waren für die Berner typisch. Sie agieren mit viel Zug aufs Tor und spielen dort mit der nötigen Härte. Diese Art, Eishockey zu spielen, beherrschen in unserer Liga nur Genf und Bern. Die Härte vor dem Tor gehört zur Identität dieses Clubs», hält der Däne nach dem Match fest.

Herr Jalonen, setzt der SCB künftig statt auf schnelles Passspiel vorwiegend auf dreckige Tore? «Nein, natürlich nicht», antwortet der Finne. «Aber du musst trotzdem in den Bereich des Torraums gehen und dort Zweikämpfe gewinnen. Wir trainieren dieses Verhalten fast jeden Tag.»

Gaëtan Haas gehörte neben dem dominanten Ebbett zu den auffälligsten Akteuren auf dem Eis. Als er 30 Sekunden vor Ablauf der Zeit den Puck ins verlassene Langnauer Tor spediert hatte, versuchte er gar nicht erst, seine Erleichterung zu verbergen. «Ich hätte schon vorher treffen sollen. Chancen hatte ich mehr als genug.»

Der Center lobte aber auch Tigers-Keeper Ivars Punnenovs, dem tolle Paraden gelungen seien. «Hinten spielten wir zweimal solid, doch vorne schossen wir zu wenig Tore. Wir müssen unsere Möglichkeiten besser ausnutzen», bilanziert Haas. Verbesserungspotenzial ortet er zudem beim Forechecking und vor allem beim Powerplay. «Wir müssen in Überzahl unbedingt flüssiger spielen.»

Jalonen weist trotz seiner Zufriedenheit über die Auftritte gegen die Lions und Tigers darauf hin, dass noch viel Arbeit auf das Team wartet. Die Resultate stimmen schon, obwohl noch viel Steigerungspotenzial besteht – das sind durchaus schöne Aussichten für den SCB und seine zahlreichen Fans.

Berner Zeitung

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