SCB: Langer Steigerungslauf bis zum Tief zur Unzeit

Der SC Bern hat die Saison 2014/2015 schlecht begonnen und schlecht beendet. Dazwischen zeigte die Mannschaft Guy Bouchers oft erfreuliche Leistungen.

Der emotionale Höhepunkt: Nach dem 3:1-Sieg im Cupfinal gegen die Kloten Flyers halten die Berner einen Pokal in den Händen.

Der emotionale Höhepunkt: Nach dem 3:1-Sieg im Cupfinal gegen die Kloten Flyers halten die Berner einen Pokal in den Händen.

(Bild: Andreas Blatter)

Adrian Ruch

Nach der frustrierenden Saison 2013/2014 mit der Teilnahme an der Relegationsrunde wurde die Mannschaft des SC Bern erneuert. «Mehr Qualität und mehr Charakter» lautete das Motto für die Einkaufstour auf dem Transfermarkt. Zudem legte Cheftrainer Guy Boucher die Messlatte bezüglich Fitness und Disziplin höher. Nach dem Sommertraining wiesen alle SCB-Spieler einen Körperfettanteil von unter 11 Prozent auf, und Konditionstrainer Roland Fuchs durfte zufrieden feststellen: «Die Mannschaft ist physisch stärker geworden.»

Vorerst konnte die gute körperliche Verfassung nicht in gute Leistungen auf dem Eis umgewandelt werden. In der Champions Hockey League wurde der SCB auf den Boden der Realität geholt – 5 Punkte aus 6 Partien reichten nur zum letzten Gruppenplatz. In der Hälfte der Partien schossen die Berner keinen Treffer. Sportchef Sven Leuenberger beschönigte damals nichts, sprach von einem enttäuschenden Resultat und sagte: «Wir geben immer wieder Spiele aus der Hand. Das ist ein Problem, für das die Mannschaft bald eine Lösung finden muss.»

Frohe Weihnachten

Das gelang im Oktober. Die Equipe fand ihre Form, reihte in der NLA 8 Siege aneinander und sich damit unter den Spitzenteams ein. Das Team von Guy Boucher wirkte nun sehr stabil. Einzig gegen die schnellen Zuger und Davoser bekundete es zuweilen einige Schwierigkeiten. Das beste und attraktivste Eishockey spielte der SCB im Dezember. Während des hochklassigen Duells mit den ZSC Lions entrollten die begeisterten Anhänger in der Postfinance-Arena am Tag vor Heiligabend ein Transparent mit der Botschaft: «Frohes Fest, guter Rutsch, Vollgas weiter.» Der 3:1-Erfolg gegen den Meister war der siebte in Folge – der SC Bern feierte Silvester als Leader.

Am 11.Februar wurde der SCB im ausverkauften Heimstadion durch einen verdienten 3:1-Finalsieg über die Kloten Flyers Cupsieger. «Ein Höhepunkt schon vor den Playoffs» titelte diese Zeitung. Über die Bedeutung des nach langem Unterbruch wieder ins Leben gerufenen Wettbewerbs herrscht Uneinigkeit; doch der Weg zum Titel, der via Thun, Lugano und Langnau nach Bern führte, wo im Halbfinal der Meister und letztlich Kloten gebodigt wurden, verdiente Respekt.

Boucher beteiligte sich trotzdem nur zaghaft an den Feierlichkeiten. «Ich fürchte immer die Bequemlichkeit. Man kann nach einem Match kurz feiern, aber am nächsten Tag beginnt alles wieder bei null. In der Minute, in der man loslässt, kann ein Abwärtstrend beginnen, der sich oft nur schwerlich wieder stoppen lässt», erklärte der Kanadier ein paar Tage später.

Kein Schlendrian

Es scheint, als ob Boucher sein Geld auch als Hellseher verdienen könnte. Denn nach einem weiteren Sieg gegen Gottéron begann der Abwärtstrend tatsächlich. Es war nicht so, dass der Schlendrian Einzug gehalten hätte, doch die Berner schienen das Toreschiessen verlernt zu haben.

In den 16 Partien bis zum Saisonende gelangen ihnen nur noch einmal mehr als drei Treffer: im bedeutungslosen letzten Qualifikationsmatch gegen Biel. Weil die Stärken des HC Lausanne fast ausschliesslich in der Defensive liegen, kam der äusserst diszipliniert auftretende SCB im Viertelfinal noch mit einem blauen Auge davon. Gegen Davos war die Ineffizienz dann zu viel des Schlechten: 120:84 Torschüsse, 5:14 Tore.

Erstmals verlor der SCB eine Playoff-Serie mit 0:4; es war ein bitteres Saisonende, zumal die Leistungen in der Qualifikation durchaus zu Hoffnungen Anlass gegeben hatten. Schlüssige Erklärungen für das Versagen im Halbfinal konnte niemand liefern. «Ich glaube immer noch, dass wir das Rezept für den Erfolg gegen Davos gehabt hätten», sagte Philippe Furrer am Dienstagabend in der Vaillant-Arena kopfschüttelnd.

Berner Zeitung

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