Im Dauereinsatz

Am Samstag gegen Gottéron, am Sonntag in Kloten – es geht Schlag auf Schlag für den SC Bern. Vor allem die drei Kanadier haben keine Pause. Das stört die Spieler weniger als Trainer Kari Jalonen und Sportchef Alex Chatelain.

Schwerarbeiter: Andrew Ebbett ist Topskorer und Leaderfigur beim SC Bern – der Kanadier träumt zudem von einer Olympiateilnahme mit Kanada.

Schwerarbeiter: Andrew Ebbett ist Topskorer und Leaderfigur beim SC Bern – der Kanadier träumt zudem von einer Olympiateilnahme mit Kanada.

(Bild: Christian Pfander)

Peter Berger@PeterBerger67

«Ab dem zweiten Drittel hatten wir keine Energie mehr», hat Kari Jalonen nach dem 1:3 am Dienstag bei den ZSC Lions gesagt. Der Finne verwies auf die Reisestrapazen. Für die SCB-Kanadier Andrew Ebbett, Mason Raymond und Maxim Noreau sah dies so aus: Am vergangenen Mittwoch nach dem Spiel der Champions Hockey League mit dem Car zurück nach Bern, dann am Donnerstag Flug nach Helsinki, Freitag und Sonntag Spiel, am Montag retour, am Dienstag dann die Niederlage in Zürich.

«Die Beine sind nicht das Problem, schliesslich haben wir im Sommer in­tensiv trainiert, sagt Ebbett. «Schwieriger ist die mentale Müdigkeit. Um die Batterien aufzuladen, reicht mir ein freier Tag. Den hatten wir am Mittwoch. Jetzt fühle mich schon zehnmal besser als am Dienstag.»

Jalonen ist betreffend Pause indes anderer Ansicht: «Alle Spieler brauchen während der Saison ein paar freie Tage am Stück. Sogar in der NHL wird darauf achtgegeben.» Unterstützung erhält der Cheftrainer von Sportchef Alex Chatelain: «Vier, fünf Tage ohne Druck, ohne Spiele; das muss sein, sonst sind die Spieler irgendwann platt.» Das Problem: Speziell für die Kanadier ist kein Unterbruch in Sicht. Mitte Dezember ist ein Länderturnier in Moskau geplant.

Selbst wenn das SCB-Trio nicht aufgeboten wird, kann es nicht pausieren, weil in dieser Phase das Viertelfinalrückspiel der Champions Hockey League in Schweden gegen Växjö ansteht. In der Altjahrswoche nimmt Kanada dann am Spengler-Cup teil. Werden die Kanadier für diese Partien aufgeboten, muss der SCB seine Akteure freigeben. «Uns sind die Hände gebunden. Wir stehen in Verhandlungen, aber die Kanadier lassen sich nicht in die Karten blicken. Ich weiss momentan nicht, ob unsere Spieler aufgeboten werden», sagt Chatelain.

Für den Sportchef und Jalonen ist die Lage klar: «Eine Pause an Weihnachten wäre ideal.» Darauf angesprochen, lächelt Ebbett: «Wir sind stolz, wenn wir aufgeboten werden. Natürlich kann man auch absagen. Aber dieses Jahr macht das keiner.» Weil die NHL-Profis nicht abgestellt werden, haben die in der KHL und in Europa engagierten Kanadier die einmalige Chance, an Olympischen Spielen teilzunehmen. «Ich habe nie damit gerechnet, diese Möglichkeit zu erhalten. Jetzt könnte der Traum wahr werden, deshalb wird kein Kanadier ein Aufgebot ablehnen», betont Ebbett, der letztes Jahr am Spengler-Cup zum ersten Mal in einem Leibchen mit dem Ahornblatt auflaufen durfte.

Jalonen: «Man muss die Balance finden»

Jalonen versteht die Spieler. Vor seinem Engagement beim SCB coachte der 57-Jährige das finnische Nationalteam. «Ich kenne beide Seiten», sagt er. «Man muss die Balance finden. Als Nationaltrainer habe ich darauf geachtet, dass die Spieler nicht zu oft aufgeboten wurden. Ich habe mich immer mit den Klubtrainern ausgetauscht.»

Die Vertreter von Hockey Kanada suchen indes den Kontakt mit Jalonen nicht. Auch Chatelain muss selber aktiv werden, um Informationen zu erhalten. «Der Austausch mit dem Schweizer Nationalteam ist diesbezüglich ganz anders», hält Chatelain fest. «Es nützt doch niemandem etwas, wenn die Spieler an den Olympischen Spielen müde sind», ergänzt der Sportchef.

Kanadier gefordert – das Trio für das Triple

Die Überlegungen der Kanadier dürften indes sein, dass die Kräfte der Spieler bis zum Turnier im Februar in Südkorea ausreichen. Was danach ist, kümmert sie nicht. Jalonen und Chatelain jedoch umso mehr. Ab März beginnen in der Schweiz die Playoffs. Und da braucht der SCB Ebbett, Noreau und Raymond in Topverfassung. Schliesslich streben die Berner mit dem Kanada-Trio das Triple an.

Berner Zeitung

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