SCB: Ein Höhepunkt schon vor den Playoffs

Der SC Bern schlägt die Kloten Flyers im Cupfinal 3:1. Die Tore für das Team Guy Bouchers haben Bud Holloway, Simon Moser und Tristan Scherwey geschossen.

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Adrian Ruch

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg zum Torerfolg. Das demonstrierten gestern Abend zu Beginn des zweiten Drittels im ersten Eishockey-Cupfinal seit 43 Jahren Byron Ritchie und Tristan Scherwey. Zuerst war der kanadische Center des SC Bern als Schnellster am Puck, obwohl er selber zuvor aus der Distanz Klotens Goalie Martin Gerber geprüft hatte. Von der Vorarbeit, die zwei Assistpunkte verdient hätte, profitierte Simon Moser, indem er den zweiten Abpraller verwertete.

Kurz darauf checkte Flügel Scherwey hinter dem Gehäuse der Gäste Gian-Andrea Randegger vehement, eroberte wenige Augenblicke danach mit einem Energieanfall die Scheibe und spedierte sie in die Gefahrenzone, wo sie von Unglücksrabe Randegger ins eigene Tor abgelenkt wurde. Innert 53 Sekunden war für die favorisierten Berner aus der 1:0-Führung ein 3:0-Vorsprung geworden. Am Ende gewannen sie verdient 3:1. «Die Erleichterung ist riesig», meinte Verteidiger Beat Gerber, «wir haben ein grosses Ziel erreicht.»

Arge Probleme hatten die Kloten Flyers schon vor dem ersten Bully bekundet.Aufgrund eines Unfalls, in den der Mannschaftscar nicht verwickelt war, mussten die Spieler das Fahrzeug verlassen. Nach einer längeren Pause – der Bus musste rückwärts aus dem Gubrist-Tunnel manövriert werden – ging die Fahrt Richtung Bundesstadt weiter, wobei die Zürcher in der Schlussphase von einer Polizeieskorte profitierten. Trotzdem befanden sich die SCB-Akteure längst am Einlaufen, als ein kurzes, aber heftiges Pfeifkonzert die Ankunft der Klotener ankündete. Letztlich wurde der Puck in der ausverkauften Postfinance-Arena mit rund 15 Minuten Verspätung eingeworfen.

Der Cupfinal ist nicht der Playoff-Final, aber auch kein gewöhnliches Meisterschaftsspiel.Vor dem Match ertönte die Nationalhymne, zu deren Klängen die Akteure den silbernen Pokal bestaunen konnten. Und die SCB-Fans würdigten den speziellen Anlass mit einer Choreografie. «Auf gehts, holt den Pokal», lautete übersetzt die Botschaft.

Die besondere Affiche setzte offenbar viel Adrenalin frei. Die Partie begann nach dem Motto «Achtung, fertig, los». Gerber, Emmentaler im Klotener Tor, musste schon nach zehn Sekunden zum ersten Mal eingreifen. Und gleich von Beginn weg versuchten beide Mannschaften, mit kernigen Checks das Territorium zu markieren. Spektakulär war die Aktion in der 7.Minute, als der Amerikaner Peter Mueller nach einer harten Körpercharge Beat Gerbers den Helm verlor.

Danach liess die Intensität freilich nach. Beide Mannschaften wirkten nervös, schöne Spielzüge gab es kaum zu sehen. Nach exakt 18:30 weckte Bud Holloway die Partie aus dem Dornröschenschlaf: Nach einem Bully-Gewinn von Martin Plüss traf der SCB-Kanadier mit einem sehenswerten Direktschuss präzis in die weite Ecke.

Nach dem eingangs beschriebenen Doppelschlag stimmten die Anhänger der Berner bereits Fangesänge an. Eine Reaktion der Zürcher blieb vorerst aus, obwohl der SCB nach dem 3:0 das Tempo gedrosselt hatte. Es schien, als wollten die Besucher Kräfte sparen. Schon am Freitag bestreiten sie gegen den EHC Biel im Kampf um die Playoff-Teilnahme so etwas wie ein Spiel der letzten Chance.

Im dritten Abschnitt entschied die Mannschaft Sean Simpsons doch noch, sich gegen die Niederlage aufzulehnen. Der Ehrentreffer von Robin Leone war deshalb verdient. Doch der Favorit schaltete sofort wieder einen Gang höher und erarbeitete sich in der Folge zahlreiche Chancen. Zuweilen waren im Stadion «Allez, super SCB»-Rufe zu hören. Doch super respektive brillant musste die Mannschaft Guy Bouchers gestern nicht spielen, eine konzentrierte solide Leistung reichte zum Cupsieg.

Nach der Schlusssirene flogen Helme, Stöcke und Handschuhe in die Luft.Und flugs wurde für die Pokalübergabe eine Tribüne aufgebaut, während aus den Lautsprechern «Tage wie diese» von der Punkrock-Band «Die Toten Hosen» erklang. Weil Martin Plüss von Boucher im Vorfeld des Cupfinals zum neuen Monatscaptain bestimmt worden war, durfte der Zürcher in Berner Diensten die Trophäe in Empfang nehmen.

«Diesen Pokal kann uns niemand mehr nehmen», meinte Scherwey strahlend. Es war fast wie nach einem entscheidenden Playoff-Final – aber eben nur fast. Denn am Freitag geht für den SCB gegen Gottéron die Meisterschaft weiter. «Wir geniessen diesen Erfolg kurz, aber richtig feiern werden wir nicht», sagte Scherwey. Und Beat Gerber gab zu: «Es ist ein spezielles Gefühl, einen Titel zu holen und gleich wieder spielen zu müssen.»

Berner Zeitung

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