Waadtländer feiern – Flyers hoffen

Trotz eines 0:3 qualifizierte sich der Lausanne HC fürs Playoff, das für Kloten wieder näher rückt.

Die Klotener Führung: Denis Hollenstein bezwingt seelenruhig in Unterzahl Lausannes Goalie Cristobal Huet.

Die Klotener Führung: Denis Hollenstein bezwingt seelenruhig in Unterzahl Lausannes Goalie Cristobal Huet.

(Bild: Keystone)

Philipp Muschg@tagesanzeiger

Jubel beim Verlierer, Freude beim Sieger: Dieses seltene Bild bot sich gestern kurz vor zehn in der Patinoire de Malley. Der LHC hatte gegen Kloten ein 0:3 kassiert, hatte 2015 sein zweites Heimspiel verloren. Doch was machte das schon? Weil Fribourg gleichzeitig dem EVZ unterlag, sicherte sich der Aufsteiger von 2013 zum zweiten Mal in Folge die Playoff-Qualifikation.

Und so sangen, klatschten und trommelten die Waadtländer Fans einen Abend lang losgelöst vom Geschehen im Rink, das ihnen nicht gefallen durfte. Die Gäste aus Zürich hatten mehr Spielanteile, mehr Schüsse, mehr Spielkultur. Sie fügten der Mannschaft von Heinz Ehlers die Demütigung eines Shorthanders der denkwürdigen Art zu, als Hollenstein beim Forechecking einfach so lange vor Huet stehen blieb, bis ihn alle Gegner allein gelassen hatten. Von Guntens Pass aber fand ihn, der Nationalstürmer stellte auf 1:0.

Lausannes Reaktion überzeugte nicht. Die Angriffe wurden wilder, die Spieler verloren schneller das Gleichgewicht, reklamierten, und als die Schiedsrichter die Strafen nicht wie gewünscht aussprachen, regnete es von den Tribünen Gegenstände und Schmährufe.

Shutout für Gerber

An den Kräfteverhältnissen änderte all das nichts. Mit einem makellosen Goalie Gerber als Rückhalt spielten die Flyers eine starke Auswärtspartie, die vor allem eine Frage offen liess: Wie konnte dieses Team in der Tabelle so weit abrutschen? War es der Druck, den sie nach der ins Minime gesunkenen Chance aufs Playoff nun nicht mehr spürten?

Für einmal gab es nämlich keinen Einbruch nervöser Klotener, sondern klare Spielzüge und zielgerichtetes Körperspiel. Wie selbstverständlich liess Casutt dem 1:0 im Nachsetzen das 2:0 folgen (43.), schliesslich gelang Hollenstein nach schöner Kombination auch noch ein Powerplay-Treffer (53.). Wie selbstverständlich kam Gerber zum Shutout – es war, im 46. Spiel, Klotens erster der Saison.

So setzte sich deutlich jene Mannschaft durch, die über mehr individuelle Klasse verfügte und das auch zeigte. Die grippe- und verletzungsgeschwächten Lausanner – ihr vierter Sturm bestand aus lauter Verteidigern – hatten dem wenig entgegenzusetzen. Weil nicht nur Fribourg, sondern auch Biel im Sinn der Flyers spielte, konnten die Klotener auch noch etwas hoffnungsvoller auf die Heimreise gehen, als sie die Hinfahrt bewältigt hatten. Gegenüber Biel müssen sie in den letzten vier Partien 7 Punkte gutmachen, damit es noch fürs Playoff reicht, und gegen Fribourg steht noch eine Direktbegegnung auf dem Programm. Eine Verstärkung fürs Finale verspricht dabei Ville Leino zu werden. Der spielstarke Finne zeigte nach langer Anreise an der Seite von Bodenmann und Bieber mehrere starke Szenen.

Lausanne - Kloten Flyers 0:3 (0:1, 0:0, 0:2) 6854 Zuschauer. - SR Mollard/Stricker, Progin/Wüst. - Tore: 16. Hollenstein (von Gunten, Mueller/Ausschluss Liniger!) 0:1. 43. Casutt (Vandermeer) 0:2. 53. Hollenstein (Mueller, Guggisberg/Ausschluss Jannik Fischer) 0:3. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Lausanne, 2mal 2 Minuten gegen Kloten. - PostFinance-Topskorer: Louhivaara; Guggisberg. Lausanne: Huet; Gobbi, Leeger; Jannik Fischer, Stalder; Rytz, Genazzi; Neuenschwander, Froidevaux, Herren; Louhivaara, Miéville, Pesonen; Antonietti, Genoway; Déruns; Nodari, Seydoux, Lardi. Kloten Flyers: Gerber; DuPont, Vandermeer; von Gunten, Back; Frick, Schelling; Randegger; Guggisberg, Mueller, Hollenstein; Bieber, Leino, Bodenmann; Stancescu, Liniger, Leone; Bühler, Kellenberger, Casutt; Praplan. Bemerkungen: Lausanne ohne Hytönen, Augsburger, Bang, Simon Fischer, Savary (alle verletzt), Conz und Ulmann (beide krank), Kloten ohne Jenni, Stoop, Lemm, Andersson, Santala und Murray (alle verletzt). Pfostenschuss Back (35.).

SonntagsZeitung

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