Produzieren geht über Studieren

Vor den letzten drei Partien der Regular Season – heute und morgen gegen Lugano, am Dienstag in Biel – liegt für den SCB der Qualifikationssieg nicht im Fokus. «Es geht darum, die mentale Frische wieder herzustellen», sagt Sportchef Sven Leuenberger.

Kein Vorbeikommen: Am Dienstag blieben die Spieler des SC Bern (Nummer 21: Simon Moser) gegen Lausanne (im Bild: Verteidiger Larri Leeger und Torhüter Pascal Caminada) ohne Torerfolg. Laut Sportchef Sven Leuenberger basiert die Abschlussschwäche auf fehlender mentaler Frische.

Kein Vorbeikommen: Am Dienstag blieben die Spieler des SC Bern (Nummer 21: Simon Moser) gegen Lausanne (im Bild: Verteidiger Larri Leeger und Torhüter Pascal Caminada) ohne Torerfolg. Laut Sportchef Sven Leuenberger basiert die Abschlussschwäche auf fehlender mentaler Frische.

(Bild: Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

Fabian Cancellara fährt beim SC Bern mit – nicht in der Realität, aber zumindest in den Gedanken. Jedenfalls zieht Sven Leuenberger das Beispiel des Radprofis aus Ittigen herbei, um die durchschnittlichen Leistungen der Berner Eishockeyaner in den letzten Partien zu erklären: «Wenn Cancellara einen WM-Titel gewinnt, wird er danach mit grosser Wahrscheinlichkeit in die Ferien reisen, eine Pause einlegen, sich erholen.»

Der Sportchef des SC Bern zielt auf den Fakt ab, wonach die Spieler von Guy Boucher nach dem Gewinn des Schweizer Cups den Fokus unverzüglich wieder auf die Meisterschaft legen mussten und innert sechs Tagen vier Partien bestritten. «Wenn du dich voll auf ein Ziel konzentrierst, diesen Peak tatsächlich erreichst, dann braucht der Körper im Anschluss Erholung – physisch wie mental», sagt Leuenberger. Diese Pause hatten die Berner nicht.

Der Cupfinal sei für die Spieler von hoher Bedeutung gewesen, «ein grosses Ding», wie der 45-Jährige sagt. Dass die Equipe unmittelbar nach dem Triumph den Qualifikationssieg als nächstes Ziel proklamiert habe, sei womöglich ein Fehler gewesen. «Zuletzt hat den Spielern die mentale Frische gefehlt. Wir können nicht einem Ziel nach dem anderen hinterherjagen, müssen vor den Playoffs noch etwas runterkommen.»

Effizienz und Präzision

Die Absenz der Frische offenbarte sich in erster Linie im Offensivertrag. In den drei Meisterschaftspartien im Februar hat der SCB nur fünf Treffer erzielt und vorab bei der Effizienz gesündigt. Die Berner sind hinter Davos mit fast 12 Prozent Schusserfolgsquote die zweiteffizienteste NLA-Equipe. In den Begegnungen nach dem Cupfinal fanden aber weniger als 7 Prozent der Abschlüsse den Weg ins Ziel.

Die Torflaute kommt zur Unzeit, soll aber nicht mehr als eine Momentaufnahme sein. «Die fehlenden Tore machen uns nicht nervös. Bist du mental müde, fehlen die Konsequenz im Abschluss und die Präzision im Powerplay, das ist normal», sagt Leuenberger. Seit der Länderspielpause liess Bouchers Team – es stellt die stärkste Überzahlformation der Liga – 16 Zweiminutenstrafen der Gegner ungenutzt.

Back-to-back gegen Lugano

In den verbleibenden drei Partien der Regular Season – Bern tritt heute (auswärts) und morgen gegen Lugano und am Dienstag in Biel an – wird es laut Leuenberger darum gehen, «dass die Jungs wieder zu ihrem Spiel finden und Selbstvertrauen aufbauen». Natürlich sei der Qualifikationssieg für den Klub ein Thema, er werde aber nicht um jeden Preis angestrebt. «Hätte uns jemand vor neun Monaten angeboten, dass wir Mitte Februar bereits einen Titel auf sicher haben und den zweiten NLA-Platz belegen, hätten wir unterschrieben.»

Spielgelegenheit für Schaefer

Zum Aspekt des Selbstvertrauenaufbauens zählt, dass Ersatzkeeper Nolan Schaefer nach überstandener Leistenverletzung vor dem Playoff-Auftakt – mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wird der Viertelfinalgegner Lausanne oder Biel heissen – noch ein, zwei Einsatzmöglichkeiten erhalten wird. Und gewiss käme den Bernern zupass, wenn sie bis zum 28.Februar die Torflaute beendet hätten. Leuenberger gibt das Motto vor: «Auf die eigenen Stärken besinnen, frisch und unverkrampft ans Werk gehen, Spannung für die Playoffs aufbauen.» Oder um ein sanft angepasstes Sprichwort zu erwähnen: Toreproduzieren geht über Studieren.

Duell um den Qualifikationssieg - Das Restprogramm: ZSC Lions (93 Punkte): Davos (away), Rapperswil-Jona (home), Lugano (h). – SC Bern (93 Punkte): Lugano (a), Lugano (h), Biel (a). – Bei Punktgleichheit entscheidet die Tordifferenz, weil Bern und Zürich je zwei Direktbegegnungen gewonnen haben.

Berner Zeitung

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