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Premiere für Leonardo Genoni

Der 21-Jährige vom HC Davos kommt heute am Deutschland-Cup zu seiner Premiere als Schweizer Nationalgoalie.

Leonardo Genoni erkämpfte sich letzte Saison als jüngster Goalie der Liga einen Stammplatz beim HC Davos und wurde danach zum «Aufsteiger des Jahres» erkoren. Nun steht der Kilchberger vor seiner Premiere im Nationalteam beim Deutschland-Cup, der heute Freitag in Mannheim mit dem Prestigeduell gegen die Deutschen beginnt.

«Nein, an eine solche Entwicklung habe ich nicht einmal am Ende des ersten Jahres beim HCD gedacht», sagt Genoni, der zusammen mit Ronnie Rüeger im Tor den ersten Block an Testspielen bestreitet. Nationalcoach Ralph Krueger informierte ihn beim traditionellen Fototermin des Verbandes in Bern vor einigen Wochen, dass er mit einem Aufgebot rechnen könne.

Nach dem Ausfall von Ambris Thomas Bäumle für den Rest der Spielzeit ist für die zweite Phase der Vorbereitung auf die Heim-WM vorerst nur Marco Bührer gesetzt. Mit den in der NHL engagierten Goalies (Gerber, Hiller, Stephan) kann Krueger ohnehin nicht planen. Im letzten Frühling bestritten Martin Gerber und Jonas Hiller das kanadische WM-Turnier, weil ihre Teams Ottawa und Anaheim überraschend in der ersten Playoffrunde ausgeschieden waren. Die gleiche Konstellation wird es nicht immer geben.

Stärker in der Körpersprache

Genoni mag nicht so weit vorausschauen. «Ich hoffe vorerst einmal, dass ich in Deutschland spielen kann», sagt er. Im HCD hat er von Arno Del Curto den Status als Nummer 1 vor Reto Berra deutlich früher als in der Rookie-Saison erhalten. Die beiden gleichaltrigen Zürcher spielen seit dem Novizen-Alter in der gleichen Organisation - zuerst bei den GCK Lions, dann im HCD und dazwischen auch in der U-20-Auswahl. Phasenweise gab es innerhalb der Klubs fast Glaubenskriege von zwei Lagern über die Frage, wessen Talent denn nun grösser sei. Im Junioren-Nationalteam erhielt Berra bei der WM den Vorzug, in Davos hat sich der ruhige und besonnen wirkende Genoni durchgesetzt.

Weil jeder Goalie eigentlich am liebsten immer und überall spielen würde, macht ihm die zusätzliche Belastung nichts aus. «Ich kenne das eigene Team besser, aber auch den Stil der Gegner.» Er denkt, dass er vor allem im Bereich der Körpersprache auf dem Eis stärker geworden ist. Das hat auch mit der akribischen Arbeit von Goalietrainer Marcel Kull zu tun, der vor dem Duo Genoni/Berra schon Hiller und Bäumle bei ihrer Entwicklung an die Spitze der Hierarchie begleitet hatte.

Das Vertrauen des HCD honoriert

Bei Rüeger, der mit seinem Lapsus Davos in der Runde vor der Pause den Sieg ermöglicht hatte, konstatierte er in dieser Woche mit dem Nationalteam die Routine und die Gelassenheit, mit einem solchen Fehler umzugehen. «Ich weiss, dass mir solches früher oder später auch passieren wird», sagt er, «solange du als Goalie Tore kassierst, kannst du dich verbessern.» Das tönt schon sehr abgeklärt.

So weit wie Hiller, der immerhin in drei Jahren zwei Titel gewann, ist Genoni trotzdem noch nicht. Aber die Richtung könnte stimmen. Deshalb hat er den Vertrag bereits jetzt um zwei Jahre verlängert, während sich Berra im Frühling wohl anderweitig orientieren wird. Genoni honorierte damit auch das Vertrauen, das man ihm vor mehr als einem Jahr beim HCD geschenkt hat. Denn Anfragen aus dem Unterland hatte es durchaus gegeben.

Im Gegensatz zu Hiller oder manchem Berufskollegen träumt Genoni in seiner Davoser Wohnung, die er mit dem Zürcher Verteidiger Andreas Furrer teilt, nicht von der NHL, sondern von einem Studium. Eishockey allein genügt auch im Kurort nicht zum Leben. Er klärt zurzeit ab, welche Fächer er in einem Fernstudium belegen soll.

Er schliesst aber aus, dass er schulisch den gleichen Weg wie der Vater oder der ältere Bruder verfolgt. «Wir decken in unserer Familie alle Facetten ab», scherzt er. Michele Genoni ist Professor und Leiter der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie am Triemlispital, dazu als gebürtiger Tessiner Anhänger von Ambri-Piotta, wenn nicht gerade sein Sohn beim Gegner im Tor steht. Gaetano Genoni stürmt bei den GCK Lions und studiert Jura. Und der jüngste Genoni, Tiziano, besucht seit kurzem die Sportmittelschule in Davos und verteidigt bei den HCD-Junioren. Damit ist die «Hockey-Mom» Lilo Genoni von den Pflichten als Chauffeuse für ihre Sprösslinge entlastet.

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