Eine Frage von Kleinigkeiten

Die SCL Tigers gewinnen das Derby gegen den SC Bern dank Effizienz und Harri Pesonen mit 3:1.

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In der zweiten Pause wird auf dem Videowürfel in der Ilfishalle ein Pleiten-Pech-und-Pannen-Filmchen eingespielt. Der Schadenfreudige kann sich beispielsweise am Reckturner ergötzen, der neben der Matte landet.

Auf dem Eis halten sich die Missgeschicke in Grenzen. So entscheiden im Derby zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern nicht die groben Fehler, sondern einerseits zwei Geniestreiche Harri Pesonens und andererseits die «kleinen Details», wie es im Eishockey so oft heisst.

Die Einheimischen setzen sich gegen den Favoriten aus der Hauptstadt am Ende mit 3:1 durch und sorgen in der ausverkauften Arena für eine feierliche Stimmung. Siege gegen den Kantonsrivalen schmecken ganz besonders süss, auch wenn SCL-Captain Pascal Berger die entsprechende Suggestivfrage so beantwortet: «Es ist immer schön, wenn man ein Topteam schlagen kann, aber grundsätzlich macht jeder Sieg gleich viel Freude – und gibt gleich viele Punkte.»

Justin Krueger spricht am Ende in den Katakomben von einem «hart umkämpften Spiel mit guten Chancen auf beiden Seiten». Und der SCB-Verteidiger fügt an: «Uns fehlte eine Kleinigkeit. Einerseits war die Chancenauswertung nicht gut genug, andererseits liessen wir hinten die eine oder andere Chance zu viel zu. Und wenn uns eine Kleinigkeit fehlt, können die Tigers uns schlagen; sie haben auch eine gute Mannschaft.»

Pesonens Geniestreiche

Die Emmentaler waren nicht besser, und doch hat Pascal Berger recht, wenn er festhält, der Sieg sei bestimmt nicht gestohlen. Der SCB war zwar mehr im Scheibenbesitz und länger in der Offensivzone, aber gefährlicher war er deswegen nicht. Nicht weniger als 69 Schüsse und damit 31 mehr als die Gastgeber feuerten die Besucher ab, doch nur 25 Scheiben fanden den Weg aufs von Damiano Ciaccio hervorragend gehütete SCL-Tor.

Die leidenschaftlich kämpfenden Tigers blockten 26 Pucks, die Mutzen nur deren 9. In der 31. Minute stand Anthony Huguenin mit dem Rücken zum Tor an der blauen Linie; obwohl sich der SCL-Verteidiger vor der Schussabgabe drehen musste, war kein Berner zur Stelle, um die Scheibe abzuwehren. So lenkte sie Pesonen für Leonardo Genoni unhaltbar zum 2:0 ab. SCB-Coach Kari Jalonen, dem Assistent Mikko Haapakoski seit dem vergangenen Mittwoch wegen eines Handbruchs nicht zur Verfügung steht, nennt am Ende als Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Leistung seines Ensembles die drei Partien innert vier Tagen.

«Wir bezahlten den Preis für den Match in der Champions League gegen Salzburg. Etliche Spieler brachten nicht die Energie auf, die wir benötigen, damit wir unser bestes Eishockey zeigen können. Aber ich muss den Langnauern gratulieren; sie spielten gut und verdienten den Sieg.»

Wenn der Kräftespeicher nicht ganz gefüllt ist, dann mag es Undiszipliniertheiten nicht leiden. Doch Thomas Rüfenacht beleidigte in der 17. Minute die Unparteiischen, nachdem sie eine Strafe gegen Simon Moser ausgesprochen hatten. Die Folge: Die Langnauer konnten mit zwei Mann mehr agieren, Pesonen bediente mit einem brillanten Querpass Raphael Kuonen – 1:0.

«Jeder weiss, dass es eine unnötige Strafe war», sagt Jalonen. Für die Entscheidung sorgte Pesonen mit seinem zweiten Geniestreich, indem der Finne bei einem Konterangriff nach einem Pass Chris DiDomenicos die tückisch springende Scheibe direkt versenkte.

«Gibt man derartigen Spielern etwas zu viel Zeit, können sie kreativ sein. Pesonen nutzte seine Chancen. Man muss ihm auf dem ganzen Feld den Platz wegnehmen, das ist uns diesmal leider nicht immer gelungen», urteilt Krueger.

Verfahren gegen Arcobello

Im ersten Derby hatte der SCB 3:0 reüssiert. «Die Langnauer haben sich seither verbessert. Auch wir müssen immer besser werden; es reicht nicht, gleich gut zu bleiben», stellt Krueger fest. Pascal Berger beschreibt den Unterschied so: «Wir waren diesmal effizienter, doch bereits in Bern hatten wir eine gute Leistung gezeigt. Aber wenn Bern seine ganze Klasse ausspielt, ist es extrem schwierig zu bestehen. Heute haben wir ein paar Lücken gefunden und sie eiskalt ausgenutzt.»

Auf den SCB könnte nach der Niederlage noch weiteres Ungemach zukommen: Gegen US-Stürmer Mark Arcobello läuft ein Verfahren, weil er Alexei Dostoinov am Kopf traf, wonach dieser ausfiel. Ganz ohne Pannen geht es halt doch nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.10.2018, 21:36 Uhr

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