Bern steht am Abgrund, Biel vor der Premiere

Die Seeländer gewinnen überraschend 2:0 in Bern. Am Samstag können sie sich zum ersten Mal für den Playoff-Final qualifizieren.

Jonas Hiller reagierte auf den Fauxpas im letzten Spiel und zeigte eine hervorragende Leistung. Foto: Christian Pfander

Jonas Hiller reagierte auf den Fauxpas im letzten Spiel und zeigte eine hervorragende Leistung. Foto: Christian Pfander

Reto Kirchhofer@rek_81

Eigentlich hätte das Kurzzeitgedächtnis für den SC Bern Warnung genug sein sollen – und falls nicht, war da noch das Wetter.

Ja, der SCB hatte die Bieler zuletzt 6:2 und 5:2 besiegt, angriffig statt abwartend gespielt, stabil statt verunsichert gewirkt, die Halbfinal-Serie von 0:2 auf 2:2 gestellt. Und so schien es für den fünften Match realistischerweise nur einen Sieger zu geben: Bern.

Aber eben, da war dieser Viertelfinal zwischen dem SCB und Genf, bei dem regelmässig das Unerwartete eintraf. Und da war noch Frau Holle, die ihre Kissen gestern derart heftig schüttelte, als wollte sie den Beteiligten aufzeigen: Wenn der Winter im April sein Comeback geben kann, dann können das die Bieler im Halbfinal erst recht. 60 Spielminuten später lässt sich festhalten: Frau Holles Aktion war eher ein Weiss-Machen denn ein Weismachen – die Bieler sind tatsächlich in die Serie zurückgekehrt. Und wie. Sie führen nach dem 2:0 in Bern mit 3:2-Siegen und stehen vor dem Coup.

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Aber war es wirklich ein «gestohlener Sieg» der Gäste, wie es SCB-Verteidiger Ramon Untersander nach der Begegnung formulierte? Vielleicht passt der Begriff «glückhaft» besser. Doch unverdient war der Erfolg nicht. Die Bieler hatten in der Startphase Vorteile. Sie beschäftigten die Stadtberner über weite Strecken in deren Zone, liessen Puck und Gegner laufen, kamen zu Chancen. Michael Hügli und Marco Maurer scheiterten an Leonardo Genoni, der ins Team zurückgekehrte Kanadier Marc-Antoine Pouliot am Pfosten. Pouliot war zuvor an der Bande in SCB-Verteidiger Yanik Burren gesprungen – der Youngster konnte nach Kopfschmerzen ab dem Mitteldrittel wieder mittun.

Dreimal Pfosten innert vier Minuten

Dass der SCB fortan besser in die Partie fand, hatte auch mit Julian Schmutz zu tun. Der Bieler Flügel gibt im Halbfinal auf wie neben dem Eis den Antreiber. Gegen Matthias Bieber ging Schmutz mit dem Stock aber übermotiviert zu Werk. Er traf Bieber im Gesicht, der SCB im fälligen Powerplay innerhalb von vier Minuten gleich dreimal (!) die Torumrandung.

Biel konnte also mit viel Glück einen Gegentreffer verhindern – und ging einen Moment später in Führung. Thomas Rüfenacht legte sich die Scheibe zu weit vor, Kevin Fey übernahm, Robbie Earl vollendete. Der Gast überstand ein weiteres Unterzahlspiel (Toni Rajala hatte Simon Moser im übrigen nicht im Gesicht getroffen, sondern an der Schulter). Das ist deshalb erwähnenswert, weil die Boxplay-Erfolgsquote der Seeländer im Playoff vor dem fünften Halbfinalspiel miserable 50 Prozent betragen hatte.

Kein volles Haus

Bern tat sich auch im letzten Drittel schwer damit, vors Tor zu kommen. Die Offensive wirkte irgendwie stumpf, uninspiriert. Und Biels Keeper Jonas Hiller reagierte auf seinen Fauxpas im letzten Spiel, wie es sich für einen Top-Goalie gehört: mit einer hervorragenden Leistung. Oder wie es Burren formulierte: «Hiller war sackstark.» Erst in den Schlussminuten konnte sich der Favorit in der Bieler Zone festsetzen. Der Treffer aber gelang Pouliot ins offene Gehäuse.

Nach diesem Rückschlag steht die Mannschaft von Kari Jalonen vor dem Aus. Es erstaunte in Anbetracht der Ausgangslage doch sehr, fehlten dem Auftritt der Stadtberner das Quäntchen Überzeugung und die Emotionen. Die Dringlichkeit schien auch beim Publikum nicht angekommen zu sein. Das vielleicht letzte Heimspiel der Saison war nicht einmal ausverkauft.

Ein volles Stadion wird es am Samstag geben. Die Bieler können zuhause für eine Premiere sorgen, mit einem Sieg zum ersten Mal in der Clubgeschichte den Playoff-Final erreichen. Für sie ist das Zwischentief in den Partien drei und vier dieser Serie definitiv Schnee von gestern.

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