«Oh, jetzt ist er wieder sauer»

Seit zwei Jahren hat Heinz Ehlers bei den SCL Tigers das Sagen. Im Interview gibt sich der 52-jährige Däne zuversichtlich wie selten ­zuvor: «Ich mag, was ich von dieser Mannschaft sehe.»

Heinz Ehlers kann auch lächeln – und er hat mit seinem Team ein klares Ziel: das Playoff.

Heinz Ehlers kann auch lächeln – und er hat mit seinem Team ein klares Ziel: das Playoff. Bild: Christian Pfander

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Sie haben fünf ausländische Stürmer erhalten, dazu mit Rikard Franzén den Assistenztrainer, den Sie wollten. Sind Sie zufrieden?
Heinz Ehlers: Ja, im Moment schon. Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren nicht schlecht. Und ich sehe uns im Vergleich zum letzten Jahr als bessere Mannschaft.

Weil Sie die Spieler erhielten, die Sie wollten?
Ja, ich bin ganz sicher, dass wir uns verstärkt haben.

Mit Franzén haben Sie bereits in Lausanne zusammengearbeitet. Was schätzen Sie an ihm?
Wir kennen uns seit über 25 Jahren, spielten zusammen in Stockholm und sind seither immer in Kontakt geblieben. Er kam dann nach Lausanne, als ich dort in der zweiten Saison Trainer war. Zuvor war er bereits lange Trainer und Assistenztrainer sowie für das Eishockey-Gymnasium von AIK Stockholm verantwortlich gewesen. In Lausanne sah ich schnell, dass er unsere Verteidiger besser machte, weil er ein gutes Auge dafür hat. Deshalb wollte ich ihn unbedingt.

Seit Oktober 2016 sind Sie nun Tigers-Coach. Was ist die markanteste Veränderung seit Ihrer Ankunft?
Es tönt vielleicht etwas hart: Aber die Leistungs- und Trainingskultur ist deutlich besser geworden. Und diese Dinge müssen in unserer Situation ohne grosses Budget einfach in Ordnung sein.

Dann gibt es keinen Spieler mehr, der im Training vor Ihnen das Eis verlässt?
(lächelt) Ich weiss nicht, wie es vor mir war. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich mag, was ich von dieser Mannschaft sehe.

Ist es das beste Team, das Sie seit Ihrem Wechsel zu den SCL Tigers betreuen können?
Ja, das würde ich schon sagen.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer Mannschaft in den Vorbereitungsspielen gewonnen?
Vergleiche ich es mit der Situation vor zwei Jahren, sind wir physisch deutlich besser geworden. In den meisten Testspielen waren wir im letzten Drittel die bessere Mannschaft, was zeigt, dass die Jungs in einer guten Form sind. Das freut mich.

«Ich glaube an ­diesen Konkurrenzkampf, auch wenn deshalb nicht immer alle  zufrieden sind.»

Wurde im Sommer anders ­gearbeitet?
Vielleicht. Nik (Konditionstrainer Nik Hess, Anm. der Red.) und ich reden generell viel darüber. Er sagte mir, dass es immer noch Potenzial gebe, aber die Mannschaft eine grosse Steigerung gemacht habe. Hinzu kommt, dass wir Spieler holten, die vielleicht ehrgeiziger sind, genau wissen, was ich möchte.

Die SCL Tigers werden mit fünf ausländischen Stürmern in die Saison starten: So viel offensive Feuerkraft gab es im Emmental noch nie . . .
In meiner letzten Saison in Lausanne waren wir nach 50 Runden punktgleich mit Bern, das sich dann für das Playoff qualifizierte und Meister wurde. Ich sage nicht, dass wir Meister geworden wären. Aber: Wir hatten in dieser Saison in 21 Spielen nur mit drei Ausländern gespielt, das kostete uns mit Sicherheit Punkte, mit denen wir wahrscheinlich ins Playoff gekommen wären. In unserer Situation in Langnau ist es einfach wichtig, dass wir immer mit vier Ausländern spielen können.

Der wichtigste Zuzug ist Chris DiDomenico. Der Rückkehrer kann ein Spiel in die eine oder andere Richtung entscheiden. Was erwarten Sie von ihm?
Ich finde, er hat in den letzten Monaten in jedem Bereich nochmals einen Schritt vorwärts gemacht. Er muss in jedem Spiel ein Leistungsträger sein und seinen unglaublichen Ehrgeiz weiterhin in die Mannschaft bringen.

Befürchten Sie nicht, dass es ungemütlich werden könnte, sollte DiDomenico einmal zuschauen müssen?
Auch vorher musste er unter mir ein paarmal pausieren. Das hat ihn ganz klar nicht gefreut. Aber ich möchte eigentlich, dass die Spieler sehr unzufrieden sind, wenn sie nicht spielen können. Letzte Saison haben manchmal Spieler wegen schlechter Leistungen zuschauen müssen, und als sie zurückkamen, haben sie zwei Tore geschossen. Ich glaube an diesen Konkurrenzkampf, auch wenn deshalb nicht immer alle zufrieden sind.

Ist es schwierig als Coach, damit umzugehen? Schliesslich sollte die Stimmung in der Garderobe nicht kippen.
Nein. Wir haben übrigens auch einige Schweizer, die nicht in jedem Spiel zum Einsatz kommen werden. Die müssen auch unzufrieden sein, aber sie sollen diese Unzufriedenheit nicht unbedingt zeigen. Es geht nur um Leistung, und ich spiele am liebsten mit den besten Spielern.

Anders als im letzten Jahr ist die Bilanz der Tigers in den Testspielen positiv. Wie wichtig ist das für Sie?
Es ist sehr gut für die Moral. Wobei sie vor zwei Jahren fast alle Freundschaftsspiele gewonnen hatten und dann die ersten neun Meisterschaftsspiele verloren. Vor einem Jahr gewannen wir nur ein Testspiel, hatten deswegen ein schlechtes Gefühl. Dann wirst du als Coach vielleicht etwas ernster, machst jeden Tag Druck, und das kann für die Spieler hart sein, wenn sie schon in der Vorbereitung denken: Oh, jetzt ist er wieder sauer. Und bekanntlich haben wir dann die ersten vier Meisterschaftsspiele verloren, ehe es kippte. Ich möchte, dass wir nun bereit sind, wenn es losgeht.

Was können Sie dafür tun?
Es ist schwierig zu erklären. Die Spieler wissen, dass sie hier unter Druck sind, weil sie einen Trainer haben, der ehrgeizig ist und versucht, jede Partie zu gewinnen. Wir hatten letztes Jahr zum Auftakt auch etwas Pech, verloren zu Hause gegen Zürich unglücklich, es verletzte sich Pascal Berger und im nächsten Training noch Nils Berger. Und dann bist du schon unter Druck, weil zwei Leistungsträger fehlen. Ich hoffe, dass sich keine weiteren Spieler verletzen.

«Es tönt vielleicht etwas hart: Aber die Leistungs- und Trainingskultur ist deutlich besser geworden.»

Letzte Saison haben die SCL ­Tigers das Playoff sehr knapp verpasst. Nun wurde das Team verstärkt. Langnau muss in die Top 8 – einverstanden?
Es ist doch klar, dass wir das unbedingt wollen. Aber jeder weiss auch, dass dafür ein paar grosse Teams eine schlechte Saison einziehen müssen. Wir können nur darauf hoffen, und wir müssen unsere Leistung bringen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Erwartungen im Emmental nochmals gestiegen sind?
Ich denke nicht. Ich glaube, dass die Leute hier allgemein realistisch sind.

Marco Bayer ist vom Assistenzcoach zum Sportchef aufge­stiegen, er ist also jetzt Ihr Chef. Hat sich das Verhältnis zu ihm dadurch verändert?
Nein. Klar sind die Rollen nun etwas anders verteilt. Aber wir arbeiten immer noch eng zusammen, für mich ist es kein Problem.

Sie haben ihm sogar geraten, diesen Job anzunehmen. ­Warum?
Wir kennen uns seit 1993, ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Und letzte Saison merkte ich, dass Marco unglaublich gut organisiert ist, gute Visionen hat. Ich denke, es war wichtig, dass einer diesen Posten übernimmt, der weiss, wie der Club funktioniert. Unser Budget ist nicht so gross, Marco kennt unsere Situation, und er arrangiert sich damit.

Man könnte Ihnen auch Selbstschutz vorwerfen. Schliesslich ist er ein Bekannter von Ihnen, was Ihren Posten etwas sicherer macht . . .
. . . nein, das würde ich nicht so sagen. Ich weiss, dass Marco sehr ehrgeizig ist. Er möchte, dass sich die Mannschaft stetig verbessert. Und wenn das nicht mehr so ist, wird das über den Trainer führen. Er muss seine Arbeit machen, ich meine.

Sie sind nun auch Headcoach der dänischen Nationalmannschaft, was bedeutet Ihnen diese Aufgabe?
Ich hätte wohl lieber noch ein paar Jahre auf dieses Angebot gewartet, weil es vielleicht irgendwann ein bisschen zu viel werden könnte. Dieser Job wird meine Arbeit in Langnau nicht beeinflussen, da ich nur in den Länderspielpausen weg sein werde, wenn die Spieler sowieso frei haben, ich aber künftig nicht mehr. Aber der Verband wollte den Trainer wechseln. Dann war ich die erste Option, und ich dachte mir: Wenn ich diese Chance nicht ergreife, kommt sie vielleicht nie wieder.

In Dänemark ist der Stellenwert des Eishockeys nicht sehr gross. An der WM hat sich aber gezeigt, dass mit guten Leistungen trotzdem eine Euphorie entfacht werden kann. Hat das Ihre Entscheidung beeinflusst?
Nein, überhaupt nicht. Diese WM war wahrscheinlich ein einmaliger Event, es gibt keine Pläne, mittelfristig wieder eine WM in Dänemark durchzuführen.

Was ist Ihr Ziel als National­trainer?
Wir möchten in der A-Gruppe bleiben, das ist schwierig genug. Wir haben letzte Saison mit einer sehr guten Mannschaft elf Punkte geholt und trotzdem den Viertelfinal verpasst, was eigentlich unglaublich ist. Um diesen Viertelfinal zu erreichen, sind wir davon abhängig, dass so viele NHL-Spieler wie möglich zur Verfügung stehen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2018, 12:40 Uhr

SCL Tigers 2018/2019

Hier finden Sie die Kaderliste der Mannschaft von Heinz Ehlers und Assistent Rikard Franzén. (Bild: Keystone Marcel Bieri)

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