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Nur der SCB verteilt Geschenke

Der SC Bern agiert längst nicht mehr so stilsicher wie noch im Dezember. Beim 6:0-Sieg im Spitzenkampf hat der EV Zug die Schwächen der Berner gnadenlos aufgedeckt.

Im Spitzenspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern standen mit Ramon Untersander (wurde 26-jährig), Marco Müller (23), Tobias Stephan (33) und Lino Martschini (24) gleich vier Geburtstagskinder auf dem Eis. Etwas zu feiern haben am Ende ­freilich nur die beiden Vertreter des Gastgebers: Sie dürfen sich über den 6:0-Sieg freuen, EVZ- Top­skorer Martschini zudem noch über drei Tore und Goalie Stephan über seinen siebten Shutout in dieser Saison.

Im ersten Drittel wirkten die Berner, als hätte jeder einzelne kurz vor Matchbeginn einen ganzen Geburtstagskuchen samt Kerzen verspeist. Sie waren be­häbig und unkonzentriert. So kamen die Einheimischen in der ausverkauften Bossard-Arena innert dreier Minuten zu zwei hochkarätigen Chancen, weil sich alle SCB-Feldspieler gleichzeitig auswechseln liessen.

Zu diesem Zeitpunkt stand es freilich schon 2:0. Die Partie ähnelte verdächtig jener vom 11. November 2016, als der EVZ den SCB im ersten Abschnitt ebenfalls an die Wand gespielt, Leonardo Genoni sich aber geweigert hatte, einen Treffer zuzulassen. Diesmal war dem SCB-Keeper weniger Erfolg beschieden. In den ersten fünf Minuten versenkten Martschini und Dominic Lammer den Puck jeweils per Nachschuss.

Kein Time-out

95 Prozent aller Eishockeytrainer hätten aufgrund des frühen 0:2-Rückstands und der krassen Unterlegenheit das Time-out bezogen. Nicht Kari Jalonen. «Ich überlegte es mir kurz, dachte dann aber, dass das Team das Time-out nicht nötig habe», sagt er am Schluss. Der Finne ist ein eigenwilliger Mann. Ins gleiche Kapitel passt, dass er den 20-jährigen Stürmer Dario Meyer weder gegen Ambri noch gegen Zug einsetzte, obwohl beide Partien früh entschieden waren. Wie dem auch sei: Seine Methoden funktionieren oft; Jalonen ist ein Erfolgstrainer.

Pro Spiel ein Gegentor mehr

Am Samstag muss er allerdings mit einer Enttäuschung fertigwerden. Die Mutzen ermöglichten den Zugern im zweiten Drittel, den Vorsprung zu verdoppeln. Zuerst legte der Kanadier Andrew Ebbett für seinen Landsmann David McIntyre pfannenfertig auf – 3:0. Danach schoss Untersander Martschini an der gegnerischen blauen Linie an, worauf dieser loszog und Genoni elegant austrickste – 4:0.

«Wir machten zu viele Fehler, und die Zuger schlugen daraus Kapital. Sie haben die drei Punkte verdient», gibt der SCB-Coach zu. «Wir waren nicht auf dem Niveau, auf dem wir hätten sein sollen. Vielleicht waren die Zuger etwas frischer, weil sie am Freitag nicht gespielt hatten. Aber das soll keine Ausrede sein – ein 6:0 ist ein 6:0.»

Warum seinen Spielern so viele Missgeschicke unterliefen, kann sich Jalonen nicht erklären. Tatsache ist, dass es sich um einen negativen Trend handelt. Der SCB agiert längst nicht mehr so stilsicher und überzeugend wie noch vor Weihnachten. Im Durchschnitt erhält der Meister 2017 pro Partie exakt einen Gegentreffer mehr als vor dem Jahreswechsel.

Es gibt mehrere Gründe für den Leistungsabfall. Der zuvor überragende Genoni ist «nur» noch gut, die Verteidiger leisten sich bei der Angriffsaus­lösung und hinter dem eigenen Tor deutlich mehr Fehler als im November und Dezember, und die Stürmer lassen es häufiger zu, dass die Gegner in hohem Tempo in die Berner Defensivzone eindringen können.

Drei Tore zum Geburtstag

Wegen der sicheren Top-3-Position ist die Schwächephase nicht dramatisch. Doch derzeit macht es den Anschein, als sei der SCB nur noch ein Leader auf Zeit. Martschini sagt in den Katakombender Bossard-Arena etwas, das die Berner an diesem Abend nicht behaupten können: «Wir haben vieles richtig ­gemacht.» Wahrscheinlich hatte der Zuger Wirbelwind vor dem Match alle 24 Kerzen mit einem Atemstoss ausgeblasen, weshalb all seine Wünsche in Erfüllung gingen. «Drei Punkte, drei Tore und Geburtstag – was will ich mehr?»

Für die SCB-Akteure gibt es hingegen nach dem Debakel im Spitzenkampf nur einen Trost: die Erkenntnis, dass nicht im Januar, sondern erst in den am 4. März beginnenden Playoffs abgerechnet wird.

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