Nico Hischiers verzweifelte Suche nach Sieg und Tor

6:7 nach 5:3-Führung. Der Schweizer Stürmer New Jerseys verliert auch bei seinem achten Spiel – auch der erste Treffer bleibt aus.

Schuss, Nachschuss, «Nachnachschuss»: Doch auch hier bleibt Nico Hischiers erstes Saisontor aus.

Schuss, Nachschuss, «Nachnachschuss»: Doch auch hier bleibt Nico Hischiers erstes Saisontor aus.

(Bild: Keystone Frank Franklin II)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

«Es ist schwierig, dazu noch irgendwas zu sagen.» Nico Hischier ist beileibe nicht der einzige Spieler der New Jersey Devils, der nach diesem denkwürdigen Spiel gegen die Tampa Bay Lightning nach Worten ringt. 6:7 nach Verlängerung verlieren die Teufel, und dies, nachdem sie zu Beginn des Schlussdrittels noch das 5:3 erzielen. Doch dann passiert das, was schon so oft passiert ist und was auch beim Schweizer Stürmer nur noch für Kopfschütteln sorgt: «Schon wieder führten wir mit zwei Toren im Schlussdrittel, ohne zu gewinnen.»

Das Spiel im Prudential Center in Newark steht unter dem «Halloween»-Motto, am Ende wird es für die Devils zum Horrorabend.

Die Devils haben nun im Oktober in der Tat etwas unfassbares zustande gebracht. Nicht nur verloren sie fünf ihrer bisher sieben Heimspiele. Nein, bei vier dieser Niederlagen führten sie mit mindestens zwei Toren. Die Ausnahme bildet das 3:4 gegen Edmonton nach Penaltyschiessen: Da führten sie nur mit einem Tor Vorsprung – allerdings mit 3:2 eine Minute vor Schluss … «Was-wäre-wenn-Rechnungen» sind immer so eine Sache, in diesem Falle dürfte sich manch ein Devil derzeit genau das fragen: «Was wäre, wenn …?»

Hischier sucht und findet nach diesem 6:7 gegen Tampa etwas Positives: «Es hätten ja auch null Punkte werden können, es wurde wenigstens einer.» Das stimmt sogar, trotz spät verspielter 5:3-Führung. Denn den 5:6-Rückstand gleichen die Devils durch Kyle Palmieri erst 7,4 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit aus. Es ist der dritte Treffer des Amerikaners, seinen Hattrick feiern die Zuschauer wie in Nordamerika üblich mit dem Werfen von Caps aufs Eisfeld.

Nach dem späten 6:6-Ausgleich der Devils müssen die vielen Caps für Kyle Palmieris Hattrick-Tor vom Eis entfernt werden.

Schon wieder ausgebuht

Ansonsten ist die Beziehung zwischen Devils-Fans und -Spielern mittlerweile kompliziert. Zum wiederholten Male wird die Mannschaft mehrmals während des Spiels ausgebuht. Nicht Palmieri, aber Taylor Hall, den Starstürmer der Devils, bringt das nach dem Spiel auf die Palme: «Es scheint, dass wir nun auch noch gegen unsere Fans kämpfen. Das Spiel steht unentschieden und sie buhen. Sowas kreiert fürs Auswärtsteam eine gute Umgebung …» Da dürfte auch der Frust über Halls Eigentor zum 5:5 vielleicht mitspielen …

Und Apropos Starspieler und falsche Richtung: Ebenfalls sein Fett weg bekommt PK Subban. Der prominente Neuzuzug in der Devils-Abwehr sorgt für Unmut. Der im Aufbau zum komplizierten Spiel neigende Verteidiger steht bei fünf der sieben Gegentore auf dem Eis, sorgt auch sonst für viele wirre Szenen und schafft es, selbst in einem beidseits an defensiven Aussetzern reichen Spiel negativ herauszustechen.

Nach dem Spiel gibt der ansonsten eher als Lautsprecher bekannte Kanadier mit leiser Stimme Auskunft: «Ich habe das Spiel beeinflusst, aber nicht in die gewünschte Richtung. Ich denke, das war mein schlechtestes Spiel bislang.»

Hischier: «Es ist frustrierend»

Und die Schweizer bei den Devils? Mirco Müller ist überzählig und dürfte sich beim Betrachten des oft haarsträubenden Treibens insgeheim fragen: Warum eigentlich? Der mit kleinen, offensiv starken Spielern gespickten Devils-Abwehr würde ein grosser, stämmiger, defensiv solider Verteidiger wie der Winterthurer zumindest nicht schaden an diesem Abend.

Und Hischier bleibt nichts anderes übrig, als gleich mehrere Fakten als «einfach nur frustrierend» zu beschreiben. Es ist paradox: Die Devils gewannen von ihren zehn Spielen bislang bloss zwei – genau jene, die der Walliser vor knapp zwei Wochen verletzt verpasste, dabei seinen neuen 7-Jahres-Vertrag unterschrieb. Der Center wartet also auch nach acht Einsätzen nicht bloss auf sein erstes Saisontor, sondern auch auf «seinen» ersten Sieg.

Es wird gegen Tampa alles versucht, doch beides gelingt auch mit einer neuen Linie nicht: Seinen Schwedischen Kumpel Jesper Bratt, dessen zwei Treffer Hischier immerhin vorbereitet, sowie den gelernten Center Pavel Zachahatte hatte der 20-jährige Walliser in dieser Kombination noch nie als Flügelstürmer neben sich.

Wenn es nicht läuft …

«Dieses erste Tor willst du so schnell als möglich hinter dich bringen – und ich habe es immer noch nicht geschafft», sagt Hischier. Es fehlt ihm an diesem Abend der offenen Tore zwei Mal nur sehr wenig. Die beiden Szenen sind identisch. Hischier wühlt im Slot, geht dorthin, wo es vom Gegner die meisten Schläge gibt, kommt zu Schuss, Nachschuss und «Nachnachschuss» – das Erfolgserlebnis bleibt aus.

Während seine erste Topchance immerhin am Ursprung des 2:2-Ausgleichstreffers steht und er dafür mit seinem ersten von zwei Assistpunkten belohnt wird, wird er bei der zweiten von Tampas Verteidigern unsanft, einem Tackling im American Football ähnlich, über den Haufen gefahren. Das passt zum Gesamtbild genauso wie die Szene, als Hischier nach einer gegen ihn angezeigten Strafe mit dem Schiedsrichter kollidiert.

Zwei Mal tut Johnson weh

Und wenn es einem der Leistungsträger nicht läuft, dann sind die Gegner, die nerven, jeweils auch nicht weit. Es ist kaum Zufall, dass Tampas Tyler Johnson zehn Minuten vor Schluss bei einem Spielunterbruch ausgerechnet Hischier beim Vorbeifahren einen feinen, aber fiesen Stockschlag von hinten in die Beine mitgibt – einfach so. Es ist die perfekte subtile Provokation, der junge Schweizer verliert ganz kurz die Fassung.

Noch mehr schmerzt Hischier und die Devils aber, als eben dieser Johnson in der Overtime zum 7:6 trifft. «Momentan ist das Glück nicht auf meiner Seite», sagt der Schweizer. «So muss ich mich halt auf andere Dinge konzentrieren, um dem Team helfen zu können.» Zu viel über verpasste Tore nachzudenken wolle er nun keinesfalls, sagt Hischier. «Aber das ist schwierig im Moment.»

Resultate: St. Louis - Minnesota (mit Fiala) 2:1. Colorado - Florida (mit Malgin) 3:4 n.V. Arizona - Montreal 1:4. Columbus (mit Kukan) - Edmonton (mit Haas) 1:4. Los Angeles - Vancouver 3:5.


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