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Nico Hischier, der Goldjunge

Der Jungstar, der am Montag mit den Devils in Bern gastiert, soll nicht nur sportlich in neue Schweizer Dimensionen vorstossen, sondern auch punkto Vermarktung.

Grosse Attraktion: Nico Hischier kommt mit den Devils nach Bern.
Grosse Attraktion: Nico Hischier kommt mit den Devils nach Bern.
Raphael Moser

Nico Hischer ist da. Oder wieder da. Am Samstagvormittag sind die Devils aus Winnipeg kommend in Zürich gelandet. Und dann direkt weitergereist zur Berner Postfinance-Arena. Aufs geplante Training wird aber verzichtet, die Spieler sind müde. Nicht alle haben im Flugzeug so tief geschlafen wie Hischier. Mit einer Wollmütze auf dem Kopf und einem leichten Flaum ums Kinn gibt er Interviews vor einer Sponsorenwand der NHL.

Im ­August trainierte er noch mit dem SCB, am Montag wird der Jungstar mit den New Jersey Devils gegen seinen Ex-Club spielen. «Ich freue mich auf die Fans», sagt er. «Eine Menschenwand wie in Bern gibt es in der NHL nicht.»

Hischier ist noch nicht einmal 20 und bereits ein wichtiger Player im Schweizer Eishockey. Ohne ihn gäbe es wohl kein NHL-Gastspiel in Bern. Und sein Weg soll eine Inspiration sein für viele Junge, die ihre Schlittschuhe schnüren. Doch nicht nur sportlich soll er in neue Dimensionen vorstossen, sondern auch punkto Vermarktung. Das hat sich die Berner Agentur By the Way Communications vorgenommen, die ihn seit seinem Draftjahr betreut.

Versicherung, Energydrink, Telekommunikationsfirma

So gab Hischier Anfang September nicht nur Auskunft über seinen Formstand und seine Ziele, als er im Hallenstadion die versammelte Presse empfing, sondern wurde auch als Botschafter eines Energydrinks vorgestellt. Inzwischen wirbt er schon für vier Firmen: für seinen Ausrüster (auch in Nordamerika) und in der Schweiz für eine Versicherung, einen Telekommunikationsanbieter und eben den Energydrink.

Teamsportler als Markenbotschafter, das ist nicht an der Tagesordnung. Weniger noch im Eishockey als im Fussball. «Meistens ist der Vereinsbrand stärker und emotional aufgeladener als die Einzelperson», sagt Sportmarketing-Experte Hans-Willy Brockes. «Und oft haben Spielerberater keine Affinität zu Marketingthemen. Das ist für sie zu hart verdientes Geld.» Dass ein Individualsportler die besseren Voraussetzungen hat, sich vermarkten zu lassen, räumt auch Patrick Fischer von Hischiers Agentur ein. «Als Teamsportler muss man ein Merkmal haben, durch das man aus der Masse heraussticht. Dass Nico als Nummer 1 gedraftet wurde, macht ihn schon einmal einzigartig für die Schweiz», sagt Fischer, der nicht verwandt ist mit dem Nationalcoach. Zudem punkte Hischier auch mit seiner Persönlichkeit: «Er ist bodenständig und sympathisch, charakterisiert die Schweiz sehr gut.»

Für Hischiers Vermarktungsagentur ist sein Berner Gastspiel ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Er bestritt als Junior mit Gitterhelm ein paar Spiele für die erste Mannschaft des SCB, ehe er mit 17 nach Nordamerika zog. Nun sehen ihn die Schweizer Eishockeyfans erstmals in voller Blüte vor ihrer Haustür.

Gemäss Brockes, der die Europäische Sportsponsoring-Börse (ESB) aufbaute, ist der Wirkungsort eines Sportlers heute aber nicht mehr so entscheidend. «Die Jugendlichen verfolgen die Sportler heute auf allen Kanälen.» Wenn Hischier ein Tor schiesst, wird das auf den sozialen Medien tausendfach verbreitet.

Ein Potenzial wie Dario Cologna oder Simon Ammann?

Fischer glaubt, dass Hischier ein ähnliches Vermarktungspotenzial hat wie erfolgreiche Individualsportler wie Dario Cologna oder Simon Ammann, die beide zu Werbemillionären wurden. Auf Zahlen will er sich aber nicht festlegen. Marketingexperte Brockes spekuliert: «Ein höherer sechsstelliger Betrag im Jahr sollte möglich sein.»

Was die Vermarktung betrifft, hinkt das Eishockey aber dem Fussball oder dem Tennis hinterher. Branchenprimus ist Sidney Crosby, dessen Werbeeinnahmen «Forbes» auf vier Millionen Dollar jährlich schätzt. Ein Bruchteil dessen, was Roger Federer einspielt (65 Millionen Dollar).

Sein «Rookie»-Vertrag mit den Devils garantiert Hischier für die ersten drei Jahre 925 000 Dollar Grundsalär. Danach dürfte es ein Mehrfaches werden. Hischiers Haupteinnahmequelle wird also stets sein Lohn bleiben. Es stelle sich auch die Frage, so Brockes, wie viel Zeit er für Sponsorentermine aufwenden könne. Während der Saison bleibe da wohl nicht viel.

«Nico gibt den Takt an», sagt Fischer. Nicht aber an diesem Samstag in Bern. Noch zwei Minuten, dann fährt der Teambus ab, heisst es plötzlich. Noch kurz ein Foto, bitte? Hischier nickt und posiert im Bauch der Arena. Dann eilt er davon.

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