Nicht nur Spieler stossen nach 117 Minuten an die Grenzen

Um 0.56 Uhr, nach 117 Minuten und 43 Sekunden Spielzeit, schiesst Mark Arcobello das Siegtor. Ein Rekordspiel wie jenes zwischen Servette und dem SC Bern stellt viele vor spezielle Herausforderungen.

  • loading indicator
Adrian Ruch

In der fünften und letzten Pause der sechsten Playoff-Partie zwischen ­Servette und dem SC Bern sind die Gastronomiebetriebe in der Les-Vernets-Halle ausgeschossen. 580 Hamburger und 745 Hotdogs sind verkauft, 2000 Liter Bier und 650 Liter Softdrinks ausgeschenkt worden. ­Getränke gibt es keine mehr. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich sicher noch gut 5000 Zuschauer im Stadion.

Während die Fans Durst leiden müssen, wird in den Garderoben umso mehr Flüssigkeit ­zugeführt. Nachdem der kleine SCB-Amerikaner Mark Arcobello nach 117 Minuten und 43 Sekunden dem Spuk mit dem Siegtor ein Ende bereitet hat, erzählt er: «Ich musste sehr viel trinken, damit ich nicht dehydrierte.»

Energie tanken in der Pause

Als vor der Saison 2017/2018 das Penaltyschiessen zur Entscheidungsfindung nach 80 Minuten abgeschafft wurde, liessen sich die SCB-Verantwortlichen von einem Ernährungsspezialisten beraten. Details wollen sie nicht preisgeben, aber Sportchef Alex Chatelain sagt, es gebe keine grossen Geheimnisse. «In der Pause geht es darum, leicht Verdauliches und Dinge zu konsumieren, die rasch Energie liefern.»

Zudem müsse der Salzhaushalt so gut wie möglich in der Norm gehalten werden. Die Bedürfnisse seien individuell. «Der eine braucht Flüssigkeit in Form von Energiegels, der andere will etwas zum Beissen. Viel spielt sich im Kopf ab.»

Auch für die Unparteiischen ist der Rekordmatch eine interessante Erfahrung, zumal sie sich nie auswechseln lassen können. «In der Kabine spürst du die Beine schon, auf dem Eis funktionierst du einfach», stellt Marc Wiegand, einer der Head-Schiedsrichter, fest. Der Abstand zum Geschehen werde mit zunehmender Spieldauer etwas grösser, gibt er zu. «Genau wie die Spieler müssen auch wir die Kräfte einteilen.»

Für die Schiedsrichter gibts wie so oft Pizza

Die Referees geniessen anders als die Hauptdarsteller, die auf Physiotherapeuten sowie ­individuell abgestimmte Nahrungsmittel zurückgreifen können, keine umfassende Betreuung. Nach einer Partie werden sie jeweils vom Heimclub verpflegt. Weil es diesmal lange nach einem normalen Spielende aussieht, stehen nach 60 Minuten in der Garderobe die Pizzas schon bereit – nicht die ideale Kost für Sonderleistungen. Trotzdem genehmigen sich die vier Schiedsrichter nach der ersten Verlängerung je ein Stück.

Pech hat, wer Amateur ist und zur Arbeit muss

Nach dem Match füllen die SCB-Profis ihre Speicher mit Poulet, Teigwaren und Reis wieder auf. Auf der Heimfahrt im Teambus findet keine Party statt, herrscht keine ­Jubelstimmung, aber auch keine kollektive Erschöpfung. Alles läuft laut SCB-Kommunikationschef Christian Dick wie immer ab.

Um 3.50 Uhr trifft die Mannschaft in Bern ein – und erst am Sonntagmorgen wird sie wieder zum Training gebeten. Arcobello macht sich wegen der Belastung keine Sorgen. «Sie wären überrascht, wenn Sie wüssten, was fünf Tage bewirken können. Wir werden am Dienstag in tipptopper Form sein.» Dann beginnt nach sechs Partien mit gut 466 Spielminuten der Halbfinal.

Noch später sind die Schiedsrichter daheim, nämlich gegen 5 Uhr morgens. Trotzdem meint Wiegand: «Während des Spiels war der Rekord nie im Kopf, aber im Nachhinein ist es cool, bei diesem Ereignis dabei gewesen zu sein.» Als Profischiedsrichter kann er ausschlafen und hat gut reden. Linesman Balazs Kovacs hingegen ist Amateur. Schon um 8 Uhr steht für ihn in seinem Hauptjob eine Sitzung an.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt