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Nicht nur am Puck, auch am Computer gewieft

Wie der SCB-Kanadier Zach Boychuk, zweifacher Juniorenweltmeister, eine zweite Einkommensquelle erschlossen hat.

Im Hintergrund die neue Wirkungsstätte: Zach Boychuk hat sich in Bern und beim SCB gut eingelebt.
Im Hintergrund die neue Wirkungsstätte: Zach Boychuk hat sich in Bern und beim SCB gut eingelebt.
Raphael Moser

Zach Boychuk ist ein gewinnender Typ; er lacht oft und lässt sich nicht so schnell aus der Fassung bringen. Auch nicht durch eine unerwartete Frage: Gefällt es Ihnen in der Schweiz und beim SC Bern nicht? Der Eishockeyprofi runzelt ganz kurz die Stirn, lächelt dann und beginnt sofort zu schwärmen. Erst als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass er seit seinem Transfer vor über zwei Wochen seinen neuen Arbeitsort auf den sozialen Medien noch nie gewürdigt hat, weiss er, woher der Wind weht.

Boychuk gilt als ungekrönter Twitter-König des Eishockeys, rund 896000 Menschen folgen ihm auf dem Kurznachrichtendienst. Damit wird er nur von einer Handvoll Berufskollegen übertroffen, und das sind alles Superstars aus der NHL wie Alexander Owetschkin und P.K. Subban. «Derzeit mache ich etwas Pause, während der Saison konzentriere ich mich voll und ganz aufs Eishockey. Sobald wir weniger Spiele zu bestreiten haben, werde ich wieder häufiger etwas posten.»

Die Fans hätten Spass an den Kurzbeiträgen, und er habe das auch, berichtet Boychuk. Doch er teilt Erlebnisse und Bilder nicht nur zum Vergnügen, denn der 29-Jährige hat eine zweite Einkommensquelle gefunden, die auch nach seiner Karriere sprudeln soll – als Influencer. «Als ich in der NHL war, hatte ich rasch 30000, 40000 Follower. In der Folge meldeten sich diverse Firmenvertreter bei mir und fragten, ob sie mir Produkte zusenden könnten, damit ich sie auf Twitter zeige. Ich merkte so schon vor etwa sechs Jahren, dass es sich lohnen kann, auf den sozialen Medien eine grosse Gefolgschaft zu haben.»

Folgst du mir, folg ich dir

Der Kanadier mit Flair für Technologie macht sich das Phänomen zunutze, dass die meisten Menschen jenen folgen, die ihre Nachrichten abonnieren. Anfänglich klickte Boychuk alle Kandidaten manuell an, mittlerweile erledigt die Suche ein Computerprogramm. Je mehr Leute seine Einträge beachten, desto wertvoller ist er für seine Partner. Gesponsert wird er etwa von der Glücksspielplattform Draftkings sowie dem Sportlernetzwerk Viktre. Er sei wählerisch und werbe nicht für jede Firma, die bereit wäre, ihn zu bezahlen, sagt Boychuk. Er mischt private Meldungen geschickt mir solchen mit kommerziellem Hintergrund. «Wichtig ist, dass die Fans einen kleinen Einblick in mein Leben kriegen, sie wollen nicht nur Werbung sehen.»

Der Stürmer gibt zu, dass seine Aktivitäten zum Teil kritisch beurteilt werden. Die sozialen Medien seien noch relativ neu, viele altmodische Menschen hätten Vorbehalte. Als er in die NHL gekommen sei, hätten etliche Sportchefs und Trainer den Spielern verboten, Twitter zu nutzen. «Doch mittlerweile sind fast alle Coaches und General Managers selber auf den verschiedenen Plattformen aktiv.»

Nicht ganz gut genug

In erster Linie ist Boychuk nach wie vor Eishockeyprofi, und zwar ein ausgezeichneter. In seiner zweiten Woche beim SCB sorgte er in drei Partien für vier Tore und zwei Assists. Doch warum spielt der zweimalige Junioren-Weltmeister nicht in der NHL? Der unweit Calgarys aufgewachsene Stürmer sucht keine Ausreden. Er habe in seiner Jugend auf jeder Stufe grossen Erfolg gehabt, und auch in der AHL. «Doch bei den Carolina Hurricanes lief es mir nicht, wie es von einem Erstrunden-Draftpick erwartet wird. Vielleicht lag es an den Nerven, vielleicht hatte ich etwas Angst, manchmal wurde ich nicht optimal eingesetzt.»

Er bekam diverse gute Chancen, nicht nur bei Carolina, auch in Nashville sowie in Pittsburgh, wo er sieben Matches in einer Linie mit Jewgeni Malkin und James Neal spielen konnte. «Doch ich war nicht in der Lage, mich durchzusetzen. Die NHL ist eine harte Liga, vor allem für einen kleinen Kerl. Es gab einen Unterschied zwischen den Top-6-Stürmern und mir, sie hatten schlicht noch mehr Qualitäten.» Mit 27 beschloss der Kanadier, dessen Zwillingsschwester Corissa im Trampolinspringen Weltklasse war, sein Glück in Russland zu versuchen.

Zwei Jahre lang lief es ihm in der KHL ausgezeichnet, doch im Herbst 2018 kam er wie das ganze Team aus Tscherepowez nicht auf Touren. «Die Chemie stimmte nicht, wir schossen keine Tore, viele hatten Mühe, das Selbstvertrauen zu finden, ich inklusive.» Der Tapetenwechsel hat ihm gutgetan, Zach Boychuk ist in Bern angekommen. Das zeigen seine Leistungen, aber auch die Tatsache, dass er noch am selben Abend auf Instagram ein Video hochlädt: Zu sehen ist unter anderem … ein Bär. Aus SCB-Sicht wäre es freilich wichtiger, würde künftig fleissig über den flinken Stürmer getwittert.

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