Der Schwede, der schneller ist als der Puck

Mattias Tedenby hat in den sieben Spielen im Oktober sieben Tore erzielt. Er ist ein wichtiger Grund für den unerwartet guten Start des HC Davos.

Stürmer Mattias Tedenby (29): Zu klein für die NHL, enorm wichtig für den HCD. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Stürmer Mattias Tedenby (29): Zu klein für die NHL, enorm wichtig für den HCD. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Am 1. Oktober beklagte Mattias Tedenby Schusspech. Sein HC Davos gewann in Langnau dennoch. Seither aber hat der Schwede in jedem Match des Monats getroffen. Mindestens einmal. Sieben Tore in den letzten sechs Partien beträgt seine Ausbeute. Andere Spieler oder Teams mögen im Oktober mehr Punkte gesammelt haben – aber sie trugen auch mehr Partien aus. Tedenby und sein HCD haben insgesamt erst 11 Partien absolviert, mit 21 Punkten holten sie gleich viele wie Meister Bern aus 17 Spielen.

Dazu kommt: Wegen des Stadionumbaus fanden erst zwei Auftritte vor eigenem Publikum statt. «Wir waren bis jetzt ziemlich gut», wertet der 29-Jährige zurückhaltend. Seinen Beitrag dazu will er nicht zu stark gewichten. Doch die 1,18 Skorerpunkte pro Match sind der viertbeste Schnitt der Liga hinter Hofmann (Zug), Lindgren (Davos) und Roe (ZSC). Und wer noch genauer hinschaut, stellt fest: Tedenby schoss im Oktober nicht einfach irgendwelche Tore, sondern jeweils das erste für Davos. In Genf das 1:0 und sogar das 2:1, in Bern das Anschlusstor zum 1:2, in Fribourg das 1:1, gegen Biel im ersten Heimspiel das 1:0, wieder gegen Fribourg das 1:1 und in Ambri das 1:0.

Der Publikumsliebling

«Oh, das ist mir gar nicht bewusst», staunt Tedenby. Das ist typisch für diesen 1,77 m grossen Flügel, der in Jönköping in seinen Jahren beim HV71 Publikumsliebling und manchmal schneller als der Puck war. Zu viele Gedanken macht er sich nicht über Eishockey. «Er ist unglaublich», sagt Robin Figren. Die letzten zwei Jahre hatten er und Tedenby gemeinsam für HV71 gespielt, Tedenby verabschiedete sich als drittbester Skorer nach Davos, Figren als viertbester nach Kloten. «Mit dem ist immer etwas los, er ist jeden Tag in der Garderobe für etwas Verrücktes oder Unerwartetes gut», sagt Figren lachend.

«Aber auch auf dem Eis tut er eben unerwartete Dinge», ergänzt der Klotener. Das macht das Paket Tedenby aus. HCD-Sportchef Raeto Raffainer, in seiner Zeit als Direktor der Nationalmannschaften schon ziemlich schweden­affin, schwärmt von Tedenbys Wendigkeit. «Auf kleinstem Raum schafft er mit einer Finte eine solche Distanz zum Gegenspieler, dass der nicht mehr mithalten kann.» Raffainer und Trainer Wohlwend waren nach zwei Skype-Gesprächen vom Schweden überzeugt: «Als Mensch ist er fantastisch.» Und die defensive Schwäche, die ihm in einem Scouting Report nachgesagt wird? Von der hat in Davos bisher niemand etwas gesehen.

Der Arbeitsweg ist gleich geblieben

Tedenby hatte in der Vorbereitung wie alle Davos-Ausländer mit Verletzungen zu kämpfen (Adduktoren), aber das ist Vergangenheit. «Er wird noch besser», ist Raffainer überzeugt. Von Tedenbys Qualitäten waren schon früh auch andere überzeugt. Etwa der frühere Lugano-Center und -Trainer Kent Johansson, der dem erst 17-jährigen Flügel im Winter 2007/08 die ersten Einsätze in der ersten Mannschaft von HV71 ermöglicht hatte.

Tedenby wurde mit dem Team seiner Heimatstadt zweimal Meister (2010 und 2017). Nach dem ersten Titel versuchte er sich in der NHL, er pendelte zwischen New Jersey und Albany (AHL). Es fehle ihm an Körpergrösse, hiess es aus Nordamerika, als er nach vier Jahren nach Jönköping zurückkehrte. 120 NHL-Partien hat er absolviert.

Sein Vertrag in Jönköping wäre weitergelaufen, wenn er im Frühling nicht eine Ausstiegsklausel genützt hätte. «Ich hatte es dort wirklich gut und bequem, aber ich brauchte noch einmal etwas Neues.» Also entschied er sich für Davos. Trotz der neuen Herausforderung ist am neuen Ort etwas gleich wie in Schweden: Der Arbeitsweg zur Halle ist ähnlich kurz wie in Jönköping, wo sein Haus nur 800 m von der Arena entfernt steht.


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