Martin Plüss beendet seine Karriere

Ex-SCB-Captain Martin Plüss (40) hängt seine Schlittschuhe definitiv an den Nagel. Das hat er am Donnerstag bekannt gegeben.

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Die Zukunft von Martin Plüss ist geklärt: Nach neun Jahren und insgesamt 536 Pflichtspieleinsätzen beim SC Bern beendet der mittlerweile 40-Jährige seine Karriere. Damit erklärt einer der prägendsten Schweizer Eishockey-Figuren der letzten zwei Jahrzehnte seinen Rücktritt.

Mit der Nationalmannschaft feierte der Zürcher Unterländer aus Bülach seinen grössten Erfolg mit dem Gewinn von WM-Silber 2013 in Stockholm. Gerade bei jenem Exploit des Nationalteams war der smarte, nur 1,74 Meter grosse Center eine der Schlüsselfiguren im Team von Sean Simpson.

Zusammen mit dem ebenfalls erst vor kurzem zurückgetretenen NHL-Verteidiger Mark Streit und dem langjährigen ZSC-Captain Mathias Seger zählte Plüss zu den herausragendsten Spieler-Persönlichkeiten seiner Generation. 23 Jahre lang war Plüss als Profispieler aktiv.

Intelligent, produktiv und vorbildlich

Plüss war ein ein exzellenter Spielmacher mit defensivem Gewissen und starker Bully-Spieler. In erster Linie aber auch ein Leader, der das Spiel lesen konnte und bezüglich Einstellung ein Vorbild war. Auch konnte er nach Spielende das Geschehen erstklassig reflektieren und treffende Einschätzungen abgeben.

Vier Teilnahmen an Olympischen Spielen, zwölf an Weltmeisterschaften und 236 Länderspiele sind nur einige Auszüge aus seinem Palmarès. Auf nationalem Eis gewann Plüss sechs Meistertitel (mit Bern in den Jahren 2010, 2013, 2016 und 2017, mit Kloten zu Beginn seiner Profi-Laufbahn 1995 und 1996). Hinzu kam der Titelgewinn mit Frölunda Göteborg in Schweden (2005).

In Schweden verbrachte Plüss vier erfolgreiche Jahre (2004 bis 2008). Seither spricht er auch fliessend schwedisch. In der Schweiz wurde er unter anderem dreimal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt, 2005 zudem zum besten Schweizer Spieler im Ausland.

In der obersten Schweizer Spielklasse erzielte Plüss für Kloten und Bern in ingesamt 956 Spielen 303 Tore und 419 Assists. Beim SCB war Plüss bis zuletzt top. Und vor allem in der Vergangenheit auch dann ein herausragender Leistungsträger und Vorkämpfer, wenn es dem Team nicht lief.

Und wenn Plüss aus Gründen einer sauberen Saison-Vorbereitung auf eine WM-Teilnahme mit dem Nationalteam verzichtete, kehrte er in der Folgesaison nach einem gezielten Formaufbau umso stärker zurück und glänzte auch im Nationalteam (wieder). In diesem war Plüss bis zur Saison 2013/2014 aktiv.

Bei Olympia trat Plüss 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin, 2010 in Vancouver sowie 2014 in Sotschi an. 2006 in Turin trug er seinen Teil zu den beiden legendären Vorrunden-Siegen über die mit NHL-Stars gespickten Tschechien (3:2) und Kanada (2:0) bei.

Mit Verzögerung aufs Bauchgefühl gehört

Zuletzt war Plüss in der National League vertragslos. Er hatte sich mit Bern nicht über einen neuen Vertrag beziehungsweise seine künftige Rolle im Team einigen können. Seinen Rücktritt liess Plüss bis Donnerstag offen. «Nach der letzten Saison und der erfolgreichen Titelverteidigung mit dem SC Bern sagte mir mein Bauchgefühl, dass dies der richtige Moment sein könnte, aufzuhören und meine Prioritäten im Leben anders zu setzen. Das Ziel, bis 40 auf meinem persönlichen Top-Level zu spielen, hatte ich erreicht.»

Aufgrund der noch immer voll vorhandenen Leistungsfähigkeit, der grossen Leidenschaft für das Eishockey sowie diverser verlockender Angebote sei es aber auch eine reizvolle und natürliche Option gewesen, weiterzuspielen. Gleichzeitig sei ihm klar gewesen, «dass irgendwann Schluss sein muss, und ich den Schritt dahin selbstbestimmt tun will, weshalb ich mich für eine sechsmonatige Auszeit entschieden habe. Diese nutzte ich, um für mich zu klären, wie sich ein Leben ohne Spitzensport anfühlt und wie es weitergehen soll.»

Plüss trainierte weiter, verbrachte aber auch viel Zeit mit seiner Familie. «Und so wuchs aus dem anfänglichen Bauchgefühl der Entscheid, meine Karriere als Eishockeyprofi zu beenden.» Die nächsten Monate werde Plüss weiterhin nutzen, um viel Zeit mit der Familie zu verbringen und gemeinsam mit ihr seine berufliche Zukunft zu planen.

mb/si

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