Gustafsson: «Ich habe kein Problem mit Langnaus Verantwortlichen»

Sein Vater musste, er will gehen: Anton Gustafsson verlässt die SCL Tigers Ende Saison Richtung Freiburg. Der 25-jährige Schwede versichert, sein Wechsel habe nichts, mit den Tigers-Verantwortlichen zu tun.

Tempo und Tore:?Anton Gustafsson, mit elf Treffern bester Tigers-Torschütze, hat einen Lauf.

Tempo und Tore:?Anton Gustafsson, mit elf Treffern bester Tigers-Torschütze, hat einen Lauf.

(Bild: Andreas Blatter)

Es war Ende Februar, als Anton Gustafsson sagte: «Ich bin keiner, der viele Tore schiesst.» Er verhalte sich schlau auf dem Eis, ­lasse sich den Puck nicht so schnell abluchsen, sei stark in Zweikämpfen. «Aber Skorerpunkte sammle ich nicht viele.»

Dann geschah folgendes: In 17 NLB-Playoff- und Ligaqualifikationspartien erzielte der 25-jährige Schwede für die SCL Tigers 16 Treffer. In der laufenden Qualifikation steht er mit 11 Toren zu Buche, kein Langnauer hat häufiger getroffen. Der Blick auf die Statistik zeigt, dass jeder vierte Gustafsson-Schuss zum Erfolg führt.

Es überrascht daher nicht, erhielt sein Agent in den letzten Wochen viele Anrufe. Die Tigers wollten den Vertrag verlängern, Klubs aus Schweden meldeten sich, im Verhandlungspoker aber spielte Gottéron die besten Karten aus. Bei den Freiburgern hat der Stürmer für die nächsten zwei Saisons unterschrieben. «Ich bin seit fünf Jahren hier. Es ist Zeit, etwas Neues zu sehen.»

Der Körper spielte nicht mit

Anton Gustafsson wird also weiterziehen. Es ist keine gute Nachricht für die SCL Tigers, die ihr Kader verstärken, einen Schritt vorwärtskommen wollen. Beim Aufsteiger gehört der Center, welcher dank einer Schweizer ­Lizenz das Ausländerkontingent nicht belastet, zu den wichtigsten Akteuren.

«Ich liebe diesen Klub», beteuert Gustafsson, «aber ich will mich weiterentwickeln.» Er hat eindeutig Lust auf mehr – der Grund hierfür liegt in der Vergangenheit. 17 war er, als er in Schwedens höchster Liga debütierte. Von den Washington Capitals wurde er in der ersten Draft-Runde gezogen, trainierte danach eine Zeit lang mit Superstar Alexander Owetschkin.

In Washington aber begann seine Leidensgeschichte. Spielen durfte er nie, bald wurde er in die drittklassige East Coast Hockey League abgeschoben. Der Teenager, ungeduldig und frustriert, wollte zurück nach Europa. Washingtons Verantwortliche reagierten erbost.

Gustafsson ging trotzdem, was eine weltweite Sperre zur Folge hatte. Drei Monate lang hielt er keinen Stock in den Händen, suchte nach Arbeit auf dem Bau, dachte ans Aufhören. Doch dann kam Ende 2010 die Offerte aus dem Emmental, worauf die Capitals einlenkten. Selten aber vermochte Gustafsson in Langnau die hohen Er­wartungen zu erfüllen, der Körper spielte nicht mit.

Sein ­Krankheitsbulletin umfasst Hirnerschütterungen, Schulter- und Rückenbeschwerden, drei Kreuzbandrisse. Im Knie befindet sich mittlerweile ein Band eines Spenders. «Es ist brutal, was ich erlebte. Phasenweise bin ich fast durchgedreht.»

Kein fader Beigeschmack

Seit Anfang Jahr ist Anton Gustafsson beschwerdefrei, «endlich», wie er sagt. Er spricht von Gerechtigkeit, «immer wieder hiess es, man würde mich überschätzen. Nun beweise ich, was ich kann.»

Langnau bezeichnet er als zweite Heimat. Vater Bengt-Ake coachte den Klub erstmals zwischen 1999 und 2001, der Filius ging damals in die Primarschule, drückt sich daher in perfektem Berndeutsch aus. Gustafsson senior führte die Tigers während seiner zweiten Amtszeit Mitte April in die NLA zurück, wurde dennoch nicht weiterbeschäftigt.

Blieb beim Sohn ein fader Beigeschmack haften, welcher ihm den Zukunftsentscheid vereinfachte? Solches gehöre zum Business, versichert Anton Gustafsson, «ich habe kein Problem mit Langnaus Verantwortlichen. Mich störte aber, dass sehr viele vor meinem Vater wussten, dass nicht mehr auf ihn gesetzt wird. Das war nicht in Ordnung.»

Der Vertrauensentzug seitens der Tigers hat Bengt-Ake Gustafsson zugesetzt. «Er hatte Erfolg und dachte, die Leute seien zufrieden mit ihm. Nun aber ist er wieder motiviert; er könnte morgen irgendwo anfangen, seine Tasche ist gepackt.» Derzeit weilt Bengt-Ake Gustafsson in Langnau, er besucht seine zwei Enkelinnen.

Dem Junior dürfte er im heutigen Heimspiel (19.45 Uhr) gegen Lugano zuschauen, morgen folgt die Partie in Lausanne. «Die Playoffs sind möglich», hält Anton Gustafsson äusserst selbstbewusst fest, «aber wir brauchen eine Siegesserie.» Ob Skorer oder nicht: Weitere Treffer des Schweden kämen gerade recht.

Berner Zeitung

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