Löchrige Emmentaler

Kaum hat die Saison begonnen, drohen die defensiv anfälligen SCL Tigers bereits in eine Krise zu schlittern. Vor den Spielen gegen Servette und in Kloten sagt Trainer Heinz Ehlers: «Lange kann es so nicht weitergehen.»

Gefordert: Heinz Ehlers steht mit den SCL Tigers unter Druck. Nach fünf sieglosen Partien brauchen sowohl Coach als auch Mannschaft ein Erfolgserlebnis.

Gefordert: Heinz Ehlers steht mit den SCL Tigers unter Druck. Nach fünf sieglosen Partien brauchen sowohl Coach als auch Mannschaft ein Erfolgserlebnis.

(Bild: Christian Pfander)

Er wird Mauermeister genannt, Verteidigungsfanatiker sogar, sein System wird mit dem Begriff «Betontaktik» umschrieben. Es sind Bezeichnungen, die Heinz Ehlers zum Hals heraus hängen, weil er sie für völlig unzutreffend hält. Er sei kein Trainer, der besonders defensiv spielen lasse, meint der Däne. Und doch haben sich die von ihm betreuten Teams stets durch Stabilität in der Defensive ausgezeichnet.

So war es vergangene Saison auch bei den SCL Tigers; auf einmal jedoch scheint vieles nicht mehr zu funktionieren. Fünf Qualifikationsspiele, fünf Niederlagen mit 23 Gegentoren – die Abwehr ist das Hauptproblem. Und mit ein Grund dafür, dass im Emmental bereits wieder Unruhe herrscht.

Goalies nicht in Form

Nach der Niederlage vor Wochenfrist in Ambri meinte Ehlers, es gehe ihm nicht gut. Mittlerweile spricht er von einer grossen Enttäuschung, die er spüre. Auch, weil solch ein Saisonstart nicht zu erwarten gewesen sei. «Ich will die Situation nicht schönreden, sie ist ernst. Aber jammern bringt nichts. Wir können nicht jemand anders für uns spielen lassen.»

Auch der Trainer nennt das Verhalten in der eigenen Zone als Schwachpunkt. Er erwähnt die unnötigen Zweiminutenstrafen verbunden mit dem wenig sattelfesten Boxplay, ebenso die fehlende Disziplin. «In der letzten Saison hat keine Mannschaft mehr Schüsse geblockt als wir. Nun ­verhält sich das ganz anders, wir verteidigen nicht entschlossen genug.»

Sportchef Jörg Reber kritisiert derweil die Fehler in der eigenen Zone. «Wir treffen in Scheibenbesitz falsche Entscheidungen.» Kein sicherer Rückhalt sind die Torhüter – sowohl Ivars Punnenovs als auch Damiano ­Ciaccio haben weniger als 87 Prozent der Schüsse pariert; es handelt sich um klar ungenügende Werte. «Bei den Goalies fehlt etwas», meint Ehlers diplomatisch. «Sie werden aber auch weniger gut unterstützt als letzte Saison.»

Aussprache mit DiDomenico

Punnenovs wird vorderhand wegen Adduktorenbeschwerden fehlen. Mit den Verteidigern Martin Stettler, Yannick Blaser und Flurin Randegger sowie den Angreifern Nils und Pascal Berger sind weitere Stammkräfte verletzt. Der finnische Abwehrpatron Ville Koistinen überdies ist nicht ganz fit, weshalb Ehlers kaum mehr Alternativen hat.

«Aus fünf mach vier» gilt normalerweise die Losung bei den Ausländern. Während Antti Erkinjuntti und Eero Elo die Plätze 2 und 4 in der noch wenig aussagekräftigen Skorerliste belegen, agiert Aaron Gagnon bis anhin enttäuschend. Dem kanadischen Stürmer unterlaufen zwar kaum Fehler, er hat im Spiel nach vorne aber auch kaum Einfluss – mal abgesehen vom Cupspiel bei den Argovia Stars (8:2), in welchem er drei Treffer buchte.

Wenngleich Reber sagt, die Ausländer seien nicht das Problem, ist es denkbar, dass er die sechste Lizenz bald vergeben wird. Einer Verpflichtung Chris DiDomenicos würde der Verwaltungsrat ungeachtet der unrühmlichen Vorgeschichte nicht im Weg stehen, der Stürmer ist nicht zuletzt wegen seines tiefen Salärs in der AHL (65'000 Dollar) einem Transfer ­alles andere als abgeneigt. Heinz Ehlers wiederum, welcher nach dessen Abgang nicht gut auf DiDomenico zu sprechen gewesen war, räumte die Differenzen mit dem Kanadier schon im Frühling während einer Nordamerika-Reise im Vieraugengespräch aus.

(Noch) keine Trainerdebatte

Der Trainer seinerseits steht nicht zur Debatte, wie Klubangestellte bekräftigen. Jörg Reber meint, über den Coach wolle er nicht eine Sekunde lang diskutieren. Ehlers sagt, er habe nie von einer Klubführung derart viel Rückendeckung gespürt wie in Langnau. Mit dem Druck könne er umgehen, «den muss ein Trainer aushalten können, darum wird er gut bezahlt».

Der Bedeutung dieses Wochenendes mit dem Heimspiel gegen Servette und der Partie bei Schlusslicht Kloten (Freitag und Samstag, jeweils 19.45 Uhr) ist er sich bewusst. «Kein Trainer auf dieser Welt ist so realistisch wie ich», meint der Däne. «Ich bin nicht naiv: Je öfter wir verlieren, desto enger wird es für mich. Lange kann es so für mich nicht mehr weitergehen.»

Berner Zeitung

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